Für 918 Wahlhelfer ist der 26. Mai ein Großkampftag

Hier ist Durchhaltevermögen gefordert: Maylin Müllers und Wolfram Leibe präsentieren den Wahlzettel für den kommenden Stadtrat. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Große Dinge werfen ihre Schatten voraus: Am Sonntag, 26. Mai, ist Wahltag. Rund 86.000 Wahlberechtigte entscheiden in Trier dann mit über die Besetzung des Europaparlamentes und wählen zudem den künftigen Stadtrat, die Ortsbeiräte und die Ortsvorsteher. Zwei Tage lang werden 918 Wahlhelfer alle Hände voll mit der Auszählung der Stimmzettel zu tun haben. Was da alles an Arbeit anliegt, das vermittelt ein Blick in die Europahalle, wo derzeit viele fleißige Helfer mit dem Versenden der Briefwahlunterlagen sowie mit der Entgegennahme der ersten Briefwahlen beschäftigt sind.

Für den reporter hat sich Rolf Lorig vor Ort umgeschaut und mit Akteuren gesprochen.

Über Langeweile kann Maylin Müllers in diesen und den kommenden Tagen weiß Gott nicht klagen. Die Leiterin des städtischen Wahlbüros ist an vielen Stellen gleichzeitig gefragt. Eine große Last aber ist ihr von der Seele gefallen: “Wir haben die benötigten 918 Wahlhelfer zusammen.” Einfach war das bestimmt nicht, mussten gegenüber dem Wahljahr 2014 doch über 300 zusätzliche Wahlhelfer gefunden werden.

Wer am 26. Mai nicht an der Wahl teilnehmen kann, hat jetzt schon in der Europahalle die Möglichkeit zur Wahl. “Es sind viele ältere Menschen dabei, die mit ihrer Wahlbenachrichtigung zu uns kommen”, hat Mechthild Bakhsheshi-Zanjani, die ansonsten beim Amt für Bodenmanagement und Geoinformation arbeitet, beobachtet. Vor allem diese Altersgruppe sehe den Wahlvorgang  noch “als ihre vornehmste Bürgerpflicht” an, sagt die Wahlhelferin.

Alle Hände voll zu tun haben Mechthild Bakhsheshi-Zanjani (links) und Ulrike Koos.

Stadt rechnet mit 20.000 Anträgen zur Briefwahl

Zusammen mit ihrer Kollegin Ulrike Koos – sie ist Mitarbeiterin beim Ordnungsamt – tütet Mechthild Bakhsheshi-Zanjani fast schon im Akkord Briefwahlunterlagen in Kuverts. Rund 7.000 Anträge liegen derzeit vor, “etwa 6000 haben wir schon abgearbeitet”, sagt Maylin Müllers nicht ohne Stolz. Wobei es bei den 7.000 nicht bleiben wird: Müllers rechnet mit rund 20.000 Anträgen auf Briefwahl.

Dass diese Aufgabe nicht quasi nebenbei, sondern mit Konzentration ausgeführt werden muss, unterstreicht Ulrike Koos: “Die Bürger, die ihre Wahlunterlagen angefordert haben, wollen ja auch die richtigen. Da nutzt es nichts, wenn jemand, der auf der Weismark wohnt, die Wahlliste für den Ortsbeirat von Kürenz bekommt.”

Eigentlich wäre an dem heutigen Freitag gegen 13 Uhr Feierabend. “Aber da wird wohl nichts draus”, meint eine Helferin, die ihren Platz im Eingangsbereich der Europahalle hat und ebenfalls fleißig eintütet: “Heute wird es mit Sicherheit länger und am Wochenende steht auch noch eine Schicht an…”

Trotz dieser Aussichten ist die Stimmung unter den Wahlhelfern gut. Die Fragen von Journalisten und Bürgern werden ruhig, aber bestimmt beantwortet. Alle arbeiten konzentriert, vermitteln keinen Stress. Dabei könnte der durchaus aufkommen, wirft man einen Blick ins Lager, wo sich die Kartons mit den Unterlagen für die 19 Wahlbezirke befinden…

Dass die rechtzeitig eingetroffen sind, war Glück und Organisationstalent zugleich. Wegen des Formates – niemand im Land hatte mit derart vielen Bewerbern gerechnet – und den genau vorgegebenen Farben hatten Lieferengpässe drohend im Raum gestanden. “Eine Herausforderung, die wir angenommen und bestanden haben”, lächelt Maylin Müllers.

Einer, der den Trubel im Vorfeld ebenfalls genau mitbekommen hat, ist Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Als Wahlleiter ist er für die genaue Einhaltung aller Vorgaben verantwortlich. Logisch, dass sich auch jeder mit Fragen an ihn wendet, die im Raum stehen. “Man hat mich beispielsweise gefragt, weshalb auf den unterschiedlichen Wahlzetteln die Parteien nicht immer in der gleichen Reihenfolge aufgelistet sind”, erzählt er. Des Rätsels Lösung ist relativ einfach: Die Wahlordnung gibt auch hier die genaue Vorgehensweise vor. Bei den Wahlzetteln für den Stadt- und den Ortsbeirat erfolgt die Nennung anhand der Ergebnisse der Landtagswahl aus dem Jahr 2016. Anders bei der Wahl der Ortsvorsteher: Hier erfolgt die Platzierung anhand der Ergebnisse der Parteien bei der letzten Kommunalwahl in 2014. Einfach die Handhabung der Sortierung bei der Europawahl: Diese richtet sich nach dem Abschneiden bei der letzten Europawahl…

Viel Papier will bei der kommenden Europa- und Kommunalwahl ausgefüllt werden

Die 72 Wahllokale öffnen um 8 Uhr

Womit sich der Blick nun automatisch auf den Wahlsonntag richtet: Die 72 Wahllokale der Stadt Trier öffnen um 8 Uhr und schließen Punkt 18 Uhr. Dann beginnt die Auszählung. Etwas anders ist dagegen die Situation bei der Briefwahl. Alle eingegangenen Stimmzettel befinden sich dann in der Europahalle. Für Maylin Müllers ist diese Lokalität ein Glücksfall: “Hier haben wir den Platz, den wir für eine derart große Stimmenauszählung brauchen.”

Um 12 Uhr wird mit der Vorprüfung der Unterlagen begonnen, ausgezählt aber erst ab 18 Uhr. Damit sind dann alleine in der Europahalle 270 Wahlhelfer beschäftigt.

Auch in allen anderen Wahllokalen beginnt um 18 Uhr die Auszählung. Dabei ist die Reihenfolge der Wahlzettel klar vorgegeben: “Erst kommen die Stimmzettel zur Europawahl”, klärt Müllers auf. Wahlleiter Leibe hofft, das vorläufige Endergebnis zur Europawahl gegen 20 Uhr bekanntgeben zu können, das dann auch für alle Besucher auf Leinwänden in der Europahalle zu sehen sein wird.

Sind diese Stimmzettel ausgezählt, kommen die Wahlzettel für die Ortsvorsteher an die Reihe. Weiter geht es mit dem Stadtrat und am Ende dann steht die Auszählung für die Ortsbeiräte. Wobei es allerdings weder für den Stadtrat noch für den Ortsbeirat am Sonntag ein Endergebnis geben wird: “Da zunächst nur die Listenergebnisse ausgewertet werden, kann lediglich ein Trendwahlergebnis bekanntgegeben werden”, erläutert Maylin Müllers. Die Auszählung für den Stadtrat und die Ortsbeiräte wird am Montag fortgeführt – “öffentlich in den Büroräumen der Verwaltungsgebäude rund um den Augustinerhof”, sagt die Leiterin des städtischen Wahlbüros.

Präsentiert werden die vorläufigen Endergebnisse dann ab 12 Uhr im Foyer des Rathauses – immer in der Reihenfolge, wie sie vorliegen. Wobei sowohl Leibe wie auch Müllers vor einer allzu frühen Erwartungshaltung warnen: “Mit dem gesamten vorläufigen Endergebnis kann erst am späten Nachmittag bzw. frühen Abend gerechnet werden.”

Extra

Es ist eine Menge Papier, das am Wahltag von den Bürgern ausgefüllt werden will. Wer es sich einfach machen will, kreuzt die Listen an − fertig. Schwieriger wird es aber schon, wenn die Wähler von der Möglichkeit des Panaschierens und Kumulierens Gebrauch machen wollen. “Das macht etwa die Hälfte aller Wähler”, weiß Wahlleiter Wolfram Leibe. Doch er weiß auch, dass es hier so manches zu beachten gilt, damit der Stimmzettel im Eifer des Gefechtes am Ende nicht ungültig ist.

Um das zu vermeiden, hat das Rathaus auf seiner Homepage eine Hilfestellung eingerichtet. Unter diesem Link wird beispielsweise genau erklärt, was bei der Wahl beachtet werden muss. Und über diesen Link kann jeder schon mal üben: Hier öffnet sich eine PdF-Datei mit den jeweiligen Namen der Parteien und Kandidaten für den Stadtrat, die man zuh Hause schon mal probehalber ausfüllen und sich somit auf die spätere Wahl vorbereiten kann. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik 8 Kommentare

8 Kommentare zu Für 918 Wahlhelfer ist der 26. Mai ein Großkampftag

  1. Nichtwähler

    Wer es sich einfach machen will, kreuzt die Listen an. Oder bleibt einfach daheim,noch einfacher.

     
    • Wahlrecht wahrnehmen!

      Lieber Nichtwähler,

      ja,mit Nichtwählen macht man es sich einfach – zu einfach! Das Wahlrecht ist das vornehmste Bürgerrecht in einer Demokratie. Es wurde hart erkämpft und ist alles andere als selbstverständlich. Schauen Sie sich bitte mal um, in wie vielen Ländern der Welt Menschen für ihre Meinung und ihre Forderung nach Mitbestimmung verfolgt werden.
      Und bei Ihnen entscheidet die Bequemlichkeit?!

      Dabei können Sie doch wichtigen Einfluss nehmen. Wenn Sie KandiatInnen persönlich kennen, können Sie solche unterstützen, die Sie für engagiert, motiviert, integer halten.Oder was auch immer Ihnen an politisch Verantwortlichen wichtig ist…

      Sie können über die Richtung entscheiden, die die Stadtpolitik und Europapolitik künftig einschlägt. Das hat ganz konkrete Auswirkungen.
      Die SPD in Trier fordert beispielsweise, dass die Verwaltung im Rahmen städtebaulicher Verträge Bauherrren zum Bau sozial geförderter Wohnungen mit Mietpreisbindung verpflichtet. CDU und FDP hingegen lehnen das ab.
      Ihre Stimme macht also einen Unterschied, wie sich die Stadt künftig etw beim Verkauf städtischer Grundstücke verhält. Ihr Einfluss reicht also bis in Detailfragen hinein!

      Und zu Europa. Die Rechtspopulisten, die Europa zerstören wollen, werden ihre Wählerschaft mobilisieren. Wer an Europa hängt, muss also am 26. Mai mal seinen Allerwertesten hochkriegen und mal 20 Minuten für dieses historische Friedensprojekt, das Grundlage unseres Wohlstands ist, aufbringen. Glaubt irgendjemand wirklich, Deutschland könnte alleine mit Wirtschaftsmächten wie China konkurrieren und ihm gegenüber Werte wie Meinungsfreiheit und Minderheitenschutz und Errungenschaften wie Arbeitnehmerrechte behaupten?! Nein, alleine sind wir nicht stark genug!

      Also ran an die Wahlurnen! Freut euch über das Privileg,in einer Demokratie zu leben und sie mitgestalten zu dürfen und nehmt Einfluss auf die wichtigen Entscheidungen, die künftig anstehen. Sei es, dass Wohnen bezahlbar bleibt, sei es, die gemeinsame europäische Idee zu retten!

       
      • Kassandra

        Sie sind bestimmt Parteimitglied, wahrscheinlich noch von der Verräterpartei SPD .

         
        • Wahlrecht wahrnehmen!

          Ja, und ich bin stolz drauf!

           
          • Kassandra

            Mein Beileid.

        • Peter Müller

          Verräter sind allenfalls die zu nennen, die hier unter albernen Decknamen rumpöbeln.

           
  2. Michael Frisch

    Aha! Die Rechtspopulisten wollen also Europa zerstören. Mit welcher Waffe wollen Sie denn diesen Kontinent in die Luft sprengen? Oder meinen Sie vielleicht die EU, die von den sogenannten Rechtspopulisten völlig zu Recht sehr kritisch gesehen wird? Demokratiedefizite (z.B. kann das Europaparlament nicht einmal Gesetze einbringen!!), Bürokratie, Entmündigung der Nationalstaaten, Vergesellschaftung von Schulden und vieles mehr sind gute Gründe, diese EU abzulehnen und eine grundlegende Reform zu fordern. Das und nichts anderes tun AfD und co. Also hören Sie auf, hier Schreckgespenste an die Wand zu malen, die auf fakenews beruhen!
    Was die Kooperation in Wirtschaftsfragen betrifft, so lehnt das kein vernünftiger Mensch ab, auch die AfD nicht. Aber eine solche Kooperation darf nicht zu Lasten einzelner Länder gehen.
    Und Meinungsfreiheit und EU sind spätestens seit Artikel 13 ja wohl zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Bürgerrechte und bürgerliche Freiheiten sind am allerbesten im demokratischen Nationalstaat aufgehoben, nicht in einer zentralistischen EU, in der alles von einer Stelle aus entschieden wird. Überhaupt ist es sehr gewagt, von Einflussnahme der europäischen Bürger auf Entscheidungsprozesse in der EU zu sprechen. Ich empfehle jedem, sich dieses Videos aus der Satire-Sendung “Die Anstalt” anzuschauen: https://www.youtube.com/watch?v=3lHVcvJdWIs
    Wer danach noch behauptet, wir hätten die Möglichkeit, als EU-Bürger tatsächlich mitzubestimmen, dem ist nicht mehr zu helfen.
    Also ran an die Wahlurnen! Vom demokratischen Recht Gebrauch machen, dass man wenigstens einmal in 5 Jahren darüber entscheiden darf, wer im Europaparlament und in den kommunalen Räten die Richtung der Politik bestimmt. Und keine Angst vor Veränderung haben, nachdem die etablierten Parteien in den letzten 20 Jahren fast alles verbockt haben, was zu verbocken war!

     
    • Wahlrecht wahrnehmen!

      1. Ihr Post zeigt sehr deutlich, dass Meinungsfreiheit und EU funktionieren. Oder hat heute morgen schon die Polizei bei Ihnen geklingelt.

      2. Hier sehen wir doch, dass die Wähler eine Wahl haben. Ich hoffe, Sie treffen die richtige! Und unterstellen Sie mir keine Fake News, Herr Frisch. Es ist Ihre Partei,die es mit der Wahrheit allzu oft nicht so genau nimmt. Übrigens genauso wie mit Werten wie Respekt, Anstand oder die Regeln zur Parteienfinanzierung. Hat die Parteiführung um Herrn Meuthen eigentlich mal Licht ins Dunkel bezüglich der illegalen Geldzuwendungen gebracht oder wird das erst nach der Wahl aufgeklärt? Wäre ja nicht so ganz fair, den WählerInnen gegenüber…

       

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