Es wird ein Festival im besten Sinne!

Intendant Tobias Scharfenberger (link) zusammen mit Lehrern und Schülern des Wittlicher Peter-Wust-Gymnasiums, mit dem das Mosel Musikfestival eine Kooperation eingegangen ist. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Am Samstag, 8. Dezember, endet mit dem Weihnachtskonzert in der Zeltinger Pfarrkirche die diesjährige Konzertreihe des Mosel Musikfestivals. Aber Intendant Tobias Scharfenberger richtet den Blick bereits auf das kommende Jahr. Am Freitag, 7. Dezember, stellte er Medienschaffenden und Freunden des Festivals das kommende Programm vor. Und so viel kann an dieser Stelle bereits gesagt werden: Kaum ein Programm zuvor hat die Bezeichnung Festival derart verdient!

Von Rolf Lorig

Für Hermann Lewen, Begründer des Mosel Musikfestivals und dessen erster Intendant, war Tobias Scharfenberger der Wunschkandidat in der Nachfolge schlechthin. Mit dem in der Szene gut vernetzten Sänger und Künstler wusste er sein Kind in guten Händen. Und um sicherzugehen, dass die Nachfolge reibungslos verläuft, konnte Scharfenberger seinen Vorgänger ein Jahr bei dessen Tun und Arbeiten begleiten.

Und dann kam der 31. Dezember 2017, der alte Kapitän ging von Bord, der Neue übernahm. Und drückte dem Festival gleich seinen Stempel auf: Konzerte an ungewöhnlichen Orten (Industriekultur), die Aufführung der Matthäus-Passion mitten im Juli. Scharfenberger machte von Anfang an klar, dass er nicht in Lewens Schuhe schlüpfen wollte. Ein absolut richtiger, wenn auch nicht ganz schmerzloser Entschluss. Denn das angestammte Publikum, meist im gesetzten Alter, reagierte irritiert. Was der neue Intendant da machte, da musste man sich erst einmal mit anfreunden. Und Veränderungsprozesse brauchen ihre Zeit, dauern in dieser Region vielleicht sogar noch einen Tick länger als anderswo.

Der künstlerische Aspekt hat dem Festival ein modernes Profil beschert

Die Folge: Das erste Jahr unter Tobias Scharfenberger kann mit Fug und Recht als ein künstlerisches Experiment angesehen werden. Der künstlerische Aspekt hat dem Festival ein neues, durchaus modernes Profil beschert. Der Profit aber hielt sich in Grenzen: Einige Konzerte mussten mangels Interesse gar abgesagt werden, zudem gab es am Ende der Spielzeit eine Finanzierungslücke von etwa 84.000 Euro. Und das, obwohl sowohl das fachkundige Publikum wie auch Kulturschaffende dem Programm höchstes Lob gezollt hatten. Wie gesagt, Veränderungen brauchen ihre Zeit.

Die spannende Frage war nun: Rudert Scharfenberger beim Programm für 2019  zurück? Setzt er wieder mehr auf die Schiene, die das Publikum der Region über Jahrzehnte gewohnt war? Die Antwort ist ein klares Nein. Scharfenberger weiß, dass er einen Spagat machen muss. Das alte Publikum bewahren, klar. Aber auch ein neues, junges, für das Festival erschließen. Und das geht nun mal nicht ohne Experimente. So ist denn das neue Programm ein echtes Festival-Programm. Für seine Stammgäste, die klassische Musik in einer möglichst vollendeten Form genießen wollen, hat der Intendant eine Reihe von musikalischen Pretiosen gesichert. So beispielsweise das Eröffnungskonzert am 13. Juli in Trier, bei dem der Knabenchor Hannover zusammen mit den Canadian Brass in St. Maximin musiziert. Oder die “h-Moll Messe” von Johann Seb. Bach, die der Bach-Chor am 22. September anlässlich seines 50. Jubiläums in der Konstantin-Basilika aufführt; und nicht zu vergessen das Sonderkonzert, bei dem “Ein deutsches Requiem” von Johannes Brahms sowie das von Joachim Reidenbach komponierte “Requiem aeternam” zur Aufführung gelangen.

Nur einige Beispiele für Konzerte, die dem diesjährigen Motto “Heimat” verbunden sind, das für eine ganze Reihe von weiteren Konzerten tonangebend ist.

Was Heimat ist und wie sie klingt, dieser Frage geht das Festival bis zum 3. Oktober in 54 Konzerten an 43 Spielstätten nach. Und für dieses Programm hat sich Scharfenberger von einer ganzen Reihe an musikalischen Heimaten inspirieren lassen.

Tobias Scharfenberger kämpft um sein künstlerisches Konzept.

Öffnung für nahezu gesamte Bandbreite

Womit wir bei der Aussage sind, dass dieses Festival seine Bezeichnung wahrlich verdient hat. Ja, der Intendant ist sich selbst und seinem künstlerischen Verständnis treu geblieben. Gab es in der Festivalreihe früher mal gelegentliche Konzerte, die dem Swing oder Jazz Rechnung trugen, geht Tobias Scharfenberger nun sehr viel radikaler vor. Er öffnet das Mosel Musikfestival für nahezu die gesamte Bandbreite, stellt die Angebote in aller Regel aber in einen klassischen Kontext. Beim Konzert des “Jasmin Toccata” trifft beispielsweise die Welt des Barock auf den Orient. Die Raffinesse orientalischer Verzierungen findet hier ihr Echo in den kunstvollen Ornamenten des Barock.

Eine Symbiose geht auch die Kronthaler Band ein, die am 14. August im luxemburgischen Remerschen gastiert. Sie geht mit ihrer Sängerin Theresa Kronthaler neue Wege, verbindet Barock-Arien von Monteverdi, Purcell und Händel mit Pop- oder Jazz-Klängen.

Mehr noch: Der Auftritt von Goldmeister und die Ragtime Bandits erbringt den Beweis, dass sich Swing und Rap durchaus vertragen. Hier mixen die Akteure Swing oder alte Dixie-Titel aus den 20er Jahren mit modernen deutschen Texten, die in Rap-Manier schnell phrasiert werden.

Es ist ein kunstvolles Gespinst, das der Intendant hier entwickelt hat. In der Tat werden so gut wie alle Musikgeschmäcker erreicht: die Operettenfreunde dürfen sich auf das “Zeltinger Himmelreich” (19./20./23./24./26. und 27. Juli) freuen, es steht eine Orgelwanderfahrt auf dem Programm, portugiesische Fado-Musik (28. September, Saarburg) begegnet im Programm Konzerten auf renommierten Weingütern, Open Air-Konzerte ziehen die Menschen an historische Orte, und auch im Dom werden sich alte und moderne Musik aus Afrika und Europa gegenüberstehen.

Und dann gibt es ja noch die Zugabe. In diesem Jahr ist das das “Jessica Gall Trio”, das in der Evangelischen Kirche Trarbach klassische deutsche Weihnachtslieder gänzlich neu interpretiert.

Fazit: Es ist ein spannendes Programm, das im kommenden Jahr auf die Freunde des Mosel Musikfestivals wartet. Junge Talente treffen auf Weltstars. Von seiner musikalischen Ausrichtung her ist das Festival breit gespannt und bestens dazu geeignet, dem Vergnügungsdampfer Mosel Musikfestival viele neue Gäste aus allen Altersschichten zu erschließen. Was wünscht man Künstlern? “Toi, toi, toi!”

Die Kooperation

Wer an Musik denkt, konsumiert in aller Regel. Man schaltet das Radio ein, kauft eine CD oder besucht ein Konzert. Kaum jemand aber weiß, wieviel Arbeit beispielsweise hinter einem Festival steckt. Umgekehrt bewegt die Festival-Macher die Frage, was das Publikum musikalisch erwartet.

Diesen beiden Themenfeldern widmet sich in den nächsten Monaten eine Kooperation, die das Mosel Musikfestival mit dem Wittlicher Peter-Wust-Gymnasium eingegangen ist. Die teilnehmenden Jungen und Mädchen entwickeln mit ihren Lehrern, dem Festivalteam und dem “Vision String Quartett” ein neues Konzertformat. Dabei werden nicht nur Verkaufswege und Marketingmöglichkeiten erkundet, die Teilnehmer machen sich auch über Beleuchtung und Sitzmöbel, Ticketpreise und Crowdfunding Gedanken. Wie kreativ die Mädchen und Jungen waren, wird schluießlich das Lounge-Konzert im Peter-Wust-Gymnasium zeigen.

Eine weitere kreative Idee, die aufzeigt, wie ernsthaft das Mosel Musikfestival an der Erschließung neuer Kundengruppen arbeitet. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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