Ein Fest ohne Autos und Busse mit Karl Marx

Oh - sind das nicht...? Fotos: Rolf Lorig

Oh – sind das nicht…? Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit zweieinhalb Jahren gibt es den Verein ‟IG Karl Marx Viertel e.V.”. Und bereits zum dritten Mal machte das Viertel mit einem Straßenfest öffentlichkeitswirksam auf sich aufmerksam.

Brigitte Biertz platzt fast vor Stolz. ‟So was packt in Trier kein anderer Verein‟, sagt sie mit blitzenden Augen. ‟So was‟, das ist das Straßenfest. Nun gibt es in Trier eine Menge Straßenfeste. Aber keines, für das eine der wichtigsten Durchgangsstraßen in der Innenstadt für den fließenden Verkehr gesperrt wird. Von der Stresemannstraße bis zur Karl-Marx Straße. Bei etlichen Autofahrern, die vom Zuckerberg oder von der Stresemannstraße her kommend in die Brückenstraße einbiegen wollen, gibt es fragende oder ratlose Gesichter. Die Brückenstraße für den Verkehr gesperrt?

Johanna Sekulla zeigt, wie Schuhe hergestellt werden

Johanna Sekulla zeigt, wie Schuhe hergestellt werden

Statt Busse und Autos haben auf der Straße nun Fußgänger und spielende Kinder das Heft in der Hand. In aller Ruhe durch die Straße flanieren, die Augen auf die Geschäfte links und rechts gerichtet, Neues entdecken. ‟Genau das war auch unsere Intention‟, sagt Christian Henniger. Er ist der Vereinsvorsitzende, will mit Veranstaltungen wie dieser Menschen zusammenführen. ‟Anwohner sollen ihre Nachbarn kennenlernen, Geschäftsleute ihre  Kunden und neue Kunden sollen hier neue Geschäfte finden.” Etwa 30 Unternehmen machen dieses Mal mit, schätzt er. Brigitte Biertz, seine Vorgängerin im Amt, lacht. ‟Und es werden von Jahr zu Jahr mehr.”

Auch indische Spezialitäten gibt es im Karl-Marx Viertel.

Auch indische Spezialitäten gibt es im Karl-Marx Viertel.

Möglich, dass sich eines Tages das Fest auf den gesamten Block, auf das komplette Viertel ausdehnen wird. Angefangen hat die Interessengemeinschaft, die seit dem 12. März 2014 ein eingetragener Verein ist, mit Aktivitäten in der Brückenstraße. ‟Irgendwann haben wir uns mit Oberbürgermeister Leibe unterhalten‟, erinnern sich Henniger und Biertz. ‟Er hat sich den Plan des gesamten Komplexes angeschaut, der immerhin 13 Straßen umfasst und von der Synagoge in der Kaiserstraße über das Klinikum Mutterhaus bis zur Kirche St. Antonius am Viehmarktplatz reicht. Und bei dem Gespräch wurde die Idee geboren, das alles das Karl Marx-Viertel zu nennen.”

Seine Sicht auf Karl Marx ist lustig und vielfältig: Der Trierer Künstler Roland Grundheber

Seine Sicht auf Karl Marx ist lustig und vielfältig: Der Trierer Künstler Roland Grundheber

Den Besuchern des Straßenfestes erschließt sich beim Spazieren eine Heimeligkeit, die es ähnlich auch im Stadtteil Trier-Süd gibt. Auch hier gibt es sie noch, zahlreiche kleine und inhabergeführter Betriebe, die den Besuchern Einblick in ihre tägliche Arbeit gewähren. Und man findet Menschen aus allen Teilen der Erde. Was nicht zuletzt die Düfte der Speisen verraten, die alle paar Meter freundlich angeboten werden. Freunde der italienischen oder spanischen Küche kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Fans von asiatischen oder indischen Genüssen.

Die Kinder beobachten entspannt das bunte Treiben aus dem Schatten...

Die Kinder beobachten entspannt das bunte Treiben aus dem Schatten…

Die internationale Leichtigkeit führt sich auch in der Musik und beim Tanz fort. An einer Ecke trommeln Jugendliche für Kinder in Südamerika, auf einer freien Fläche tanzen drei Paare zu Salsa-Klängen und etwas weiter spielen die ‟Fireworkers‟ die besten Hits aus den letzten Jahrzehnten. Auf einer Couch hat es sich Roland Grundheber gemütlich gemacht. Fast schon im Akkord zeichnet er Bilder mit seiner Sicht von Karl Marx. Alle Bilder sind lustig und mit einem Augenzwinkern gemalt, freundlich und höchst dekorativ.

Mitglieder des Theater-Ensembles beteiligen sich ebenso am bunten Treiben wie auch das Karl-Marx Museum. Und wer genau hinschaut, kann sogar von Zeit zu Zeit Karl Marx und Jenny von Westfalen entdecken, wie sie das Marxsche Geburtshaus zum gemeinsamen Nachmittagsspaziergang verlassen… -rl-


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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