GLOBUS: Nichts Genaues weiß man nicht

GLOBUS-Repräsentant Stefan Ewerling (Mitte) wirbt auch bei der IHK-Gesprächsrunde um Sachlichkeit und Zustimmung. Seine Argumentation verfolgen Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Moderator Thomas Roth, Buchhändler Georg Stephanus und Fleischermeister Werner Schmitt. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Am Dienstagabend drehte sich die Trierer Welt erneut um den GLOBUS. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier hatte an diesem Abend Interessenten und Beteiligte zu einem Gespräch in ihr Tagungszentrum eingeladen. Eine Einladung, der gut 130 Personen Folge leisteten. Den Fragen von Moderator Thomas Roth stellten sich der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der Buchhändler und IHK-Handelsausschussvorsitzende Georg Stephanus, der Obermeister der Fleischerinnung Trier-Saarburg, Manfred Schmitt, und Stefan Ewerling als Expansionsleiter von Globus.

Für den reporter war Rolf Lorig im Saal dabei.

Die Rolle des Gastgebers machte Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer gleich zu Beginn klar. Die intensive Diskussion um das Thema interessiere natürlich auch eine Wirtschaftsorganisation wie die IHK. Dennoch sehe man sich als Vertreter öffentlicher Belange nicht als primärer Interessenvertreter einer bestimmten Branche. Vielmehr sei man der Neutralität verpflichtet und prüfe zur Abwehr von möglichen Gefahren lediglich, ob bestimmte und für Alle geltende Vorgaben auch eingehalten würden. Allerdings verhehlte Glockauer nicht, dass der Handelsausschuss im vorliegenden Fall zu einer kritischen Bewertung gekommen sei. Jedoch gebe es auch andere Stimmen aus dem Kreis der Mitgliedsbetriebe. Die Befürworter erhoffen sich den Worten des Hauptgeschäftsführers zufolge eine Stärkung des Oberzentrums als Handelsstandort und zudem deutlich mehr Kunden aus Luxemburg.


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Der Neutralität verpflichtet sieht sich ebenfalls Oberbürgermeister Wolfram Leibe, der in seinem Statement deutlich machte, dass er sich bis zur Klärung aller noch offenen Fragen nicht positionieren wolle, ob die Stadt GLOBUS nun brauche oder nicht. Deshalb werde der Sachverhalt nun zunächst von der SGD Nord geprüft. Das sei eine “staubtrockene” Angelegenheit, bei der lediglich Fakten eine Rolle spielten. Im zweiten Aufschlag sei dann der Stadtrat gefordert. Das sei in einem Rechtsstaat so üblich und diesem Weg werde man auch folgen.

Dass das saarländische Unternehmen sich in Trier ansiedeln wolle, könne er als Stadtoberhaupt nachvollziehen: “Trier ist eine attraktive Stadt, und wir haben eine Kaufkraft, die landesweit wahrgenommen wird.” Es gebe andere Städte, “wo niemand finanzieren will”.

Zusammen mit IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer (vorne rechts) verfolgen rund 130 Interessenten den Gesprächsabend im Tagungszentrum der IHK.

“60 Mio. Umsatz liegen nicht auf der Straße”

Der Trierer Buchhändler Georg Stephanus machte gleich zu Beginn deutlich, dass er zu den Gegnern einer GLOBUS-Ansiedlung gehört. Der IHK-Handelsausschussvorsitzende befürchtet negative Auswirkungen auf die Innenstadt: “Der von GLOBUS angepeilte Umsatz von 60 Millionen Euro liegt nicht einfach so auf der Straße; das ist ein Volumen, das den bereits vorhandenen Betrieben weggenommen wird.”

Besonders betroffen sieht Stephanus den Lebensmittelhandel links der Mosel, wo man mit Umsatzeinbußen von bis zu 25 Prozent rechnen müsse. Dazu komme, dass auch die Innenstadt, die schon heute unter der Online-Konkurrenz zu leiden habe, durch eine mögliche Ansiedlung “auf der grünen Wiese” bedroht werde. Und auch das gesamte Oberzentrum könne Schaden nehmen. Eine Warnung richtete der Buchhändler an die anwesenden Mitglieder des Stadtvorstands und des Stadtrates: “Wenn wir nicht aufpassen, wird sich das Leben in der Innenstadt dergestalt verändern, dass hier nur noch Gastronomie oder Ein-Euro-Läden anzutreffen sind.”

Am Ende vergallopierte sich der Unternehmer dann doch ein wenig in seinem Eifer: Wenn GLOBUS sich in einem der Gebäude von Kaufhof oder Karstadt ansiedeln wolle, hätte das Unternehmen Gelegenheit, sich aktiv am Erhalt der Innenstadt zu beteiligen. Was bei den Anwesenden dann aber für ein belustigtes Schmunzeln sorgte, denn keines der genannten Häuser steht zur Disposition.

Im Eifer über das Ziel hinausschießen, das ist menschlich. Das passierte auch dem Obermeister der Fleischer-Innung Trier-Saarburg, Manfred Schmitt. Dass er seinen Berufsstand ausgezeichnet in solchen Runden vertreten kann, stellte er bei den Gesprächen eigentlich durchlaufend unter Beweis. Sein Tenor war die Sorge um die Fachkräfte. Schon heute gebe es bei den Mitgliedsbeträgen personelle Engpässe und eine stattliche Zahl an freien Stellen. Ein Unternehmen wie GLOBUS werde die Situation weiter verschärfen und könne sich für einige Unternehmen als zukunftsbedrohend auswirken. Im direkten GLOBUS-Umfeld, dessen ist Schmitt sich sicher, werde es alle Betriebe treffen. Der Blick in das Umfeld bereits bestehender GLOBUS-Märkte zeige, dass dort im Schnitt drei bis vier Betriebe hätten aufgeben müssen, weil sie keine Mitarbeiter mehr gefunden hätten.

Und dann vergallopierte sich auch Schmitt, als der Einwand von Moderator Thomas Roth kam, dass sich jeder Betrieb dem Wettbewerb stellen müsse: Ja, das tue man auch, sagte er und führte an, dass einige Betriebe ihren Auszubildenden den Führerschein bezahlen, wenn sie gute Prüfungsergebnisse haben (Anm. d. Red.: Dazu gehört nach reporter-Informationen auch der Betrieb von Manfred Schmitt), dass sie ihrem Fachpersonal Autos zur Verfügung stellen, und ein Betrieb habe sogar für seine Mitarbeiter ein eigenes Schwimmbad gebaut. Zwar wollte das niemand direkt in Zweifel ziehen, allerdings sorgten die letzten beiden Punkte dann doch für eine gewisse Heiterkeit im Saal.

Gut 20 Fragesteller meldeten sich über ihr Smartphone oder – wie hier Richard Leuckefeld – analog über das Mikrophon.

Einzelhandelskonzept lässt neue Betriebsformen zu

Moderator Thomas Roth, der souverän durch das Gespräch führte, zeigte sich überrascht, dass die CIMA, die maßgeblich am derzeitigen Einzelhandelskonzept beteiligt war, keine Auswirkung in ihrem eigenen, von GLOBUS beauftragten Gutachten, befürchtet. Und da CIMA-Gesellschafter Jürgen Lein ebenfalls im Raum war, lud Roth den Berater kurzerhand ebenfalls in die Runde ein. Obwohl die CIMA sich beim Einzelhandelskonzept der Stadt Trier gegen weitere größere Ansiedlungen ausgesprochen habe, sehe man nun in dem von GLOBUS in Auftrag gegebenen Gutachten keine Probleme. Wie das möglich sei und was sich denn geändert habe, wollte Roth wissen.

Der Argumentation Roths wollte Jürgen Lein so nicht folgen. Im Gegenteil, das Einzelhandelskonzept der Stadt Trier öffne neuen Betriebsformen durchaus die Tür, lautete die Antwort. Und eine solche neue Betriebsform sei im Fall des saarländischen Unternehmens durchaus gegeben. GLOBUS bringe neue Leistungen nach Trier, die es so zuvor in dieser Stadt noch nicht gegeben habe. Zwar führe auch das zu Umverteilungseffekten, doch die habe es zuvor schon gegeben.

Und wie steht GLOBUS nun selbst zur Sache? Da gibt es, wenig erstaunlich, kaum etwas Neues zu berichten. Expansionsleiter Stefan Ewerling wurde nicht müde, die ins Feld geführten Argumente zu entkräften. Wie schon bei der Bekanntgabe des eigenen Gutachtens im November setzte Ewerling auf Ruhe und Sachlichkeit. Allerdings wurde auch deutlich, dass die sich ständig wiederholenden Contra-Argumente bei der Führungskraft ihre Spuren hinterlassen haben. Dennoch warb Ewerling unermüdlich um Zustimmung, zeichnete ein positives Bild der Ansiedlung, dem man sich nur schwer entziehen konnte.

Am Ende war dann eines klar: Nichts Genaues weiß man nicht. Am heutigen Nachmittag wird die Stadt Trier ihr Gutachten vorstellen. Nach Informationen des reporters aber werden sich auch darin keine neuen Gesichtspunkte finden. Also heißt es einmal mehr: zurücklehnen und Tee trinken. Es wird in der nächsten Zukunft noch eine Reihe von Gutachten und Diskussionen über deren Inhalt geben, das ist sicher. Das Thema GLOBUS wird die Region noch über eine längere Zeit beschäftigen. Und damit wird sich die Trierer Welt auch noch eine gewisse Zeit weiter um den GLOBUS drehen …


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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