Ein Traum für Trier-West

So könnte Trier-West in 15 Jahren rund um die Jägerkaserne und das alte Busdepot aussehen.

So könnte Trier-West in 15 Jahren rund um die Jägerkaserne und das alte Busdepot aussehen.

TRIER. Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) hat am Donnerstag die Siegerentwürfe des Gestaltungswettbewerbs für das Areal rund um die alte Jägerkaserne und das ehemalige Busdepot der Stadtwerke in Trier-West vorgestellt. Das Projekt trägt den weitreichenden Titel “Neues Wohnen am Grünzug vom Lenus-Mars-Tempel zur Mosel” und ist Teil des Stadtumbaus für Trier-West. Mit der Neugestaltung des derzeit brachliegenden Geländes wird der Stadtteil in den kommenden 15 Jahren sein Gesicht nachhaltig verändern. Das gesamte Quartier soll durch eine grüne Verbindung zwischen dem Markusberg und dem Moselufer aufgewertet werden. Etwa 500 Wohnungen werden auf dem über zehn Hektar großen Geländes entstehen. Den ersten Preis des von der Stadt im Oktober 2015 ausgelobten Wettbewerbs holte sich die Berliner Arbeitsgemeinschaft Machleidt/Sinai/Winkelmüller. Insgesamt hatten sich 15 Büros aus Städteplanern und Landschaftsarchitekten am Wettbewerb beteiligt.

Triers Baudezernent ist überzeugt: “Früher war Trier-West das Quartier der Kasernen, in Zukunft wird es ein Quartier mit attraktiven Wohnlagen sein. Für diese Konversion ist der Wettbewerb Jägerkaserne ein wesentlicher Baustein”, sagte Ludwig am Donnerstag in Trier-West. Geht es nach dem Siegerentwurf, werden von der alten Jägerkaserne, die den Stadtteil über Jahrzehnte hinweg zentral prägte, lediglich vier restaurierte Gebäude erhalten bleiben. Die Berliner Arbeitsgemeinschaft setzt auf drei so genannte Stadtschollen, die unabhängig voneinander realisiert werden können. Sie tragen die Titel “Wohnen und Arbeiten”, “Großzügige Gemeinschaftshöfe” (etwa nach dem Vorbild der Hackschen Höfe in Berlin-Spandau) und “Kompakte Einheiten”. Die Reihenfolge der Realisierung ist laut Entwurf flexibel und kann sich an der aktuellen Nachfrage orientieren. Der übergeordnete Freiraum soll dabei als Initialprojekt zu Beginn gebaut werden. “Zu diesem Zeitpunkt sind unterschiedlichste Zwischennutzungen auf dem Areal der Stadtschollen möglich und wünschenswert”, heißt es im Konzept der Berliner.

Nach intensiven Vorbesprechungen, unter anderem mit Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne), Vertretern der einzelnen Fraktionen und Sprechern der verschiedenen Workshops, fiel das Votum der siebenköpfigen Jury am Mittwoch einstimmig zugunsten der Arbeitsgemeinschaft aus Berlin. “Für die Jury besonders überzeugend waren die gelungene Verknüpfung der beiden Teilquartiere Jägerkaserne und Busdepot, die Vielfalt der Gebäudeformen und die herausragenden Wegebeziehungen im Grünzug”, so Ludwig. Ob die Berliner tatsächlich den Zuschlag für das etwa 100 Millionen Euro schwere Projekt erhalten, ist laut Ludwig aber derzeit noch offen. Auch der Zweit- und Drittplatzierte ist noch im Rennen. Ludwig sprach am Donnerstag von “einem sehr spannenden, aber auch harmonischem Verlauf der Jurysitzung”.

Das Areal rund um die alte Jägerkaserne ist zentraler Bestandteil der Planungen für Trier-West.

Das Areal rund um die alte Jägerkaserne ist zentraler Bestandteil der Planungen für Trier-West.

Überzeugen konnten Machleidt/Sinai/Winkelmüller auch mit ihrer Idee des großzügigen Freiraums zwischen Markusberg und Mosel. Dieser soll sich vom alten Tempelbezirk Irminenwingert, dem keltisch-römischen Lenus-Mars-Tempel, bis hin zum Fluss ziehen. “Die bisher stadträumlich vernachlässigte Beziehung zwischen Markusberg und Mosel wird durch das neue Irrbachquartier als besonderes Gefüge im Stadtraum erlebbar gemacht. Durch die Inszenierung dieser neuen Hauptrichtung werden weite Blicke zu den Eifelhöhen und über das Flusstal der Mosel eröffnet”, heißt es dazu im Siegerentwurf. Und: “Die Verbindung zwischen den Eifelhöhen und dem Flusstal der Mosel ist das zentrale städtebauliche Motiv der zukünftigen Stadtstruktur.”
Möglichst noch in diesem Jahr will Ludwig einen Investor für das Projekt finden. Danach soll der Bebauungsplan zügig aufgestellt werden. Baubeginn könnte bereits im übernächsten Jahr sein. Somit läge Ludwig in seinem eigenen Zeitplan für den Stadtumbau in Trier-West, der von der sukzessiven Realisierung aller Projekte spätestens von 2018 an ausgeht.

Die Sieger im Wettbewerb mit insgesamt 80.000 Euro Preisgeld:

Erster Preis (32.000 Euro)
Stadtplanung: Machleidt, Berlin
Landschaftsarchitektur: sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin
Architektur: winkelmüller.architekten, Berlin

Zweiter Preis (20.000 Euro)
Stadtplanung: Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf
Landschaftsarchitektur: Faktorgrün Freie Landschaftsarchitekten, Freiburg

Dritter Preis (12.000 Euro)
Stadtplanung: Architects Collective, Wien
Landschaftsarchitektur: ARGE Weidlfein / Ingenieurbüro für Landschaftsplanung und Landschaftspflege, Wien

Anerkennung (8.000 Euro)
Stadtplanung: Christian Bauer & Asscocies, Luxembourg
Stadtplanung: MEURER Architekten Stadtplaner Ingenieure, Frankfurt a.M.
Landschaftsarchitektur: BGHplan Umweltplanung und Landschaftsarchitektur, Trier

Anerkennung (8.000 Euro)
Stadtplanung: kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von architekten, Berlin
Landschaftsarchitektur: HAHN HERTLING VON HANTELMANN Landschaftsarchitekten, Berlin

Ausstellung

Alle 15 eingereichten Arbeiten werden von Dienstag, 3. Mai, an in der Jägerkaserne (Gebäude 11, erreichbar über Eingang Ecke Eurener-/Blücherstraße) öffentlich präsentiert. Die Ausstellung ist Dienstag bis Samstag, 16 bis 19 Uhr, geöffnet. Am Tag der Städtebauförderung (Samstag, 21. Mai) ist die Ausstellung von 14 bis 18 Uhr geöffnet, wobei um 17 Uhr ein Rundgang durch das Plangebiet mit Erläuterung des Siegerentwurfs stattfindet. (tr/et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Ein Traum für Trier-West

  1. Rainer Landele

    auf den ersten blick: viel grün.
    aber auf den dächern ist auch noch platz für pflanzen & solaranlagen…

     
  2. Rainer Spöth

    Zur urbanen Verdichtung trägt der Entwurf aber nur bedingt bei. Es mag zwar grün aussehen zwischen den Häuserreihen, nach wirklicher Nutzung außer durch den Gärtner mit dem Rasenmäher sieht das aber wohl nicht aus. So gesehen könnte man auch kompakter bauen, die die alternativen Standorte sind sonst in Trier gleich alle immer auf Bergen.

     

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