Eine großformatige und bunte Visitenkarte von Trier

Das Trierer Wimmelbuch ist die ganz persönliche Liebeserklärung von Josef Hammen an die ältese Stadt Deutschlands. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Maju, da gibt es viel zu entdecken, vor allem: “Milljunen Leit” und einen Waschbären. Das neue Trier-Buch von Josef Hammen ist eines, wie es noch keines zuvor gab – es ist ein Wimmelbuch. Ein Bilderbuch, nicht nur für Kinder, auch Erwachsene haben hier ihren Spaß. Und eigentlich ist es ein Buch für die ganze Familie, denn gemeinsames Suchen (nach dem Waschbären) und das Betrachten der Menschen führt vor allem bei den einheimischen Erwachsenen in dem ein oder anderen Fall immer wieder zum Grübeln: “Mensch, den kenne ich doch…”

Von Rolf Lorig

Josef Hammen ist in Trier kein Unbekannter. Vor drei Jahren, 2016, war der “Daily Painter” selbst täglich im Stadtbild zu finden. Immer auf der Suche nach geeigneten Motiven für seine tagesaktuellen handgemalten Bilder, die er in der Reihe “Trier – Szenen einer Stadt” im Laufe des Jahres in mehreren Ausstellungen präsentierte und verkaufte.

Und jetzt meldet sich der gelernte Kommunikationsdesigner, Maler und Illustrator zurück. Mit einem Wimmelbuch. Bilderbücher dieser Art gibt es schon seit den 60er Jahren, einer der prominentesten Akteure war der Kinderbuchautor und Maler Ali Mitgutsch, der 1968 sein erstes Wimmelbuch veröffentlichte.

Schon auf dem Titel springen dem Betrachter prominente Trierer Bürger fömlich ins Auge…

Es wimmelt förmlich von Details

Was zu der Frage führt, wieso Josef Hammen sein Buch nun ebenfalls als Wimmelbuch verkauft – ist dieser Begriff nicht geschützt? Hammen verneint und weist darauf hin, dass es eine große Zahl an Wimmelbüchern am Markt gibt. Selbst beim Eifelbildverlag, der das Trier Wimmelbuch in seinem Programm führt, findet sich von einer anderen Autorin ein Wimmelbuch zur Vulkaneifel.

Doch warum nun der Name Wimmelbuch? Josef Hammen schmunzelt und holt ein Exemplar vor. Was sofort auffällt, ist das Format. 34 Zentimeter hoch, 24 Zentimeter breit. Das ist schon eine Hausnummer. Alle Seiten bestehen aus richtig dickem Karton. Das macht die Bücher langlebig. Und nicht zuletzt wimmelt es – deshalb der Name – auf allen Seiten von Details wie Gebäuden, Bäumen, Tieren und Menschen. Nirgends eine Szene, die der anderen gleicht.

“Das war richtig harte Arbeit”, erinnert sich Hammen und lehnt sich ein Stück zurück. “Wenn ich im Vorfeld gewusst hätte, wie lange ich dafür brauche, ich weiß nicht, ob ich mich darauf eingelassen hätte.” Alleine an der Titelseite habe er einen Monat gearbeitet, berichtet er.

Angefangen hatte alles mit einem Wandkalender, den der Kommunikationsdesigner alljährlich für die Kunden seiner Agentur, die er gemeinsam mit seiner Frau Susanne in Trierweiler betreibt, immer neu gestaltet. Ein Kalender, der alles ist, nur nicht langweilig, auf dem es nur so von Details wimmelt. Fast schon ein Wimmelbuch, muss sich Sven Nieder gedacht haben. Nieder betreibt in Daun den Eifelbildverlag, der sich auf regionale Bild- und Gedichtbände und vor allem auf Kinderbücher spezialisiert hat. Kurzerhand nahm der Verleger Kontakt zu Josef Hammen auf. Dass das Wimmelbuch die Menschen in der Stadt Trier darstellen und auch als Kundengruppe erschließen sollte, lag fast schon auf der Hand: “Die familiäre Struktur ist in Trier ausgeprägt. Außerdem kommen hierher auch viele ältere Touristen, die für ihre Enkel ein Mitbringsel suchen”, erinnert sich Hammen an das damalige Gespräch mit dem Verleger. Und schmunzelt: “Nachdem das Buch gedruckt war, sagte mir ein in Trier ansässiger Kollege, dass er auch auf diese Idee hätte kommen können.”

Was aber nicht der Fall war. Eine Begebenheit, die sich auf der letzten Frankfurter Buchmesse wiederholte, als zwei junge Männer mit langem Gesicht das Buch in den Händen hielten und einer zum anderen sagte, dass man das geplante Projekt damit in die Tonne werfen könne. Hammen: “Da hatte Verleger Sven Nieder offenbar das richtige Zeitgespür.”

Anfangs sei er sich nicht sicher gewesen, ob er den Auftrag annehmen solle. Doch dann habe ihn die Idee derart gereizt, dass er zugesagt habe. Und damit begann der Stress…

Es mangelt nicht an Details…

Jede Doppelseite erzählt eine Geschichte

Für das Wimmelbuch plante Hammen einen übersichtlichen Zeitrahmen ein – ein oder zwei Monate. 14 Seiten mit Leben erfüllen, das sollte doch kein Hexenwerk sein. Das jedenfalls dachte er. Doch dann wurden plötzlich gute fünf Monate daraus. Fünf Monate, in denen er ausschließlich an diesem Projekt arbeitete. Fünf Monate, in denen er sich im Sommer lediglich drei Urlaubstage gönnte. Fünf Monate, in denen seine Frau Susanne die Geschäfte der Agentur alleine schultern musste.

Doch was ist denn so schwer daran, 14 Seiten zu gestalten? Die Antwort liegt auf der Hand: Ein Wimmelbuch lebt von seinen Details. Um die 1400 menschlichen Figuren finden sich hier, dazu nochmals über 300 Tiere. Nicht zu vergessen der Waschbär, den auf den jeweiligen Seiten zu entdecken sich viele Betrachter zur sportlichen Aufgabe gemacht haben. Von den Häusern und Plätzen mal ganz zu schweigen. “Jede Doppelseite erzählt eine Geschichte. Nur dass diese Geschichte nicht in Textform erscheint, sondern sich über die Szenerie auf den Seiten mitteilt”, begründet Josef Hammen den immensen Aufwand.

Immer wieder kam es vor, dass der Kommunikationsdesigner die jeweilige Geschichte verwarf und neugestaltete. Wobei er selbst sein größter Kritiker war. Wenn auch nicht der einzige. Denn wenn zwei Grafiker zusammenleben, dann steht auch kompetente und konstruktive Kritik ins Haus. Schlimmer noch, wenn es im Haushalt statt zwei gleich drei Menschen gibt, die in dem Metier zuhause sind. Was bei den Hammens dank eines der Söhne auch der Fall ist…

Wobei Josef Hammen aber auch stolz auf seine Familie ist, die als Ideengeber maßgeblich zum Gelingen des Buches beigetragen hat. Jetzt, da das Buch am Markt ist, denkt der Künstler auch schon mal an seine erste Begegnung mit einem Wimmelbuch zurück. Das war vor etlichen Jahren an der Mosel, als Ali Mitgutsch dort ein Wimmelbuch vorstellte. Etwas ist Hammen davon noch in genauer Erinnerung: “Der hatte damals viel weniger Figuren und Szenen”, zieht er rückblickend den Vergleich. Und schmunzelt dann wieder: “Warum wohl?”

Mit dem Trier-Wimmelbuch haben Verlag und Autor ganz offensichtlich einen Volltreffer gelandet. “Schon vor der Frankfurter Buchmesse gab es zahlreiche Bestellungen.” Dass das Werk auch eine schon alleine von der Größe her nicht zu übersehende Visitenkarte der Stadt Trier sein kann, veranschaulichte unlängst der Trierer SPD-Chef Sven Teuber. Nach einem Besuch von Bundesministerin Franziska Giffey in Trier überreichte er der Familienministerin zur Erinnerung an ihren Aufenthalt in der ältesten Stadt Deutschlands ein Exemplar des Trier-Wimmelbuches. Auch wenn Josef Hammen das so niemals sagen wird – ein bisschen hat ihn das schon mit Stolz erfüllt.

Unser Trier-Wimmelbuch, Eifelbildverlag; 14 Seiten, überall im Trierer Buchhandel erhältlich zum Preis von 12,90 Euro


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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