Gandhi und das Auguste-Viktoria-Gymnasium

Zusammen mit Botschafterin Mukta Dutta Tomar enthüllt Oberbürgermeister Wolfram Leibe die überlebensgroße Büste von Mahatma Gandhi. Fotos: Clemens Sarholz

TRIER. Für eine Büste ist sie groß, genau 1,06 Meter. Und schwer: gut 300 Kilo bringt sie auf die Waage. Und nicht zu vergessen breitschultrig: 68 Zentimeter misst sie in der Breite. Seit Donnerstag, 13. Dezember, weht der Geist von Mahatma Mohandas Karamchand Gandhi nun auch ganz offiziell in Trier. Dank eines Geschenks der indischen Botschaft an die Stadt Trier. Aufgestellt wurde die vom indischen Künstler Ram Vanji Suthar geschaffene Büste im Innenhof des Auguste-Viktoria-Gymnasiums (AVG) in der Flanderstraße.

Von Clemens Sarholz

Am Donnerstag enthüllte Oberbürgermeister Wolfgang Leibe gemeinsam mit der indischen Botschafterin Mukta Dutta Tomar das angekündigte Geschenk der indischen Botschaft: Eine Büste Gandhis, die den “geistig hochstehenden Menschen” − so die Übersetzung für das Wort Mahatma − naturalistisch darstellt. Sie zeigt Gandhi mit geschlossenen Augen, friedlich, entspanntem Gesichtsausdruck und seinen großen Ohren. Für Botschafterin Mukta Dutta Tomar ist Ghandi eine Vaterfigur der indischen Nation. “Er kann auch für Trier eine Leitfigur sein“, sagt sie.

Ghandi selbst würde seine Büste in Trier wohl belächeln, mutmaßt Leibes Amtsvorgänger, der heutige Luxemburger Honorarkonsul Klaus Jensen. Gandhi sei kein Mensch gewesen, der in sich selbst ein Idealbild gesehen habe. Jensen hält die Festtagsrede zur Enthüllung der Gandhi-Büste. Im Sinne des Führers der indischen Unabhängigkeitsbewegung spricht sich der Initiator der Arbeitsgemeinschaft Frieden für gewaltfreie Konfliktlösungen und den Frieden aus. Und schlägt den Bogen zur Neuzeit, indem er den Kauf von großen, protzigen Geländewagen anprangert, “die einen hohen Schadstoffausstoß haben“. Ganz im Sinne Gandhis: “Gandhi würde zum Mahner und Aktivisten gegen diesen Krieg der Menschen gegen sich selbst.“

Nachdem sich die indische Botschafterin Mukta Dutta Tomar ins Goldene Buch der Stadt Trier eingetragen hat, stellt sie sich zusammen mit dem Stadtvorstand und Festgästen den Fotografen.

Symbol für Frieden und Gewaltfreiheit

Der indische Nationalheld erreichte mit seiner Idee des gewaltfreien Widerstandes 1947 die Unabhängigkeit Indiens und das Ende der britischen Kolonialherrschaft. Ein Jahr später wurde er von einem fanatischen Hindu erschossen. Kaum ein Mensch verkörpert Gewaltfreiheit so wie Mahatma Gandhi. Deswegen ist die Büste für Oberbürgermeister Wolfram Leibe ein “Symbol für Frieden und Gewaltfreiheit“, und ein Zeichen für den internationalen Dialog. Bleibt aber die Frage: Was hat das mit dem AVG zu tun?

“Das Aufstellen der Statue ist nur eine Ergänzung dessen, was im Geiste Gandhis an unserer Schule läuft“, sagt Timo Breitbach, Schulleiter des AVG. Die Schule führt eine Partnerschaft mit Indien. Seit 1998 unterstützt sie die St. Anthony’s School in Cowdalli, einem Dorf in Indien. Außerdem hilft die Schule beim Bau von Geburtshäusern und beim Kauf von Milchkühen. Im Jahr 2017 förderte die Partnerschaft Projekte mit knapp 60.000 Euro.
“Als Unesco-Projekt-Schule haben wir jedoch nicht nur einen Bezug zu Indien und zu Gandhi“, erzählt der Schulleiter. Menschenrechte, Frieden, Globale Entwicklung, Umwelt, Interkulturalität, Umwelterziehung seien Themen, die den Schülern nicht aufgestülpt werden müssten. Vieles komme aus der Schülerschaft selbst.

Fynn Marz ist Schüler des AVG und war dieses Jahr auf Begegnungsreise in Indien. Er stützt die Aussage des Schulleiters: “Ich bin gespannt, ob die Statue eine Wirkung hat. Ich hoffe es animiert die Leute sich mal mit Indien, dem CO2 Fußabdruck und Gandhi auseinanderzusetzen.“ Außerdem sei es von Bedeutung zu reisen, und zwar so, dass es unmöglich werde, wegzuschauen, und dass man gar nicht mehr vermeiden könne, sich mit den Ärmsten in unserer Gesellschaft zu identifizieren, ist sein klares Credo für die internationale Verständigung.

In Hannover steht eine nahezu identische Gandhibüste vom Künstler Ram Vanji Suthar. Er baute in Indien auch die “Statue der Einheit“. Sie zeigt Vallabhbhai Patel und ist mit 182 Metern die höchste Statue der Welt. Patel war ein enger Mitstreiter Gandhis.


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Erstellt am Autor Clemens Sarholz in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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