Ein an Stimmungen und Eindrücken reiches Singspiel

Ein gewaltiger und homogener Klangkörper: Das Collegium Musicum unter der Leitung von Musikdirektor Mariano Chiacchiarini. Alle Fotos: Rolf Lorig

Ein gewaltiger und homogener Klangkörper: Das Collegium Musicum unter der Leitung von Musikdirektor Mariano Chiacchiarini. Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Begeistert jubelnde Konzertbesucher: Soeben waren sie Zeuge eines außerordentlichen Konzertes auf höchstem Niveau geworden. Das “Collegium Musicum“ der Universität Trier hatte am Sonntag in der ehemaligen Abtei St. Maximin die “Carmina Burana“ von Carl Orff aufgeführt. Dabei erlebten die rund 1000 Konzertbesucher rund 200 Musiker auf der Bühne.

Von Rolf Lorig

Es gibt in unseren Breiten wohl kaum jemand, der die “Carmina Burana“ nicht kennt. Oder wenigstens das klanggewaltige “Oh Fortuna“. Boxveranstalter setzen dieses Stück gerne bei ihren Kämpfen ein, auch die Werbung hat längst ihren Nutzen aus dem Schaffen von Carl Orff gezogen. Wenn zu Beginn vor allem Pauken und Blech zusammen mit dem stimmgewaltigen Chor den Zuhörer auf das Kommende einstimmen, dann ist dieser Moment an Monumentalität kaum noch zu übertreffen. Dabei ist es nur der Auftakt zu einem an Stimmungen und Eindrücken reichen Singspiel, das den Besucher in die längst vergangene Welt des Mittelalters eintauchen lässt. Wer sich darauf einlässt und die Augen schließt, erlebt bestes Kopftheater mit musizierenden Gauklern und ausgelassen tanzenden Menschen.

Dass dieses Konzert zu einem Genuss ohne Reue geriet, war das Verdienst von Mariano Chiacchiarini, der Chor und Orchester seit 2010 als Musikdirektor leitet. Für Trier sind dieser Mann, das Orchester und der Chor ein Glücksfall! Denn man muss sich vor Augen halten, dass es sich bis auf den Musikdirektor um musikalische Laien − Studierende, Mitarbeiter der Universität und Chorbegeisterte aus der Region − handelt. Mariano Chiacchiarini ist es gelungen, aus diesem bunten Konglomerat einen Musikkörper zu formen, der höchsten Ansprüchen gerecht wird.

Was mit der Aufführung der “Carmina Burana“ einmal mehr trefflich unter Beweis gestellt wurde. Höchste Konzentration, sichere Handhabung von Stimme und Instrument, dazu eine Lockerheit, die die gemeinsame Freude am Singen und Musizieren in die Herzen des Publikums trug. Das wiederum zeigte sich innerhalb der ersten Stunde sehr diszipliniert. Dem Hinweis, man möge wegen der Konzertaufzeichnung möglichst wenig husten, wurde anfangs Folge geleistet. Doch nach etwas mehr als einer Stunde brach sich der Hustenreiz dann doch Bahn. Selbst bei leisesten Passagen forderte die Natur ihr Recht und trieb den Technikern damit den Schweiß auf die Stirn…

Tenor Philipp Farmand, Sopranistin Sophia Theodorides, Musikdirektor Mariano Chiacchiarini und Bariton Patrick Ruyters freuen sich über den Applaus.

Tenor Philipp Farmand, Sopranistin Sophia Theodorides, Musikdirektor Mariano Chiacchiarini und Bariton Patrick Ruyters freuen sich über den Applaus.

Leidtragende waren dabei aber auch die Solisten, die das Collegium Musicum verstärkten. Mit ihrem glockenhellen und warmen Sopran verzauberte Sophia Theodorides, Bariton Patrick Ruyters überzeugte mit einem weit tragenden Bariton und der Tenor von Philip Farmand brachte mit südländischem Temperament und Schmelz in der Stimme die Augen des Publikums zum Leuchten.

Nachdenkliche Töne kamen am Ende des Konzertes ausgerechnet vom Chordirektor höchstselbst. Natürlich freute sich Mariano Chiacchiarini wie alle Mitwirkenden über den schier nicht enden wollenden, minutenlangen Applaus. In seiner kurzen Dankansprache aber bat er die Gäste des Abends darum, sich dafür einzusetzen, dass das Kirchenschiff der früheren Abtei auch künftig großen Chören und Orchestern als Veranstaltungsort zur Verfügung stehen kann. Und dann gab es die ersehnte Zugabe. Da es schwierig sei, aus der Carmina Burana eine Zugabe auszuklinken und man zudem den Valentinstag feiere, habe er sich für den “Liebesgruß“ von Edward Elgar entschieden. Da aber der Applaus auch danach nicht enden wollte, gab es dann doch noch als Draufgabe eine Zugabe aus der Carmina Burana: Satz Nr. 10 “Were diu werlt alle min“…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur 1 Kommentar

Kommentar zu Ein an Stimmungen und Eindrücken reiches Singspiel

  1. Nancy López

    Me gusto, quisiera escuchar el concierto solo tengo fotos

     

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