Globus: Gutachten des Handelsverbandes stimmt so nicht

Seit der Umfirmierung von Hela auf Globus ist das Logo des saarländischen Unternehmens auch in Trier vertreten. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Unter der Überschrift “Handel im Wandel – Globus-Ansiedlung in Trier?“ lädt die CDU Trier am Montag, 25. März, um 19.30 Uhr zu einer Podiumsdiskussion ins Kasino am Kornmarkt ein. Ging es beim ersten Gespräch im August 2018 noch um potenzielle Chancen und Risiken einer Ansiedlung des Globus-Warenhauses in der Eurener Flur, will nun Professor Bernhard Swoboda, der bereits Teilnehmer der ersten Podiumsdiskussion war, in einem Impulsvortrag die wesentlichen Aussagen der vorliegenden Gutachten gegenüberstellen und erläutern. Ein Vertreter von Globus  wird nicht dabei sein. Das saarländische Unternehmen begründet das unter anderem mit der sehr kurzfristig eingegangenen Einladung zum Gespräch. Für Gesprächsstoff wird dabei sicherlich die aktuelle Stellungnahme der Saarländer sorgen, die sich auf eine Stellungnahme der CIMA Beratung + Management GmbH stützt. Diese ist zu dem Schluss gekommen, dass das Gegengutachten des Handelsverbandes das Einzugsgebiet von Globus in Trier deutlich zu klein fasst. Für Globus sei dieser Aspekt jedoch von zentraler Bedeutung, da in der Folge “Umsatzanteile, die Globus verstärkt aus dem Trierer Umland und Luxemburg generieren wird, zu niedrig eingeschätzt werden und die daraus resultierenden Umverteilungsquoten gegenüber dem Bestand in der Stadt Trier höher ausfallen, als es tatsächlich der Fall sein wird”, so eine Unternehmenssprecherin.

Das Gegengutachten des Handelsverbandes der Dr. Lademann & Partner GmbH fasse das Einzugsgebiet von Globus deutlich zu klein, zu diesem Schluss kommt die CIMA Beratung + Management GmbH nach einer ersten fachlichen Prüfung. Dieser Aspekt sei jedoch von zentraler Bedeutung, da in der Folge Umsatzanteile, die Globus verstärkt aus dem Trierer Umland und Luxemburg generieren wird, zu niedrig eingeschätzt würden und die daraus resultierenden Umverteilungsquoten gegenüber dem Bestand in der Stadt Trier höher ausfielen, als es tatsächlich der Fall sein werde.

Losheim zeigt, dass Trierer Kunden weite Anfahrten in Kauf nehmen

“Bereits die unmittelbar an Trier angrenzende Kommune Schweich wird im Gutachten des Handelsverbandes nicht mehr vollständig ins Einzugsgebiet aufgenommen”, erläutert Stefan Ewerling, Leiter Standortplanung bei Globus. “Bei unserem einzigartigen Handelsformat muss aber von einem weitaus größeren Einzugsgebiet ausgegangen werden, dies können wir eindeutig anhand unserer bestehenden Standorte nachweisen. Beispiele dafür finden sich etwa in unserem Markt in Saarbrücken-Güdingen, in dem wir etwa 30 Prozent französische Kunden begrüßen, die bis zu 40 Kilometer zu uns zurück legen, und im Globus-Markt im bayerischen Freilassing, dessen Einzugsgebiet bis über die Grenze nach Salzburg reicht. Nicht zuletzt zeigt die Situation im Losheimer Markt deutlich auf, dass unsere Kunden einen weitaus längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen als von Dr. Lademann & Partner angenommen − dort kaufen nämlich bereits heute viele Trierer ein, und das, obwohl der Markt fast 40 Kilometer von Trier entfernt liegt.” Aufgrund des im Gutachten des Handelsverbandes deutlich zu eng gefassten Einzugsgebietes komme es zu einer deutlichen Überhöhung der wettbewerbsbezogenen und städtebaulichen Auswirkungen des geplanten Globus-Marktes. Auch in der aktuellen Einzelhandelskonzeption 2025+ der Stadt Trier sei ein deutlich größerer deutscher Verflechtungsbereich erfasst worde.

“Gleichzeitig möchten wir betonen, dass das Gutachten des Handelsverbandes im Bereich der  zentrenrelevanten Nonfood-Sortimente, damit sind etwa Bekleidung, Schuhe oder Haushaltswaren gemeint, ebenfalls zu dem Ergebnis kommt, dass mit der Ansiedlung von Globus keine schädigenden Auswirkungen auf die Trierer Innenstadt zu erwarten sind”, so Stefan Ewerling.

Podiumsdiskussion der CDU-Stadtratsfraktion am kommenden Montag

Am Montag, 25. März, veranstaltet die CDU-Stadtratsfraktion Trier zum wiederholten Mal eine Podiumsdiskussion das Globus-Ansiedlungsprojekt in Trier-Euren betreffend. Ein Vertreter von Globus wird, nicht nur aufgrund der sehr kurzfristigen Einladung, an der Diskussion nicht teilnehmen. “Wir sind davon überzeugt, dass in den letzten Wochen und Monaten eine intensive und vor allem umfassende Auseinandersetzung mit den Argumenten für oder gegen die Aufnahme des jetzt anstehenden Raumordnungs- und Zielabweichungsverfahren stattgefunden hat”, erläutert Stefan Ewerling die Entscheidung. “Insbesondere die Diskussionsveranstaltung der IHK am 22. Januar diesen Jahres sowie unsere Vorstellung des Verträglichkeitsgutachtens der CIMA im November 2018 boten Gelegenheit zur ausführlichen Debatte. Die Frage, ob ein Raumordnungsverfahren eingeleitet werden soll, ist daher entscheidungsreif. Auch der Stadtvorstand hat bereits Anfang Dezember beschlossen, in die differenzierte Prüfung des Standortes einzusteigen. Wir hoffen daher, dass die jetzt anstehenden Verfahren in der April-Sitzung des Stadtrates eingeleitet werden.”

Denn im nächsten Schritt gehe es lediglich um die Entscheidung, ob der Trierer Stadtrat die zuständige Landesplanungsbehörde mit der zwingend notwendigen, ergebnisoffenen Prüfung des Ansiedlungsprojektes, d.h. der Einleitung eines Raumordnungs- und Zielabweichungsverfahrens, beauftrage. Erst auf Basis der daraus gewonnenen Erkenntnisse könne eine sachorientierte Fortsetzung des Diskurses stattfinden und der Stadtrat seine Entscheidung für oder gegen eine Ansiedlung treffen. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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