Frauentag – “Frauenquote bringt mehr Vielfalt”

In der rheinland-pfälzischen Landesregierung - hier Eveline Lemke (links) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer - ist die Quote bei sieben Frauen und zwei Männern mehr als erfüllt. Foto: Stk

In der rheinland-pfälzischen Landesregierung – hier Eveline Lemke (links) und Ministerpräsidentin Malu Dreyer – ist die Quote bei sieben Frauen und zwei Männern mehr als erfüllt. Foto: Stk

TRIER/BAD KREUZNACH. Zum internationalen Frauentag am 8. März hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) die neue Frauenquote in Aufsichtsräten von Großunternehmen begrüßt. “Ich verspreche mir von der Frauenquote mehr Vielfalt und eine gleichberechtigtere Unternehmenskultur”, sagte Dreyer am Sonntag bei einer DGB-Veranstaltung zum internationalen Frauentag in Bad Kreuznach. Am Freitag hatte der Bundestag mit den Stimmen von Union und SPD dem Gesetzentwurf der schwarz-roten Bundesregierung zugestimmt. Grüne und Linke enthielten sich. Demnach müssen große Unternehmen in ihren Aufsichtsräten künftig einen Frauenanteil von 30 Prozent aufweisen. Betroffen von der Neuregelung sind ab 2016 gut 100 börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen. 3.500 weitere Unternehmen müssen sich künftig verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen. Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte von einem “historischen Schritt” gesprochen.

Mehr als 100 Jahre nach dem ersten Frauentag kämpften die Frauen immer noch für Gleichberechtigung und Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. Trotz guter Ausbildung und hervorragenden Qualifikationen teilten die Männer nach wie vor die Führungsetagen unter sich auf. “Schon vor 13 Jahren haben Bundesregierung und die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft zur Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern in der Privatwirtschaft eine freiwillige Vereinbarung geschlossen, die auch die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führungspositionen beinhaltete. Diese Vereinbarung hat sich jedoch bis heute als zahnloser Tiger erwiesen”, kritisierte die Ministerpräsidentin.

Obwohl Frauen mit 43 Prozent fast gleichberechtigt am Arbeitsmarkt teilnähmen, 53,3 Prozent der Studienberechtigten und knapp die Hälfte aller Hochschulabsolventen stellten, seien Ende 2013 nur 4,4 Prozent aller Vorstände und 15,1 Prozent aller Aufsichtsräte in den TOP-200-Unternehmen in Deutschland mit Frauen besetzt gewesen. “Deshalb war es ein guter Tag, als die beiden Bundesminister Manuela Schwesig und Heiko Maas ihren Gesetzentwurf für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst eingebracht haben und dieser auch vom Bundeskabinett im Dezember beschlossen wurde”, so Dreyer.

Idee und Wirklichkeit. Karikatur: Phil Hubce

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Denn freiwillige Vereinbarungen genügten nicht: “Das haben wir 13 Jahre lang beobachtet – wir brauchen den Kulturwandel per Gesetz. Auch wenn die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz verankert ist, ist sie nach wie vor in vielen Unternehmen noch nicht angekommen.” Die mit dem Gesetz verbundenen Veröffentlichungs- und Berichtspflichten für Unternehmen und Behörden spornten an und gewährleisteten Transparenz. “Wir haben genügend gut qualifizierte Frauen, die die Frauenquote ohne Probleme ausfüllen können”, betonte die Ministerpräsidentin.

Nach dem Beschluss im Bundestag gab es Kritik vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI): “Die starre Einheitsquote für Aufsichtsräte ist reine Symbolpolitik, bei der verfassungsrechtliche Bedenken kurzerhand ignoriert wurden.” Positive Reaktion kamen hingegen vom Verband Deutscher Unternehmerinnen: “Die Verabschiedung der Quote ist ein wichtiger Durchbruch, und wir sind stolz auf dieses Ergebnis unserer langjährigen Bemühungen.” Kritik am neuen Gesetz hatte auch die Opposition geübt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt sprach zwar von einem “Meilenstein für die Gleichberechtigung”. Dennoch sei es nur eine “Quote light”. Die Linken-Abgeordnete Caren Lay kritisierte das “Frauenquötchen”. Im öffentlichen Dienst bedeute der Entwurf sogar eine Verschlechterung. “50 Prozent ohne Wenn und Aber” sei das Ziel. (tr)


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