Ein Rundum-Angebot bis hin zum Bewerbungsfoto

Bei über 70 Ausbildungsbetrieben können auf der “Future” nahezu alle Ausbildungswünsche erfüllt werden. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Ausbildungsberufe gibt es viele – aber welcher ist der richtige für mich? Eine Frage, die sich Jahr für Jahr Jugendliche aufs Neue stellen. Die beste Möglichkeit, darauf die richtige Antwort zu bekommen, bietet dabei die jährliche zweitägige Ausbildungsmesse “Future – Blick’ in Deine Zukunft”, zu der die Agentur für Arbeit immer im Frühjahr einlädt. Eine Einladung, der Ausbildungsbetriebe und Jugendliche in gleichem Maße gerne Folge leisten. Am Freitag, 17. Mai, und Samstag. 18. Mai, ging die “Future” erneut an den Start.

Der Blick auf den Flur spricht Bände: Eng an eng stehen die Infostände der Ausbildungsbetriebe, jeder hat die gleiche Fläche zur Verfügung. “Gegenüber dem vergangenen Jahr haben wir hier etwas Platz geschaffen”, räumt Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Trier, ein. Einige der Aussteller hätten sich beklagt, dem kam man entgegen. “Wir haben einfach die Möglichkeiten im Außenbereich vergrößert”, erklärt Isabell Juchem, die für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich zeichnet. Einigen Ausstellern passte das sehr gut ins Konzept, schließlich findet sich dort auch etwas mehr Platz, was insbesondere für das Ausprobieren von bestimmten handwerklichen Berufen vonnöten ist.

Trotz des großen Zuspruchs gibt es überall ruhige Nischen für Gespräche

Über 70 Firmen werben um Nachwuchs

Alles in allem sind es deutlich über 70 Betriebe aus der Region, die bei der “Future” präsent sind. “Uns war wichtig, dass auch kleine Betriebe hier ihren Platz finden, um auf ihre Ausbildungsaktivitäten hinzuweisen”, sagt Juchem. Ihr Chef berichtet, dass es auch Betriebe gegeben habe, denen man absagen musste: “Die hätten aber nicht hierher gepasst, weil die keine Ausbildungsplätze, sondern lediglich ’normale’ Arbeitsplätze zu vergeben hatten.” Die werden dann bei der “Eures” im September, dem zweiten großen Event der Agentur für Arbeit, ihre Chance bekommen. Denn da geht es eben nicht um die Ausbildung, sondern um Arbeitsplätze in der Region.

Gut 30 Berufsberater bringt alleine die Agentur für Arbeit an jedem der beiden Tage zum Einsatz. Die finden sich überwiegend im “BIZ”, dem Berufs-Informationszentrum, das sich seitlich des Flurs befindet. “Wir haben den jungen Leuten geraten, heute so zu kommen, als würden sie zu ihrem Bewerbungsgespräch gehen”, sagt Wilhelmi. Und irgendwie stimmt das ja auch, denn an den Informationsständen der Firmen kann man sich nicht nur über Praktika und Ausbildungsangebote informieren. Bei einigen kann man auch schon Bewerbungsgespräche vereinbaren.

Dass die Jugendlichen dabei den besten Eindruck abliefern, dabei hilft ihnen die Agentur. In persönlichen Gesprächen erfahren die jungen Leute, wie ihre Bewerbung aussehen und worauf man beim Vorstellungsgespräch achten sollte. Dieser persönliche Service geht so weit, dass ein professioneller Fotograf in den BIZ-Räumen sogar direkt Bewerbungsfotos anfertigt. Damit die auch optimal wirken, kann jeder, der sich traut, vorher bei zwei Kosmetikerinnen vorbeischauen und sich fotogerecht schminken lassen. Was vor allem die Mädchen gerne in Anspruch nehmen.

Was positiv auffällt: Trotz des Betriebs im BIZ gibt es überall ruhige Ecken und Nischen, wo sich die Berater mit den Jugendlichen zum ungestörten Gespräch zurückziehen können.

Auch das gibt es bei der Future: Das richtige bakeup für die Bewerbuingsfotos

Mit Technik lockt man Interessenten

Auch vor der Tür ist gut zu tun. Und hier fängt man mit Speck Mäuse: Der im Hochwald ansässige Stoßdämpfer-Hersteller ThyssenKrupp-Bilstein hat hier einen Fahrsimulator aufgebaut, der insbesondere bei den jungen Männern besten ankommt und stark nachgefragt ist. Kein Wunder, dass hier intensive Gespräche geführt werden.

Gut zu tun hat auch die Bundeswehr. “Ja, wir bilden auch aus”, klärt Claudia Spieles auf. Sie ist Hauptfeldwebel und tätig im Trierer Karriereberatungsbüro der Bundeswehr. Das Ausmaß der Ausbildungsangebote überrascht: “Da kommen wir auf über 50 unterschiedliche Berufe.” Die Vielfalt ergibt sich daraus, dass die Bundeswehr sowohl im militärischen wie auch im zivilen Bereich ausbildet: “Die Spanne reicht hier vom Handwerksberuf über kaufmännische Tätigkeiten bis in die verschiedenen medizinischen Berufe.” Wobei auch noch die fündig werden, die sich für eine Beamtenlaufbahn interessieren. Also muss sich die Bundeswehr auf diesem Gebiet keine Sorgen machen? Claudia Spieles verneint. “Ausbildungsmessen wie diese zeigen uns, dass die Bundeswehr nach wie vor in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Wir bekommen viele Bewerbungen und können uns die passenden Bewerber noch aussuchen.”

Eine Situation, die sich bei vielen Betrieben nicht so erfreulich darstellt. Christian Hein kann ein Lied davon singen. Er ist Ausbilder bei der Westnetz, einem regional aufgestellten Verteilnetzbetreiber. Noch bis vor gar nicht allzu langer Zeit war hier eine Ausbildung fast wie ein kleiner Lottogewinn – an Bewerbern mangelte es nicht. Doch die Zeiten haben sich verändert. Das große Ausbildungszentrum in der Eurener Straße steht zwar nach wie vor für sehr gute Ausbildungsergebnisse, allerdings ist die Zahl der Bewerber deutlich zurückgegangen. “Klassisch-handwerkliche Berufe haben es heute schwer”, weiß Christian Hein. Größer sei das Interesse an kaufmännischen Tätigkeiten oder aber das Studium an einer Hochschule oder Universität. “Für dieses Jahr haben wir noch drei Ausbildungsplätze zu vergeben, im kommenden Jahr stehen 14 zur Verfügung”, veranschaulicht er die Situation bei seinem Arbeitgeber.

Das kommt bei Jugendlichen an: Fahrsimulator bei ThyssenKrupp Bilstein

Noch 2000 Ausbildungsplätze für 2019

Dass Betriebe noch freie Kapazitäten für 2019 haben, sei nicht ungewöhnlich, bestätigt Isabell Juchem. “In der Region Trier gibt es im Augenblick noch 2000 Ausbildungsangebote für dieses Jahr.” Das wissen auch die Vertreter der beiden Kammern, die eine enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit pflegen und an diesen Tagen ebenfalls präsent sind: “Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt ist völlig leergefegt und hat sich völlig gewandelt. Früher haben sich Arbeitgeber ihre Auszubildenden und Mitarbeiter ausgesucht, heute sind es die Arbeitnehmer, die über ihre potenziellen Arbeitgeber entscheiden”, teilt Carl Ludwig Centner von der Handwerkskammer mit.

Heribert Wilhelmi kennt diese Situation nur zu gut. Dass man auch mit diesem breiten Angebot nicht alle potenziellen Kandidaten erreichen kann, ist ihm klar. Doch er sieht auch die Erfolge, die sich mit diesem Engagement verbinden. Und die sind es, die ihn und alle Beteiligten motivieren und an neuen Konzepten und Überlegungen arbeiten lassen. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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