Entkernt

Kulturdezernent Thomas Schmitt betont: “Kein neues Projekt ohne Zustimmung des Mosel Musikfestivals und des Theaters.” Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es war ein Desaster – finanziell wie für das Image der gesamten Kulturszene. Weil der Nukleus-Skandal mit der abgesagten Tanz-Performance NeroHero jedoch im Schatten des kurz darauf folgenden Theater-Skandals verschwand, lässt die politische und juristische Aufarbeitung bis heute auf sich warten. Mehr als 130.000 Euro warf die Stadt für eine nie erlebte Inszenierung aus dem Fenster. Das soll und darf sich nicht wiederholen. Deswegen sucht der neue Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU) nun die enge Zusammenarbeit mit Tobias Scharfenberger vom Mosel Musikfestival, mit Norbert Käthler von der ttm und mit Manfred Langner, dem zukünftigen Intendanten des Theaters. Bisheriges Resultat: Frühestens 2019 soll ein neuer Versuch gestartet werden, Triers Welterbestätten in Szene zu setzen.

Unbestritten ist: Nukleus ist tot! “Der Name ist verbrannt”, sagt Schmitt, der mit dem Erbe seines Vorgängers umgehen muss. Auch Ex-Dezernent Thomas Egger (SPD) war kein Freund des hochfahrenden und teuren Projektes mit dem schwammigen Arbeitstitel Nukleus (Kern). Doch Egger ließ sich von der über die Landesregierung gesteuerten Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) treiben. Deren Direktor Thomas Metz, aber auch der Chef des Landeskultursommers, Jürgen Hardeck, drängten vehement darauf, die hiesigen Welterebestätten zu bespielen. In der Tradition der beerdigten Antikenfestspiele sollte NeroHero der erste Versuch sein, den Faden aufzunehmen.

Der Lewen-Nachfolger Tobias Scharfenberger (rechts) spricht von “konstruktiven Gesprächen”.

Das jedoch endete im Desaster. Nach dem reporter-Artikel Oh, lodernd Feuer von Anfang April vergangenen Jahres und der im Sog folgenden scharfen öffentlichen, aber auch politischen Kritik am unausgegorenen künstlerischen Konzept sowie an den hohen Kosten moderierte Egger die Veranstaltung ab. Der NeroHero-Skandal ging schließlich im Theater-Skandal auf. Somit war der gescheiterte Nukleus der Anfang vom Ende des sozialdemokratischen Kulturdezernenten Thomas Egger.

Schmitt muss nun entscheiden, wie es mit dem von der Landesregierung und vom Stadtrat gewünschten Projekt weitergehen soll. Der Vorteil für den Christdemokraten liegt auf der Hand: Er kann auf eine komplett neue Mannschaft in der Spitze der hiesigen Kulturszene bauen: Tobias Scharfenberger übernimmt die Intendanz des Mosel Musikfestivals von Hermann Lewen, Norbert Käthler ist erst seit April Geschäftsführer der ttm, und Manfred Langner tritt sein Amt als neuer Theater-Intendant erst im kommenden Jahr an. Zumindest personell ist Schmitt also von Altlasten befreit.

Den thematischen Druck – vor allem aus Mainz – verspürt er dennoch. “Aber wir lassen uns nicht treiben”, betont er gegenüber dem reporter. Ohne Zustimmung des Trios Käthler, Langner und Scharfenberger wird es kein neues Projekt geben. Auch Scharfenberger und Käthler betonen gegenüber dem reporter den Schulterschluss mit dem Kulturdezernenten im Rathaus. “Der ist gewünscht”, sagt der Lewen-Nachfolger Scharfenberger. Die Gespräche unter acht Augen seien “konstruktiv” gewesen. Und für Kähtler steht außer Frage: “Jedes Projekt, auch in Kooperation mit dem Theater und dem Mosel Musikfestival, muss Hand und Fuß haben und darf kein Schnellschuss sein.”


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Einigkeit herrscht auch dahingehend, dass die regionalen und weniger die Mainzer Interessen im Vordergrund stehen müssen. Deswegen steht Schmitt auch dem Ansinnen der GDKE, die Stadt möge doch beim Römerspektakel an den Kaiserthermen einsteigen, kritisch gegenüber. Auch dieses Engagement endete beim Vorläufer-Projekt “Brot und Spiele” im Desaster. Da die Mainzer aber offensichtlich trotz der peinlichen Pannen nicht zur Besinnung kommen wollen, will die Trierer Kulturspitze nun zumindest zaghaft eruieren, was machbar sein könnte. Die Projekt-Idee kann so aussehen: In der von der ttm organisierten Illuminale, die möglicherweise um einen Tag verlängert wird, werden die Kaiserthermen lichttechnisch geschmückt; das Theater beteiligt sich mit einem Schauspiel, das Mosel Musikfestival mit einem Konzert.

Schulterschluss auch mit Norbert Käthler von der ttm.

“Aber vor 2019 geht da gar nichts”, sagt Schmitt, der darin von Scharfenberger und Käthler unterstützt wird. “Es macht überhaupt keinen Sinn”, sagt der Lewen-Nachfolger, “wenn wir jetzt ein Projekt für 2018 ins Auge fassen, weil unser Programm für das kommende Jahr bereits steht, und Manfred Langner die Theater-Intendanz auch erst 2018 übernehmen wird.” Zumal sich 2018 ohnehin alles auf Karl Marx konzentrieren wird. “Von daher ist ein zusätzliches Projekt kontraproduktiv”, so Schmitt. Käthler betont ebenfalls, “jetzt schon etwas zur konkreten Ausrichtung zu sagen, wäre einfach verfrüht”. Die ttm habe Interesse daran, Triers Welterbestätten in Szene zu setzen, “aber den Planungsprozess werden wir erst im kommenden Jahr angehen”.

Das Wort Nukleus löst beim neuen Trierer Kulturdezernenten ohnehin Bauchgrimmen aus. “Ich werde mich sicher nicht über die Wünsche des Mosel Musikfestivals und des Theaters hinwegsetzen”, sagt Schmitt. Ein neues Projekt läuft somit nur mit Zustimmung Scharfenbergers und Langners ab – und in Zusammenarbeit mit Käthler. “Wobei derzeit wirklich alles noch offen ist”, sagt der Christdemokrat. Unter Druck setzen lassen wie sein Vorgänger will Schmitt sich auf keinen Fall: “Deswegen lassen wir uns Zeit mit den Planungen.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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