Gläubiger Thomas

Thomas Egger erklärt seinen Eintritt in die SPD auch als Bekenntnis zur Politik von Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Thomas Egger erklärt seinen Eintritt in die SPD auch als Bekenntnis zur Politik von Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

TRIER. Triers Kulturdezernent Thomas Egger ist der SPD beigetreten. Der ehemalige Freidemokrat, der die FDP Ende April 2013 verließ, begründet den Schritt damit, dass er sich in den vergangenen Jahren “mehr und mehr mit den Trierer Sozialdemokraten identifiziert” habe. Ferner sei sein Eintritt in die SPD auch ein klares Bekenntnis zur Arbeit von Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Das erklärt Egger in einer Pressemitteilung der SPD Trier. Triers SPD-Chef Sven Teuber sieht den Beitritt Eggers als “Bestätigung sozialdemokratischer Tradition und Arbeit”.

Er hat lange gebraucht – für manche Beobachter der politischen Szene sogar viel zu lange. Nicht nur hinter vorgehaltener Hand war in den letzten gut zwei Jahren immer wieder der Vorwurf zu hören gewesen, Egger sei ein Zauderer. Denn politisch wurde der gebürtige Ludwigshafener auch zu seiner Zeit in der FDP stets auf dem sozialliberalen Flügel der Partei verortet. Im Mai vergangenen Jahres – nach der Kommunalwahl – analysierte der reporter, dass auch Egger sich demnächst werde entscheiden müssen. Das Scheitern der Bündnisverhandlungen zwischen CDU und SPD komplizierte indes auch die Situation für den Dezernenten. Schließlich fand Egger auch Gemeinsamkeiten mit der Union. Nicht wenige Christdemokraten hätten den Pfälzer gerne in ihren Reihen gesehen.

Doch die politischen Ränkespiele der ehemaligen CDU-Vordenker Bernhard Kaster und Dr. Ulrich Dempfle vor und auch nach der OB-Wahl von Oktober 2014, als CDU-Frau Hiltrud Zock überraschend dem Sozialdemokraten Wolfram Leibe unterlag, ließen Egger mehr denn je daran zweifeln, seine neue politische Heimat in der Union finden zu können. Das war auf den Rathaus-Fluren ein offenes Geheimnis. Kaster ist seit März Geschichte, Dempfle seit dem 1. August, und aus dem zaudernden Egger ist nun ein gläubiger Thomas geworden, der seinen Schritt in die SPD vor allem mit seiner hohen Identifikation mit den hiesigen Sozialdemokraten begründet.

"Bestätigung sozialdemokratischer Tradition und Arbeit", sagt SPD-Chef Sven Teuber.

“Bestätigung sozialdemokratischer Tradition und Arbeit”, sagt SPD-Chef Sven Teuber.

“Die Arbeit der Trierer SPD verfolge ich nun schon seit Jahren und konnte mich mehr und mehr mit ihr identifizieren. Dass ich nun eintrete, ist auch ein klares Statement für Malu Dreyer als Landtagsabgeordnete und Ministerpräsidentin. Ich finde es für Rheinland-Pfalz, aber auch für Trier wichtig, dass sie ihre erfolgreiche Arbeit in Mainz fortsetzen kann. Dafür werde ich als Genosse in den nächsten Monaten gerne mitkämpfen”, wird Egger in der Presseerklärung der Trierer SPD zitiert. “Sachpolitik und Entschlossenheit zeichnen im großen Maß die Arbeit der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Trier aus. In ein solches Team möchte ich mich gerne einbringen, um für unsere Stadt erfolgreich Politik auch im Namen der SPD mitzugestalten”, führt Egger demnach ferner aus.

Der Trierer Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, Sven Teuber, sieht den Eintritt als Bestätigung sozialdemokratischer Tradition und Arbeit: “Thomas Egger ist ein aus etlichen Jahren politischer Arbeit in und für Trier geschätzter Kollege und bekannte sich immer zu einer sozialliberalen Politik. Die SPD hat nicht erst seit den 70er Jahren im Bund oder den vielen erfolgreichen Regierungsjahren in Rheinland-Pfalz eine Tradition sozialliberaler Politik. Ich freue mich daher sehr, dass Thomas Egger sich für unsere Partei entschieden hat, da er uns als Mensch und Politiker bereichern wird.” Der Eintritt eines amtierenden Beigeordneten des Stadtvorstandes der Stadt Trier sei ein Novum, so Teuber, trotz der inzwischen 125-jährigen Parteigeschichte der SPD als älteste Partei in der ältesten Stadt Deutschlands. (tr/et)

Kommentar – Lieber schweigen!

Der Vorwurf kann Thomas Egger nicht erspart bleiben: Er hätte sich viel früher entscheiden müssen. Denn im politischen Geschäft gibt es keine Schamfrist und auch keine vorgeschriebene Trauerzeit, in der Demut gefordert ist. Etwas anderes zu behaupten, ist verbaler und grober Unfug. Die FDP der Westerwelles und Röslers war schon lange vor Eggers Austritt nicht mehr die Heimat des gebürtigen Pfälzers. Der Wechsel eines Politikers unmittelbar nach Ende seines Mandats als Lobbyist in die Wirtschaft wird meist kritiklos hingenommen. Wechselt aber ein Politiker von einem Tag auf den anderen die Partei, ist der Aufschrei meist groß. Dann wird gerne deutsch-typisch von Fahnenflucht gesprochen, von fehlender Überzeugung oder auch von einer jähen Kehrtwende. Dabei wäre doch Ersteres heftig zu kritisieren, Letzteres indes bedingungslos zu begrüßen, sofern besagte Partei eben nicht mehr als Heimat angesehen werden kann. Eggers Beitritt zur SPD ist von daher konsequent, wenn auch deutlich zu spät erfolgt.

Zugegeben: Auch in der CDU existiert ein sozialer Flügel. Von daher dürfte Egger mit sich gerungen haben. Offerten gegenüber dem Kulturdezernenten, das christdemokratische Parteibuch zu bestellen, waren vorhanden. Doch spätestens seit dem Mai des vergangenen Jahres wuchsen die Zweifel in Egger, in der Trierer Union eine neue politische Heimat zu finden. Denn Ränkespiele à la Kaster und Dempfle vor und nach der OB-Wahl sind Eggers Ding nicht. Der eloquente Jurist gehört zur kleinen Minderheit jener Politiker, für die Ehrlichkeit nicht nur ein Lippenbekenntnis im Wahlkampf ist. In der oft mangelhaften Kommunikation zwischen Rathaus und Bürgern wirkt dies manchmal so, als habe Egger sich verrannt. In Wahrheit steht er persönlich zu seinen Überzeugungen – etwa bei der Zukunft des Theaters, beim Kulturleitbild oder auch beim Neubau der Hauptfeuerwache. Dass Egger sich hin und wieder den politischen Mehrheitsverhältnissen beugen muss, wird dann fälschlicherweise als Fehler in seiner Politik interpretiert. Von der Richtigkeit seiner Prämissen bleibt er allerdings stets überzeugt.

Der Kommentar.

Der Kommentar.

Leben muss der neue Genosse nun jedoch damit, dass ihm der Eintritt in die SPD als taktisches Manöver vor der Landtagswahl ausgelegt wird. Dabei ist dieser Vorwurf nicht nur haltlos, sondern geradezu abstrus. Egger war schon immer ein Sozialliberaler. Davon abgesehen, kommt sein Schritt zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht zufällig. Denn als Kulturdezernent bekennt Egger sich unter anderem zu den Veränderungen am Trierer Theater. Die CDU hingegen steht hier auf der Bremse, die SPD auf dem Gaspedal. Der Schritt des obersten Kulturhüters ins rote Lager ist somit auch ein deutliches Signal an die konservativen Kräfte in der Stadt, die den Umstrukturierungen überaus skeptisch gegenüberstehen. Wie Cortes, der bei der Ankunft in der Neuen Welt seine Schiffe verbrannte, hat Egger nun deutlich gemacht: Es gibt kein Zurück mehr!

Dagegen wirken die jüngsten Rundumschläge der CDU wenig souverän. Den medialen Äußerungen des neuen Partei- und Fraktionsvorsitzenden Udo Köhler klebt das Etikett der beleidigten Provinzleberwurst an. Sicher ist Köhler als Architekt bestens mit den Sätzen des Pythagoras oder von Euklid vertraut. In diesem speziellen Fall wäre jedoch ein Blick zu Boëthius hilfreich gewesen: Hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben! Denn erstens steht es der Union nach all den politischen Ränkespielen, Unwahrheiten gegenüber der Öffentlichkeit, den falschen Ankündigungen seit dem Mai vergangenen Jahres und den taktischen Zügen – Schwarz-Grün im Stadtrat – im Hinblick auf die kommende Landtagswahl nicht zu, nun gegen Egger und die SPD zu moralisieren. Wer im Glashaus sitzt, sollte bekanntlich nicht mit Steinen werfen!

Zweitens wäre es aberwitzig, würde Egger sich als Neu-Genosse nicht zur Politik von Ministerpräsidentin Malu Dreyer bekennen – so wie sich CDU-Baudezernent Andreas Ludwig spätestens im Wahlkampf zur Politik von Dreyers Herausforderin Julia Klöckner bekennen wird. Das ist nicht nur legitim, sondern auch das gute Recht beider Dezernenten. Schließlich sind die Stellen im Stadtvorstand politische Posten. Und die Union hievte Ludwig nicht zuletzt aus politischen Gründen auf den Dezernentensessel.

Der inzwischen konstruktiven Arbeit im städtischen Leitungsgremium unter der Regie des zweiten Sozialdemokraten wird Eggers Eintritt in die SPD keinen Abbruch tun. Dafür wird Oberbürgermeister Wolfram Leibe schon sorgen. Was der hiesigen CDU sicher gegen den Strich geht, ist, dass nun zwei Genossen den Stadtvorstand dominieren. Doch das hat die Trierer Union sich selbst zuzuschreiben. Denn schließlich war sie es, die Egger nach dem erhofften Wahlsieg von Hiltrud Zock und im Bündnis mit den Grünen als Beigeordneten quasi kaltstellen wollte – als Dezernent auf Abruf und mit den ungeliebten Ämtern betraut.

Nicht Boëthius, aber Volksmund: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt manchmal eben selbst hinein. Aus dieser heraus aber nun verbal zu keilen, ist einfach nur billig. (et)

Zur Person

Thomas Egger (Jahrgang 1969) stammt aus Ludwigshafen am Rhein. Zum Jurastudium kam er nach Trier. 1998 ließ er sich als Anwalt in Trier nieder. 2004 zog Egger für die FDP in den Stadtrat ein. Nach der Kommunalwahl von 2009 war der Mann aus der Chemiestadt einer der Architekten des Ampelbündnisses aus SPD, Grünen und FDP. 2010 wurde Egger vom Rat zum Dezernenten für Wirtschaft, Tourismus, Kultur, Sicherheit und Ordnung gewählt. Das Ende des Ampelbündnisses, in dessen Zeit auch Angelika Birk (Grüne) auf den Dezernentenposten gelangte, konnte allerdings auch Egger nicht verhindern. Seinen Austritt aus der FDP im April 2013 begründete der ehemalige Chef der Trierer Liberalen vor allem mit dem neoliberalen Wirtschaftskurs der Partei auf Bundesebene. Egger hatte sich stets als Sozialliberaler verstanden. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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