Frauen mit technischem Interesse dringend gesucht

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Auszubildende erläutern im Westnetz-Ausbildungszentrum den Besuchern die Aufgaben und Arbeiten von Elektronikern für Betriebstechnik. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Was bietet eine Ausbildung bei Westnetz? Welche Aufgaben hat ein Monteur bei einem Stromversorger? Welche handwerklichen Fähigkeiten sollte man mitbringen? Wie sehen hier die beruflichen Möglichkeiten aus? Fragen über Fragen, die das Westnetz-Ausbildungszentrum in der Eurener Straße am Samstag mit einem Tag der offenen Tür beantworten konnte.

Rund 200 Besucher nehmen an diesem Tag das Angebot an. Darunter auch Felix Zonker, der mit seinem Vater Hermann gekommen ist. Für den jungen Mann ist der Verteilnetzbetreiber Westnetz kein unbekanntes Unternehmen. Einige seiner Freunde hätten hier schon eine Ausbildung absolviert und dabei gute Erfahrungen gemacht, sagt Felix dem reporter. Für den Realschüler endet im kommenden Jahr die Schulzeit, dann würde auch er gerne hier mit einer Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik (EBT) beginnen.

Azubi Peter Hoff beantwortet Fragen von Felix und Hermann Zonker (von links).

Azubi Peter Hoff beantwortet Fragen von Felix und Hermann Zonker (von links).

Dirk Schulte, Leiter des Trierer Ausbildungszentrums, weiß um die Möglichkeiten, die dieser Beruf bereit hält: “Der Ausbildungsberuf des Elektronikers für Betriebstechnik ist sehr breit angelegt, beinhaltet fast die gesamte Elektrotechnik und bietet eine perfekte Grundlage für eine spätere Spezialisierung.“ Was er nicht sagt: Vor etlichen Jahren hatte auch für ihn hier seine berufliche Laufbahn begonnen, die er dann mit einem Studium an der Hochschule fortführte. An diesem Tag ist er bei den Eltern der Jugendlichen ein gefragter Gesprächspartner. Die potenziellen Auszubildenden halten sich dagegen lieber an ihre Altersgenossen. Dirk Schulte weiß das und hat eigens dafür etliche Auszubildenden um ihre Unterstützung gebeten. Während die Schüler interessiert fragen und lauschen, erklären ihnen die Azubis die verschiedenen Tätigkeiten und Werkzeuge. Auf ein besonderes Interesse stoßen dabei Hilfsmittel wie der Hexakopter, eine ferngesteuerte Drohne zur optischen Kontrolle von Freileitungen oder aber auch die Hubarbeitsbühne, mit der die Monteure auch noch in 30 Metern Höhe arbeiten können.

Wer jetzt Feuer gefangen hatte, kann sich in einem anderen Raum über Form und Inhalt einer Bewerbung informieren. Im kommenden Jahr will Westnetz wieder deutlich mehr als 20 Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen. Neben dem Elektroniker für Betriebstechnik werden auch Industriekaufleute ausgebildet. Besonders attraktiv, aber auch anspruchsvoll, ist hier das Duale Studium. Sieben Semester Vollzeitstudium an der Hochschule Trier gehen einher mit vielseitigen Praktika während der Semesterferien. Dabei lernen lernen die Studenten alles über Anwendungen der Physik, elektronische Bauelemente und Schaltungen, Steuerungs- und Automatisierungstechnik sowie elektrische Antriebe und Maschinen. Am Ende des Studiums steht schließlich die Bachelorarbeit.

Nachrichtentechniker Paul Kall (links) und Azubi Gabriel Koch erläutern den Besuchern die Herausforderungen beim Verlegen von Glasfaserkabeln für das schnelle Internet

Nachrichtentechniker Paul Kall (links) und Azubi Sebastian Hoppen erläutern den Besuchern die Herausforderungen beim Verlegen von Glasfaserkabeln für das schnelle Internet

Und welche Chancen haben Frauen gerade in den technischen Berufen? ‟Die besten‟, sagt Schulte, zuckt dann aber bedauernd die Achseln. Das Unternehmen habe mit weiblichen Auszubildenden im technischen Bereich sehr gute Erfahrungen gemacht, gerne würde er darum mehr Frauen einstellen. Doch gerade im Bereich der EBT kämen kaum Bewerbungen, bedauert er. Immerhin kann er aber darauf verweisen, dass es beim Dualen Studium diesbezüglich eine Konstanz gibt: ‟Schon seit Jahren haben wir hier einen Frauenanteil, der bei 25 Prozent liegt.”

Neben den klassischen Ausbildungsberufen hat Westnetz ebenfalls schon seit Jahren ein weiteres Programm, mit dem das Unternehmen Jugendlichen helfen will, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben: ‟Wir nennen diese Einstiegsqualifizierungsmaßnahme ‘Ich pack das’, erläutert Schulte. Die Teilnehmer arbeiten bis zu einem Jahr an gemeinsamen Projekten, unterstützt von erfahrenen Ausbildern. Dabei erlernen sie handwerkliche Fertigkeiten, erwerben technisches Verständnis und viele weitere Qualifikationen, die für eine Ausbildung wichtig sind. ‟Den Startschuss unseres Programms gibt eine Teamwoche, in der sogenannte ‟Soft Skills“ wie Teamgeist, Motivation und Durchhaltevermögen, aber auch kommunikative Fähigkeiten wie der Umgang mit Konflikten vermittelt werden‟, sagt Schulte und weist darauf hin, dass auch im kommenden Jahr erneut zwei Jugendliche hier ihre Chance finden werden. -rl-


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft, inside54.de Hinterlasse einen Kommentar

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