Ein Digital Hub für die Moselstadt

Die Chancen einer digitalen Welt soll der Digital Hub in Trier gleichermaßen für Stadt und Land erschließen. Fotos: Geralt

TRIER. Jetzt macht sich Trier fit für die Zukunft: Im Wettbewerb mit den Städten Mainz und Ludwigshafen will die Römerstadt einen Digital Hub aufbauen. Darunter versteht man einen Knotenpunkt, der junge Startups sowie digitale Anwender aus Industrie, Mittelstand und Wissenschaft in einem Gebäude vereint. Durch eine direkte Vernetzung wird Raum geschaffen für gemeinsame Innovationen, digitale Technologien und Geschäftsmodelle. Neben Büros und Besprechungsräumen gibt es zudem Flächen für gemeinsame Projekte. Noch bis zum Jahresende will die Stadt Trier dazu ein Gebäude mit ungefähr 500 Quadratmetern Grundfläche plus Erweiterungsmöglichkeit anmieten.

Von Rolf Lorig

“Für die einen ist die Digitalisierung eine Gefahr, für die anderen ein Segen.” Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat sich zusammen mit Christiane Luxem, der Leiterin der Wirtschaftsförderung, in der jüngeren Zeit sehr intensiv mit dieser Materie befasst. Und er ist sich sicher, dass hier eine ganz große Chance für die Zukunft der Stadt liegt. “Viele Startups wissen nichts voneinander. Die wollen wir zusammenführen, miteinander vernetzen und der Stadt so das damit verbundene Potenzial erschließen.” Bei aller Euphorie bleibt er aber Realist: “Wenn wir so etwas aufbauen, dann müssen wir den Blick auf das ganze Land richten. Würden wir das nur mit Blick auf die Region tun, wäre das zu kurz gesprungen.”

Also in direkter Konkurrenz zu Mainz und Ludwigshafen? Der OB nickt. “Wir haben das Potenzial”, zeigt er sich überzeugt und verweist zum einen auf die Universität auf der Tarforster Höhe und auf die Hochschule auf der anderen Seite der Mosel. Christiane Luxem bestätigt das: “Wir wissen aus der Hochschule von sieben oder acht Startups, die im Bereich der Spieleentwicklung schon bald an den Start gehen wollen. Und auch aus dem Bereich der Universität gibt es eine ähnlich große Zahl, die möglichst bald loslegen will.”

Insbesondere an der Hochschule Trier gibt es ein enorm großes Potenzial an Entwicklern, die sich in diesem Jahr auch auf der Gamescom präsentierten.

Einst ein Busdepot, jetzt ein Digital Hub

Optimale Voraussetzungen für die Gründung eines Digital Hubs, das Kreative in einem Gebäude zusammenführen und möglichst auch vernetzen will. Die Stadt Aachen, weiß OB Leibe, ist schon einen Schritt weiter. Hier wurde ein ehemaliges Kirchengebäude zu einer “Digital Church” umgebaut. Und auch die Partnerstadt Metz sei bereits in die Praxisphase eingetreten. Dort wurde mit Mitteln aus Paris ein altes Busdepot zu einem Digital Hub umgebaut. Und auch in den Städten Köln, Bonn, Düsseldorf und Berlin ist man bereits an diesem Thema dran.

Ob und in welcher Höhe sich der Bund an einem solchen Projekt beteiligt, weiß Leibe noch nicht, er verweist auf noch laufende Gespräche. Konkrete finanzielle Hilfe komme aber aus dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium und der Staatskanzlei.

Christiane Luxem teilt den Optimismus ihres Chefs. “Trier hat in Anwendung und Forschung ein hohes digitales Wissen”, hat sie in zahlreichen Gesprächen in Erfahrung gebracht und verweist darauf, dass selbst die führenden amerikanischen Spieleentwickler bereits heute auf das Trierer Wissen zurückgreifen. Allerdings wolle man das Digital Hub nicht ausschließlich auf die Entwicklung von Spielen auslegen. “Das Hub ist für alle gedacht, die sich mit ihrer Materie hier einbringen können und wollen”, betont sie. Die Nutzung der Infrastruktur sei beispielsweise auch für Modedesigner interessant: “Schnelle oder gar ultraschnelle EDV-Leitungen bringen es mit sich, dass man heute nicht mehr unbedingt seinen Arbeitsplatz in Hamburg, Berlin oder München haben muss.” Und noch etwas hat Luxem im Blick: “Wenn neue Unternehmen in Trier ansiedeln können, profitiert die Stadt auch bei den Gewerbesteuereinnahmen davon.”

Wirtschaft zeigt großes Interesse an dem Vorhaben

Stichwort Infrastruktur: Wo liegen konkret die Vorteile des Digital Hub? “Neben dem Gebäude stellen wir den Interessenten auch Service und Dienstleistungen bereit.” Konkret bedeute das, dass das Startup von Anfang an begleitet werde: “Da kann es um die Frage der Finanzierung gehen aber auch darum, wo denn meine Kunden sich befinden”, erläutert die Wirtschaftsförderungschefin. Eine andere Möglichkeit sei das Mentoring durch erfahrene Unternehmer. Die will die Stadt schon heute Abend um 19 Uhr im Großen Rathaussaal mit einer eigenen Veranstaltung ansprechen und über das Vorhaben informieren.

Das Interesse zeige, dass man sich mit dieser Idee auf dem richtigen Weg befinde, freut sich Luxem und berichtet, dass bereits 140 Anmeldungen vorliegen.

OB Leibe freut’s. Er sieht für den Digital Hub viele Möglichkeiten. Eine davon betrifft die Digitalisierung rund um die Elektromobilität: “Hier gibt es noch sehr viel Brachland. E-Autos gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Doch das ganze digitale Umfeld außerhalb der Autos, das mit der Elektromobilität zusammenhängt, birgt noch sehr viele Chancen und Möglichkeiten.”

Und noch einmal betont der Oberbürgermeister: “Eine Garantie, dass das Vorhaben klappen wird, kann uns niemand geben. Aber wir müssen unsere Chance nutzen.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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