Ein Familienfest, bei dem sich alles um Bier dreht

Gute Gespräche untereinander und mit den Brauern führen − das ist die Intention des vierten Bier-Festivals in Olewig. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Zwei Tage lang dreht sich im Weinort Olewig alles um das Thema Bier. Genauer gesagt, um das Craft Bier. Auf Einladung von Kraft-Bräu-Braumeister Sebastian (Seb) Nguyen schenken 18 Brauer aus ganz Deutschland am heutigen Freitag und morgigen Samstag deutlich mehr als 120 verschiedene Biere aus. Eine Veranstaltung, die von der ‟Kraft-Bräu‟ bereits zum vierten Mal organisiert wird. Zum Auftakt war Rolf Lorig für den reporter mit dabei.

Für die einen heißt es ‟Hopfen und Malz, Gott erhalt’s‟. Die anderen schwören auf das deutsche Reinheitsgebot, das ihrer Ansicht nach Garant für die besten Biere der Welt ist. Die kleine ‟Insel-Brauerei‟ von der Insel Rügen hat da eine andere Meinung. ‟Besser kein Reinheitsgebot‟, heißt es da provokativ im Hausprospekt und die Begründung folgt auf dem Fuß: ‟Anstelle von im Reinheitsgebot zugelassenen industriellen Hilfsstoffen verwenden wir historische und natürliche Brauzutaten.”

Die Distanzierung vom Reinheitsgebot hat dem 2015 gegründeten Unternehmen bislang nicht geschadet. Im Gegenteil. Pro Jahr werden hier etwa 10.000 Hektoliter Bier gebraut. Die Kunden der kleinen Brauerei, die aktuell zwölf (!) Biersorten anbietet, befinden sich quasi überall: ‟Wir beliefern diverse regionale Gaststätten, sind aber auch deutschlandweit im Geschäft. Und über unseren Internetshop liefern wir auch ins Ausland‟, sagt Braumeister Albrecht Schulz. Zwischen 20 und 30 Mitarbeiter hat seinen Angaben zufolge die Brauerei, davon alleine etwa sieben Vertriebler. ‟Alle unsere Biere sind eigene Kreationen‟, betont Schulz, “für die neben den Braumeistern auch Bier-Sommeliers verantwortlich zeichnen.”

Ein Glas, ein Programm, ein Stift – die Grundausrüstung für jeden Gast des Bier-Festivals.

Abgrenzung zu industriell gefertigten Bieren

Die Abgrenzung zu den industriell gefertigten Bieren ist für die Insulaner oberstes Gebot. Sie setzen auf Flaschenreifung. Der Gärvorgang selbst erfolgt in offenen Bottichen. Eine aufwendige Papierverpackung hebt die Flaschen schon rein optisch von den Mitbewerbern ab. ‟Für uns ist das die konsequente Fortführung unseres Produktes‟, unterstreicht Schulz. Obwohl das junge Unternehmen erst seit zwei Jahren am Markt ist, hat es bei den World Beer Awards, das sind die globalen Auszeichnungen für die absolut besten, international anerkannten Biersorten, bereits Goldmedaillen zuhauf erhalten.

So weit ist Chris Sullivan, ein Amerikaner mit irischen Wurzeln, mit seiner Marke Smash noch nicht. Der Braumeister aus Oregon lebt in der Bier- und Weinstadt Würzburg. ‟Herbipolis Retro Lager‟ hat er sein erstes Bier unter dem Smash-Label genannt. ‟Herbipolis what?” Chris, ein sympathischer Hüne lacht. ‟Herbipolis ist der lateinische Name von Würzburg‟, klärt er auf. Die Wahrheit kann manchmal direkt trivial sein…

Chris Sullivan stellt sich den Fragen von Christian Storck und Sebastian Simon (von links nach rechts).

Seine Brötchen verdient der Braumeister noch mit der Herstellung von Sudhausanlagen. Noch. Denn Chris hofft darauf, mit seinem selbstgebrauten Bier am Markt Fuß fassen zu können. Der Anfang ist bereits gemacht, einzelne Gaststätten und auch ein überschaubarer regionaler Markt sind seine Kunden. Mit rund 60 Hektolitern jährlich ist er noch keine Größe im Biergeschäft. Daran, dass sich das ändert, daran arbeitet er aber hart.

Weshalb braut er überhaupt? Wieder lacht Chris. “Als Kind hast du in Oregon keine Chance, dem Thema Bier zu entgehen”, erzählt er. Dort gebe es sehr viele Hobby-Brauer. Vielleicht liege es daran, dass man schon mit einem sehr geringen finanziellen Einsatz brauen könne.

Alexander Fiegen, Claudia Maier und Johannes Meyer sind die Hopfengänger und schon seit der ersten Veranstaltug immer mit dabei.

Das Niveau bei den Bieren heben

In Deutschland braut Chris, weil er nicht verstehen kann, dass Menschen einerseits zum Teil sehr viel Geld für Wein ausgeben, sich beim Bier aber mit uniform gebrauten industriellen Bieren zufrieden geben. Mit seiner Braukunst will er das Niveau bei den Bieren heben und zu ähnlichen Glücksmomenten beitragen, wie sie Winzer ihren Kunden beim Wein bieten. Und das könnte durchaus gelingen. Denn schon in der Nase lockt bei seinem Bier eine zitronige Duftnote, die man in industriell gefertigten Bieren so nicht finden wird. Das Geheimnis liegt hier im Hopfen: ‟Ich verwende für mein Bier Tettnanger Hopfen, das ist eine der ältesten Sorten der Welt‟, klärt Chris Sullivan auf. Sebastian Simon und Christian Storck, die gerade das Herbipolis verkosten, hören aufmerksam zu. Als Weinfachmann weiß Christian Storck, wie sehr es auf die richtigen Nuancen ankommt und verwickelt den Amerikaner schnell in ein Fachgespräch.

Manuela Ohmstede und Markus Poqué genießen die Vielfalt der angebotenen Biere.

Genau das ist es, was dieses Bier-Festival ausmacht. ‟Die Menschen sollen hier in einer ungezwungenen Atmosphäre mit den Brauern ins Gespräch kommen, sollen sich über die jeweiligen Geschmacksrichtungen und Vorlieben unterhalten‟, betont Braumeister Sebastian Nguyen. Mit Bedacht hat er Brauer aus ganz Deutschland nach Trier eingeladen. ‟Mit dieser Veranstaltung wollen wir zeigen, wie facettenreich das Thema Bier ist und wie moderne Brauereien arbeiten.”

Viele der anwesenden Gäste kennt der Braumeister, den hier alle nur Seb rufen, persönlich. Kein Wunder, dass er selbst diese beiden Tage als ein großes Familienfest empfindet. In den letzten Jahren kamen an den beiden Tagen im Durchschnitt 2500 Menschen zum Familienfest. Für Sebastian Nguyen ist das das Maximum des Machbaren: ‟Mehr geht nicht, mehr lassen wir nicht rein. Denn sonst wird es zu voll und damit zu unpersönlich.”

Wer jetzt also morgen mit dabei sein will, sollte sich rechtzeitig auf die Socken machen. Geöffnet hat das Bier-Festival dann ab 15 Uhr.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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