“Für Braune ist kein Platz, für Flüchtlinge immer”

Rund 300 Menschen demonstrierten am Freitagabend gegen den Fackelzug der NPD und für ein tolerantes Trier.

Rund 300 Menschen demonstrierten am Freitagabend gegen den Fackelzug der NPD und für ein tolerantes Trier.

TRIER. Rund 300 Menschen haben am Freitagabend in Euren ein deutliches Zeichen der Solidarität, ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus und für ein tolerantes Trier gesetzt. Ihr Auftritt war die starke Antwort auf den Fackelzug “Gegen Asylmissbrauch” der rechtsradikalen NPD. Lediglich 16 Neonazis machten auch im Trierer Stadtteil mit den ewig schmutzigen Parolen gegen Asylrecht, gegen den Schutz von Verfolgten, gegen demokratische Grundprinzipien und gegen die Menschenwürde mobil. Dagegen setzten die Demonstranten ihr Motto “Euren – Ort der Toleranz und Vielfalt”. Die Polizei, die mit rund 100 Kräften im Einsatz war, hatte die Lage jederzeit im Griff. Auf der Höhe des “Eurener Hofes” mussten die Beamten allerdings einschreiten, als Aktivisten der “Antifa” aus der St.-Helena-Straße heraus zu den Rechtsradikalen durchbrechen wollten. Es blieb der einzige derartige Vorfall am Abend.

Kein Platz für Nazis in Euren.

Kein Platz für Nazis in Euren.

Es war eine gespenstische Szenerie im beschaulichen Euren. Wenige Meter vor dem Kriegerdenkmal in der Numerianstraße entzündete das kleine braune Häuflein der Rechtsradikalen seine Fackeln. Vier waren ihnen vom Verwaltungsgericht erlaubt worden. Die Stadt hatte zuvor ein Fackelverbot erlassen. Dagegen erhob die NPD Einspruch. Nur vier Fackeln, und doch weckten diese in den Händen der Rechten böse Assoziationen – vom Marsch der SA durch das Brandenburger Tor am 30. Januar 1933, von den Inszenierungen der Reichsparteitage in Nürnberg. Am Freitagabend in Euren erklang aus den Lautsprechern der Rechten der “Badonviller-Marsch”, einer der Lieblingsmärsche Adolf Hitlers. Böse Parallelen, böse Assoziationen.

Das Denkmal selbst war verhüllt. So, als schämten sich jene, denen hier gedacht wird, dafür, dass so etwas wieder – oder immer noch – möglich sein darf: Fackeln beim Aufmarsch der Braunen. “Die Doasen lao mit ihren Fackeln will eich hei nit siehn. Eich glaaf, denen ihren Kiedel brennt”, steht auf dem Schild am verhüllten Denkmal. Mit “Ich will diese dummen Leute hier nicht sehen. Ich glaube, denen geht’s zu gut” lässt sich das übersetzen. Wäre es nur Dummheit, ließen sich die Provokationen der Rechten vielleicht sogar mit einer Bewegung des erhobenen Mittelfingers abtun. Doch es ist mehr als das. Seit Pegida ist klar, dass rechtes Gedankengut längst wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist – vor allem im Osten der Republik.

Deswegen sagte Oberbürgermeister Klaus Jensen zum Auftakt der Gegendemonstration: “Lasst Euch nicht von Rattenfängern missbrauchen!” Der Sozialdemokrat meinte auch die NPD, aber er bezog sich noch deutlicher auf jene, die unter dem Deckmantel angeblicher Besorgnis neue Ängste schüren, Hass sähen und Gift auslegen. “Das ist kein ehrlicher Protest”, sagte Jensen. Wer daran teilnehme, stärke die Feinde der Demokratie. “Jeder Demokrat”, so Jensen, “muss diesen Gespenstern des braunen Gedankengutes zurufen: Für Euch ist kein Platz bei uns, für Menschen aber, die dem Krieg entronnen sind, ist bei uns immer Platz.”

Auch Triers scheidender Oberbürgermeister, der den Kampf gegen Rechts, gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz zu einem zentralen Punkt seiner bald achtjährigen Amtszeit gemacht hatte, zog Parallelen. “Fackeln in den Händen der Braunen”, sagte der Sozialdemokrat, “wecken bei mir Erinnerungen an die Pogromnacht von 1938 und an brennende Asylunterkünfte, wie zum Beispiel in Rostock.” Jensens Kritik an Pegida war deutlich. “Wo waren jene, die jetzt protestieren, als in Deutschland in den letzten 20 Jahren 150 Menschen aus rassistischen Motiven heraus umgebracht wurden?”, fragte der OB.

Deswegen stellte auch Hans-Alwin Schmitz, der Ortsvorsteher von Euren, klar, dass in seinem Stadtteil kein Platz für menschenverachtende Parolen sei. “Und wenn es Probleme gibt, dann lösen wir sie hier bei uns in Euren”, betonte Schmitz. Der Fernsehbeitrag über Schwierigkeiten mit Asylsuchenden aus der AfA-Nebenstelle habe ein schiefes Bild vermittelt. Vieles von dem, was er gesagt habe, sei aus dem Beitrag ‘rausgeschnitten worden. “Euren ist tolerant und wird tolerant bleiben”, sagte der Ortsvorsteher unter dem Applaus der Gegendemonstranten.

Deswegen sagte Dagmar Barzen, die ADD-Präsidentin, “dass es für mich eine Selbstverständlichkeit ist, heute hier zu sein”. Der Zuspruch in Euren sei auch ein gutes Zeichen für die Mitarbeiter der ADD, die sich um die Flüchtlinge und die Asylunterkünfte kümmerten. Und deswegen sagte Markus Pfüger von der AG Frieden, es sei ein durchschaubares Manöver der NPD, einzelne Vorkommnisse zu verallgemeinern, “um durch die Hetze gegen Asylbewerber ihr braunes, völkisches und rassistisches Gedankengut zu verbreiten”.

Das tat das kleine braune Häuflein der 16 rechten Frauen und Männer bei seinem Zug durch Euren ausgiebig. Gebetsmühlenartig wurde gegen die Systemparteien, gegen die System-Medien und gegen die angeblichen Unterdrücker deutschen Kulturgutes gehetzt. Bei jedem Halt wiederholten sich die Phrasen und Plattitüden. Schauriger Deutschrock mit martialischen Texten und deutsche Märsche untermalten die Hetze. Der begegneten die Gegendemonstranten mit Weihnachtsliedern. “Öffnet die Türen, lasst mich nicht erfrieren”, wurde zum Dauerbrenner gegen Braun.

Hören konnten sich beide Gruppen kaum. Denn zwischen braunem Fackelzug und Gegendemo klaffte ein Sicherheitsabstand von gut 200 Metern. Darin fuhren sechs Mannschaftswagen der Einsatzkräfte. Nur zweimal drohte die unmittelbare Konfrontation zwischen Mitgliedern der Antifa und den Rechtsradikalen. An der Kreuzung von Eurener und St. Helena-Straße reagierte die Polizei blitzschnell, als die Antifa zu Safet Babic und Konsorten durchbrechen wollte. Am Kriegerdenkmal wurden die Antifa schließlich von den Einsatzkräften zurückgedrängt.

Zur Nebenstelle der AfA in der Gottbillstraße durften die Rechten übrigens nicht marschieren. Sie wurden von den Einsatzkräften aus dem Kreisel im Neubaugebiet heraus zurück zum Ausgangspunkt an der Total-Tankstelle in der Eurener Straße geleitet. Jensen, Barzen und Caritas-Direktor Bernd Kettern besuchten hingegen die AfA-Außenstelle, während die Gegendemonstration noch lief, und bekundeten den Flüchtlingen noch einmal ihre Solidarität. Das Gebäude selbst wurde den ganzen Abend von der Polizei bewacht. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Gesellschaft, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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