Feuerwache – Egger setzt weiter auf Spitzmühle

Dezernent Thomas Egger (SPD) setzt weiter auf die Spitzmühle als neuer Standort für die Trierer Feuerwehr.

Dezernent Thomas Egger (SPD) setzt weiter auf die Spitzmühle als neuer Standort für die Trierer Feuerwehr.

TRIER. Die Trierer Feuerwehr muss etwas länger auf die endgültige Entscheidung warten, wo die neue Hauptwache gebaut werden wird. Ursprünglich sollten die archäologischen Grabungen an der Spitzmühle bis zum Ende des laufenden Jahre abgeschlossen sein. Weil bei Bodenuntersuchungen jedoch kontaminiertes Material gefunden wurde, musste die Stadt die weiteren Untersuchungen des Geländes zwischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und Kleingartenanlage vorerst einstellen. Die Hinterlassenschaft stammt von der ehemaligen Lederfabrik Hermann Simon, die dort bis zum Anfang der 1970er Jahre Leder gerbte. Die Entwarnung kam erst Mitte September aus Berlin: Das beauftragte Robert-Koch-Institut konnte keine Kontaminierung mit gefährlichen Milzbrandsporen feststellen. Die können bei Altstandorten der Tier- und Lederindustrie nicht ausgeschlossen werden. Da über die Wintermonate archäologische Grabungen unmöglich sind, sollen die Experten des Rheinischen Landesmuseums erst im Sommer 2016 an die Arbeit gehen – sofern bis dahin nicht weitere Kontaminierungen des Geländes entdeckt werden.

Zumindest ein kleiner Stein dürfte Thomas Egger (SPD) vom Herzen gefallen sein. Der Dezernent kann weiter auf die Spitzmühle als Standort für die neue Hauptfeuerwache hoffen. Bis zum Frühjahr hatte es ein zähes politisches Ringen um den Standort als Ersatz für die überalterte Wache am Barbaraufer gegeben. Die Ratskoalition aus CDU und Grünen favorisierte das Gebiet um das ehemalige Polizeipräsidium an der Südallee sowie das ART-Gelände an der Löwenbrückener Straße. Die Grünen brachten schließlich auch das zu diesem Zeitpunkt bereits gestrichene SWT-Gelände an der Ostallee erneut ins Spiel. Die Verwaltung um Dezernent Egger, Alt-OB Klaus Jensen (SPD) und die ehemalige Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) favorisierte hingegen mit Unterstützung der Ratsopposition die Spitzmühle. Schließlich schwenkte die Union dahingehend um, dass der Prüfungsauftrag für die Spitzmühle erteilt werden konnte.


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Im Juli begannen die Untersuchungen auf dem Areal zwischen Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und Kleingartenanlage. Bereits Ende Juli mussten diese wieder eingestellt werden, weil sich Auffälligkeiten im Boden und am ausgehobenen Material ergaben. Die Stadt schaltete daraufhin den beratenden Bodengutachter ein. Der Worst Case trat jedoch nicht ein. Das Robert-Koch-Institut in Berlin fand keine gefährlichen Milzbrandsporen im ausgehobenen Material, das thermisch vernichtet, also verbrannt wurde. In den kommenden Monaten sollen weitere Untersuchungen des gesamten Geländes durchgeführt werden. Die könnten ergeben, dass das gesamte Areal von den Altlasten der ehemaligen Lederfabrik befreit werden muss. Die Hinterlassenschaften aus den Jahrzehnten nach dem Krieg wiegen schwer. Im Gegensatz zu heute wurden damals keine umwelttechnischen Untersuchungen bei Betriebsaufgaben durchgeführt. Frühestmöglicher Beginn zur Fortführung der archäologischen Grabungen ist im Sommer 2016.

Die Chronologie

♦ Am 21. Juli wurde der Parkplatz Spitzmühle für den öffentlichen Verkehr gesperrt, die Tiefbauarbeiten begannen. Die Baugruben wurden auf einer Fläche von je 20 mal 20 Meter geöffnet. Geplant war die Herstellung abgeböschter Gruben bis in eine Tiefe von bis zu 3,50 Meter unter dem Gelände, um die archäologischen Grabungen auf einer inneren Untersuchungsfläche von zehn mal zehn Metern durchführen zu können.

♦ Nach circa 0,7 bis 1,50 Metern Aushubtiefe stellten sich Auffälligkeiten am Boden und im Aushubmaterial innerhalb der beiden Gruben ein. Die Stadt Trier schaltete daraufhin den beratenden Bodengutachter ein und veranlasste umgehend, gezielte Proben des Aushubmaterials aus den Gruben zu entnehmen und untersuchen zu lassen.

♦ Noch am 31. Juli wurden aus Arbeits- und Sicherheitsgründen seitens der Stadt sämtliche Bautätigkeiten auf dem Gelände vorsorglich eingestellt.

Ob die Spitzmühle aber als Standort für die neue Hauptwache der Feuerwehr überhaupt infrage kommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

Ob die Spitzmühle aber als Standort für die neue Hauptwache der Feuerwehr überhaupt infrage kommt, ist noch nicht abschließend geklärt.

♦ Da bei Altstandorten der Tier- und Lederindustrie nicht ausgeschlossen werden kann, dass eine Kontamination mit Milzbrandsporen besteht, wurden die entnommenen Bodenproben umgehend an das Robert-Koch-Institut in Berlin zur weiteren Untersuchung geschickt. Die zeitaufwändige Milzbrandanalytik (Züchtung von Kulturen) dauert zwischen vier bis acht Wochen. Diese Untersuchungen sind bei einem begründeten Verdacht, wie er sich aus den Auffälligkeiten bei der Grubenherstellung ergab, angezeigt, auch wenn aus statistischen Erhebungen keine Fälle einer Erkrankung an Milzbrand bei Mensch oder Tier wegen eines Kontaktes mit entsprechenden Altlastmaterialien bekannt sind.

♦ Am 9. September erfolgte für die beiden eingereichten Proben eine Rückmeldung des Robert-Koch-Institutes mit negativem Befund: Es konnten keine Milzbrandsporen nachgewiesen werden. Dieses Ergebnis schließt nach Angaben des Robert-Koch-Institutes das generelle Verdachtspotenzial an anderer Stelle jedoch nicht aus.

♦ Erst mit Nachweis der sporenfreien Proben durch das Robert-Koch-Institut konnten die Bodenaushubmassen weiter untersucht werden – abfalltechnische Untersuchungen: Feststellung der Deponieklasse und Festlegung des Entsorgungsweges.

♦ Am 5. November erhielt die Stadt den Endbericht zu den Proben vom beauftragten Grundbaulabor Trier. Das belastete Material, das in den vor Ort vorgehaltenen Containern zwischengelagert ist, muss fachgerecht entsorgt werden. Als Entsorgungsweg kommt wegen der Untersuchungsergebnisse nur eine thermische Entsorgung auf einer Verbrennungsanlage infrage. Der vor Ort zwischengelagerte Erdaushub kann wieder in die Gruben gefüllt werden.

♦ Am 16. November fand die Abstimmung zum weiteren Vorgehen mit der Struktur- und Genehmigungsbehörde (SGD) Nord, der Unteren Wasserbehörde sowie Vertretern der Feuerwehr und der Stadt Trier statt. Als Grundlage für alle weiteren Entscheidungen und mögliche Auflagen der SGD Nord ist die Durchführung einer sogenannten historischen Erkundung durch ein Fachbüro erforderlich.

♦ Am 25. November wurde das Büro WPW Geo.Ingenieure aus Trier mit der historischen Erkundung des Standortes Spitzmühle sowie der Planung der erforderlichen Maßnahmen zur Befüllung der Gruben beauftragt. Alle bisher seitens der Stadt erarbeiteten Unterlagen und Akten der orientierenden Untersuchungen im Rahmen der Machbarkeit wurden dem Büro WPW dazu zur Verfügung gestellt.

Weiteres Vorgehen

In den Wintermonaten sind archäologische Grabungen nicht mehr möglich und wegen der Altlastenproblematik derzeit auch nicht vorgesehen. Aus der umwelttechnischen Stellungnahme der WPW Geo.Ingenieure vom 7. Dezember gehen folgende empfohlene Arbeitsschritte hervor:

♦ Aus Schutzgründen werden die teilausgehobenen Gruben vollständig wieder verfüllt. Dabei wird eine Schutzfolie in der Grubensohle verlegt und die entnommenen Erdmassen wieder eingebaut. Mit einer konkreten Gesundheitsgefährdung während dieser Arbeiten ist derzeit nicht zu rechnen. Die Stadt Trier wird alle Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen ergreifen, die bei einem Milzbrandverdacht zu berücksichtigen sind. Die notwendigen Maßnahmen – etwa Schutzanzug, Mundschutz, Handschuhe – sollen in enger Abstimmung mit der Berufsgenossenschaft sowie der SGD Nord vor Beginn der Arbeiten festgelegt werden.

♦ Der Parkplatz kann anschließend wieder der Öffentlichkeit ohne Einschränkungen genutzt werden.

♦ Nach Vorliegen der Ergebnisse der historischen Untersuchung wird gemeinsam mit der SGD Nord die weitere Vorgehensweise abgestimmt. Erst dann kann geklärt werden, ob gezielt weitere Bodenuntersuchungen (Bohrungen, Schürfungen) zur Altlastenbewertung erforderlich sind.

♦ Die SGD Nord wird nach Vorliegen der Ergebnisse und eventuellen zusätzlichen Untersuchungen entscheiden, ob an der Spitzmühle eine generelle Altlastensanierung erforderlich sein wird.

Die Kosten

♦ Bisher angefallene Kosten: rund 45.000 Euro.

♦ Kosten für die fachgerechte Verfüllung der Gruben, inklusive thermischer Entsorgung und vorsorglicher Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen: rund 80.000 Euro. (tr/et)


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Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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