Ein Hauch von Christo

Die Basilika wird eingerüstet, um gerüstet zu bleiben. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Zur Sicherung der Handwerker bei Dacharbeiten in mehr als 30 Meter Höhe wird auf dem Dach der Konstantin-Basilika (siehe Extra) ein dauerhaftes Seilsicherungssystem montiert. Die Einrüstung des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Gebäudes ist dafür unumgänglich, teilt der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) mit. Vom Gerüst aus sollen auch sämtliche Fensterrahmen gestrichen und spezielle Denkmalschutzarbeiten ausgeführt werden. Der Abbau des Gerüstes ist laut LBB bis zum Jahresende geplant.

Rund 800.000 Euro investiert das Land Rheinland-Pfalz in diesem Jahr in die Instandhaltung der Konstantin-Basilika und in die Arbeitssicherheit der in der Umsetzung tätigen Fachkräfte. Um alle in Zukunft anfallenden Reparaturen ausführen zu können und damit Schäden an der Dachkonstruktion zu vermeiden, ist die Montage eines Seilsicherungssystems erforderlich. Die Arbeiten werden von der Trierer Niederlassung des LBB gemanagt.

Etwas unterhalb vom Dachfirst werden auf beiden Seiten horizontale Seilführungen installiert. Die Handwerker klinken sich wie Bergsteiger mit ihren Sicherungsseilen ein und können dadurch an jeder Stelle des rund 70 Meter langen Daches sicher arbeiten. Neben der Reparatur von verschiedenen Undichtigkeiten an der Dachkonstruktion, die bei turnusgemäßen Kontrollen festgestellt wurden, wird die Blitzschutzanlage saniert und der gemauerte Kaminkopf erneuert.

Arbeiten auch im Innenraum

Das Gerüst wird auch für verschiedene Arbeiten an den Gebäudefassaden genutzt. Sämtliche Fensteranlagen werden neu gestrichen. An der zum Konstantinplatz gerichteten Westfassade haben sich in den Fensterlaibungen (innere Mauerflächen oben und an den Seiten der Fensteröffnung) original römische Außenputze erhalten, teilweise noch mit Resten römischer Malerei. Um die historischen Putzreste vor Witterungseinflüssen und einem weiteren Verfall zu schützen, werden in den Laibungen Schutz-Überputzungen aufgebracht. Der Schutzüberzug wird dabei ohne Verbindung zum historischen Mörtel aufgetragen und mit einem netzförmigen Befestigungssystem mit dem Untergrund verbunden. Das Verfahren wurde 2011 zunächst an der Nordseite der Apsis eingesetzt und hat sich erwiesenermaßen bewährt. Sämtliche Arbeiten wurden mit der Denkmalpflege abgestimmt und entsprechend genehmigt.

Auch im Inneren des Dachraums stehen Instandhaltungsarbeiten an. Teile der vom Saal aus sichtbaren Holzkassettendecke und deren Einbauten – wie der Aufhängung der Hängeleuchten – werden ertüchtigt. Das dafür benötigte Baumaterial kann jedoch nicht über die schmale und extrem steile Wendeltreppe in der Apsis an Ort und Stelle gebracht werden. Deshalb wird im Innenraum der Basilika an einer Stelle ein kleines, turmartiges Gerüst mit einem Materialaufzug aufgestellt und dort ein temporärer Zugang zum Dachraum eröffnet. Auch diese Arbeiten schaffen mehr Sicherheit, unter anderem beim Zugang zu den Dachausstiegen oder beim Bedienen der Hebewerkzeuge im Dachraum, wenn vor musikalischen Aufführungen ein “Konzertsegel” am Übergang von Hauptschiff und Apsis hochgezogen wird, um die Akustik zu verbessern. (tr)

Extra

Die Konstantin-Basilika wurde im 3. Jahrhundert n. Chr. als Palastaula (Thronsaal) für Kaiser Konstantin errichtet. Mit 71 Metern Länge, 33 Metern Breite und 30 Metern Traufhöhe ist sie der größte römische Hallenbau, der überdauert hat. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte sie Zerstörungen und teils radikale Umbauten. Im 19. Jahrhundert wurde sie unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. in ursprünglicher Form wieder aufgebaut und als evangelische Kirche geweiht. Ein weiteres Mal geschah dies nach dem Zweiten Weltkrieg. 1986 wurde die Basilika zusammen mit der Porta Nigra und weiteren Trierer Römerbauten in die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO aufgenommen. Sie ist ein Patronatsbau des Landes Rheinland-Pfalz, das damit für ihren baulichen Erhalt verantwortlich ist.

LBB

Der Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) managt und optimiert nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Immobilienportfolio mit rund 1.650 Gebäuden im Anlagewert von 2,25 Milliarden Euro, das den größten Teil der Landesliegenschaften umfasst. Rund 1.350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter realisieren Bau- und Sanierungsvorhaben für das Land, den Bund, die NATO, die hierzulande stationierten Gaststreitkräfte sowie von Dritten.

Mit acht Niederlassungen und der Zentrale in Mainz ist der LBB landesweit vor Ort. Für das Land baut und unterhält er Bürogebäude wie zum Beispiel Ministerien und Finanzämter sowie Spezialimmobilien für Hochschulen, Polizei, Justiz und Landesforsten bis hin zu Landesschulen oder Museen und kümmert sich um den Erhalt von Burgen, Schlössern und antiken Baudenkmälern. Für den Bund managen wir Projekte an Bundeswehrkasernen, den Stützpunkten der NATO und US-Gaststreitkräfte sowie zur Unterbringung der US-Soldatenfamilien.


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Erstellt am Autor trier reporter in Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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