“Ein Grandseigneur”

Applaus vom Stadtvorstand für den scheidenden Leiter des Amtes für Presse und Information (3. von rechts): Angelika Birk, Lanfers Nachfolger Ralf Frühauf, Wolfram Leibe, Andreas Ludwig und Thomas Schmitt. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Hans-Günther Lanfer ist am Montag von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und dem Stadtvorstand in den Ruhestand verabschiedet worden. Leibe würdigte den langjährigen Leiter des städtischen Presseamtes als “Grandseigneur, bescheiden im Auftreten, aber anspruchsvoll gegen sein eigenes Team und den Oberbürgermeister”. “Es war eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe”, sagte der Stadtchef. Lanfer betonte, er habe sich “als Mittler zwischen der Presse und meinem Arbeitgeber stets als Journalist verstanden”.

Applaus und Anerkennung sind in diesem Geschäft höchst selten. Das gilt gleichsam für Politiker wie Journalisten. Lanfer stand in beiden Lagern. Er, der gelernte Journalist, managte mehr als 30 Jahre die politische Kommunikation aus dem Rathaus heraus. Die gleichnamige Zeitung ist sein Kind. Das zog er gegen alle Wiederstände, wie die Klage des hiesigen Tageszeitungsverlages, groß. Nun fällt der Aktualitätsdruck von ihm ab. “Und das”, sagte er Montag mit einem lachenden und einem weinenden Auge, “ist schon ein Stück wiedergewonnene Lebensqualität.” Der lautstarke Applaus der Kollegen vom Print, vom Radio, von den Onlinemedien war Anerkennung für die Lebensleistung, aber auch für den Umgang Lanfers mit den Journalisten während all der Jahre.

Doch Lanfer wäre nicht Lanfer, hätte er am Montag nicht auch kritische Töne anklingen lassen: “Wir alle sind inzwischen Getriebene des Informations-Tsunamis, der praktisch täglich über uns hinwegfegt. Deswegen ist etwas weniger dann vielleicht doch mehr.” Sein Appell richtete sich gleichsam an Politik wie Medien: “Gewisse Grundfeste der Demokratie geraten – auch durch populistische Strömungen – ins Wanken.” Dieses Wanken zu stabilisieren, dabei seien alle gefordert, Politiker wie Journalisten.

Medienlandschaft wie Pressearbeit hätten sich in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem gewandelt: “Als ich vor 30 Jahren das erste Faxgerät im Rathaus installiert habe, sprach meine Sekretärin von einem Teufelswerkzeug.” Heute sei das Fex selbst Geschichte. Mehr als 1.000 Ausgaben der Rathaus-Zeitung verantworte Lanfer; an 360 Stadtratssitzungen nahm er teil; mehr als 3.000 Pressekonferenzen hielt er ab; in mehr als 2.300 Ausschusssitzungen war er zugegegen.

Drei Oberbürgermeister sah Lanfer gehen. Der vierte verabschiedete seinen Pressechef nun in den wohlverdienten Ruhestand. “Nicht nur seine Professionalität zeichnete ihn aus”, sagte Leibe über Lanfer, “sein Humor war fast schon legendär – und manchmal fand er auch richtig deftige Äußerungen.” Lanfers Wunsch für seinen langjährigen Stellvertreter und Nachfolger Ralf Frühauf: “Ich würde mir wünschen, dass die Arbeit des Presseamtes auch vom Stadtrat entsprechend gewürdigt wird – auch personell.” Anerkennung und Applaus jedoch sind in diesem Geschäft höchst selten. Lanfer nahm beides am Montag zumindest von den Kollegen mit. Aus dem Stadtrat war hingegen kein Mitglied zur Verabschiedung des Grandseigneurs erschienen… (rl/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen, Featured Hinterlasse einen Kommentar

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