Für die Volksbank Trier war 2018 ein gutes Jahr

Sie sind mit dem Geschäftsjahr 2018 sehr zufrieden: die beiden Vorstände Norbert Friedrich (links) und Alfons Jochem. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Auch wenn der Finanzmarkt schon seit einigen Jahren keinen Anlass zum Jubeln mehr gibt – mit dem Geschäftsjahr 2018 sind die beiden gleichberechtigten Volksbank-Vorstände Norbert Friedrich und Alfons Jochem dennoch sehr zufrieden. Das brachten sie bei der Jahrespressekonferenz am Mittwoch zum Ausdruck. Und beide sind sich sicher: Die strategische Ausrichtung der Bank ist zukunftssicher.

Für den reporter war Rolf Lorig bei der Pressekonferenz.

Es ist ein früher Termin, zu dem die Volksbank ihre Bilanz präsentiert. “Die Zahlen sind im vierten Quartal schon relativ sicher gewesen, so dass es kaum Abweichungen zur offiziellen Präsentation bei der Vertreterversammlung im Sommer geben wird”, ist sich Norbert Friedrich sicher. Bevor die beiden Vorstände diese Zahlen präsentieren, werfen sie erst einmal einen Blick auf das Weltgeschehen. Dabei machen sie deutlich, dass sich die Spannungen in den USA, in Großbritannien und dem Rest der Welt auch auf die Geschäfte einer Regionalbank wie der Volksbank Trier auswirken.

Norbert Friedrich gefällt aber auch die politische Entwicklung in Deutschland nicht. “Viele Menschen haben bei ihren Einkommen kaum noch eine Chance, über Lebensversicherungen oder Sparguthaben Beträge anzusparen, um so für ihren Lebensabend vorzusorgen”, beklagt der Banker. Bisher hätten Kunden die Zinsen aus dem vorhandenen Kapital für die Gestaltung des Lebensunterhaltes eingesetzt, erläutert Alfons Jochem. Heute aber gehe die Denkweise dahin, dass das vorhandene Vermögen im Laufe des Lebens verzehrt werde. Trotzdem rate man der Kundschaft zum Ansparen von mehr Kapital. “Auch wenn das vielen Menschen sehr, sehr schwer fällt.”

Rückgang des Bruttosozialprodukts hat noch keine Auswirkung auf die Region

Die deutsche Exportindustrie sei nicht glücklich mit 2018 gewesen, “da gab es kräftige Rückschläge”. Der Absturz des Bruttosozialprodukts von 2,2 Prozent in 2017 auf 1,5 Prozent in 2018 heiße, “dass wir auch in 2019 möglicherweise unter 1,5 Prozent bleiben werden, dass die Entwicklung eher in Richtung 1,3 bis 1,4 gehen wird”, zeigt sich Norbert Friedrich skeptisch. Eine direkte Auswirkung auf den Großraum Trier sieht er aber nicht: “Diese Region, der Kreis Trier-Saarburg, ist durch seine Nähe zu Luxemburg – wir haben in der Region etwa 27.000 Pendler-Haushalte – und dessen Einfluss auf viele wirtschaftlichen Faktoren immer noch gesegnet.”

Ein großes Problem, das Alfons Jochem sieht, “ist nach wie vor eine divergierende wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Wir haben in Deutschland nahezu Vollbeschäftigung und damit Luxusprobleme”. Zu diesen zählt Norbert Friedrich den Themenbereich “digitale Wirtschaft”. Er weist darauf hin, dass gesunde Unternehmen Gefahr laufen, aufgrund der hohen Transparenz beim digitalen Wirtschaften von heute auf morgen ihren Markt verlieren können. “Viele der gesunden Unternehmen entwickeln sich positiv, nutzen das gute konjunkturelle Umfeld und die niedrigen Zinsen, die können expandieren. Aber auf der anderen Seite gibt es auch Unternehmen, die Probleme haben. Früher haben es viele geschafft, sich durchschlängeln können. Heute ist es so: Entweder sind sie gut, dann haben sie es geschafft, oder sie behalten die Probleme und kommen dann nicht mehr aus dieser Kiste raus.”

Schützende Grauzonen gebe es heute kaum noch, sagt Friedrich: “Auch wir als Regionalbanken werden anders reguliert als vor zehn, zwanzig Jahren, wir müssen schneller die Spreu vom Weizen trennen. Die Regulatorik verlangt von uns ein anderes Agieren.” Dennoch: “Bevor wir ein Unternehmen aufgeben, tun wir alles, um es zu einem guten Ende zu führen. Dafür haben wir viele Beispiele.”

Anspruchsvolles, von wirtschaftlicher Dynamik geprägtes Jahr

Für Alfons Jochem war 2018 ein anspruchsvolles, von wirtschaftlicher Dynamik geprägtes Jahr. Die Stärke der Bank liege nach wie vor in der regionalen Präsenz, was 30 Filialen und sechs SB-Standorte belegen. Das veranschauliche auch die Bilanzsumme, die sich gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent und damit auf 1,56 Milliarden Euro erhöht hat. Den Zahlen zufolge ist auch das Gesamtkundenvolumen um 7,3 Prozent angestiegen; zum 31. Dezember wies es eine Summe von 3,59 Mrd. Euro aus. Beim Jahresergebnis kann die Volksbank Trier nach Steuern 1,75 Millionen Euro für sich verbuchen. Da die erhöhten Eigenmittelanforderungen vollumfänglich erfüllt werden konnten, plant der Vorstand, dem Aufsichtsrat – wie in den Vorjahren – eine Dividende in Höhe von vier Prozent vorzuschlagen. Das deutliche Wachstum im Kredit- und Anlagengeschäft lasse gute operative Entwicklungen in allen Regionaldirektionen und Geschäftsfeldern erkennen.

Die Hände zufrieden in den Schoß legen, will man aber nicht. “Die Volksbank hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kundenwege zur Bank zu optimieren und diese auf die Bedürfnisse der Kunden anzupassen”, sagt Jochem. Als Beispiel dafür benennt der den Aufbau eines medialen Vertriebs: “Da die Kunden verstärkt online mit uns kommunizieren, bieten wir zum Beispiel eine Online-Terminvereinbarung oder Video-Beratungen an und nutzen auch WhatsApp Messenger-Dienste für unsere Zwecke.”

Auch das Thema “Datenklau” kam zur Sprache, hier aber sei man sehr gut gerüstet, betonten die Vorstände. Erfreulich sei, dass die Zahl der elektronischen Bankgeschäfte nicht ab-, sondern zugenommen habe. “Zurückgegangen ist dagegen der Bargeldverkehr.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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