Grabsteine auf dem Hauptfriedhof beschmiert

Betroffen untersucht Andreas Ludwig einen der beschmierten Grabsteine. Fotos: Rolf Lorig

Betroffen untersucht Andreas Ludwig einen der beschmierten Grabsteine. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Auf dem Hauptfriedhof wurden in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch 28 Einzelgräber und vier Stelen auf einer Anlage mit Urnen- und Baumgräbern geschändet. Die Polizei hat ihre Ermittlungen aufgenommen.

Karin B. traut ihren Augen nicht. Sie wollte das Grab ihres verstorbenen Mannes besuchen, frische Blumen in die Vase stellen. Fassungslos schaut sie nun auf den Grabstein: Unbekannte haben in der Nacht den Namen des Verstorbenen mit roter Farbe besprüht. Kein Einzelfall sondern ein Fall von vielen an diesem Tag.

Andreas Ludwig ist erschüttert und entsetzt. Seinen ersten Arbeitstag nach dem Urlaub hatte er sich noch wenige Stunden zuvor anders vorgestellt. Bei einer Routinekontrolle haben am Morgen Arbeiter des Grünflächenamtes den Schaden entdeckt und sofort dem Rathaus gemeldet. Zusammen mit Franz Kalck, dem Chef des Grünflächenamtes, macht sich Ludwig nun ein Bild von den Schmierereien. Die Polizei war bereits vor Ort, hat mögliche Spuren gesichert. ‟Das ist eine unglaubliche emotionale Schande‟, sagt er leise. Auf eine entsprechende Frage überschlägt Franz Kalck grob die Kosten: ‟Die Farbe wurde aufgesprüht, ist in den Stein eingezogen. Abwaschen kann man die nicht. Da muss schon der Steinmetz ran. Da kommt man schnell auf 1000 Euro und mehr.” Geld, das die Hinterbliebenen zahlen müssen, eine Versicherung gegen Vandalismus-Schäden werden die wenigsten von ihnen besitzen.

Auch diese Christusfigur wurde mit grauer Farbe eingesprüht

Auch diese Christusfigur wurde mit grauer Farbe eingesprüht

Andreas Ludwig schaut sich um und schüttelt ungläubig den Kopf. Seit über 20 Jahren ist er in der Kommunalpolitik in Leitungsfunktionen tätig. Eine Friedhofsschändung in dieser Größenordnung ist ihm noch nicht untergekommen. ‟Der materielle Schaden ist das eine‟, sagt der Dezernent und wischt mit einer Hand über den Stein. ‟Schlimmer aber noch wirkt der immaterielle Schaden. Die Hinterbliebenen pflegen die Gräber und damit das Andenken an ihre Verstorbenen. Die Totenruhe ist den Angehörigen sehr wichtig.”

Der Blick über den Friedhof zeigt: Der oder die Täter sind offensichtlich sehr willkürlich vorgegangen, ein Muster ist nicht zu erkennen. Was auffällt ist, dass überwiegend die Grabsteine von Männern mit Farbe beschmiert wurden. Wobei neben der roten auch graue Farbe eingesetzt wurde.

Etwas weiter befindet sich eine Urnen- und Baumgräberanlage. Auf vier großformatigen Grabsteinen stehen die Namen der hier beigesetzten Menschen. Auch diese Steine sind mit Farbe verschmiert.

Der Name des Verstorbenen ist durch die Sprühfarbe unkenntlich geworden

Der Name des Verstorbenen ist durch die Sprühfarbe unkenntlich geworden

Die Tat müsse sich nach 21 Uhr ereignet haben, sagt der Dezernent. Denn nach 21 Uhr gibt es auf dem Hauptfriedhof keinen Publikumsverkehr mehr: ‟Dann werden die Tore verschlossen.” Allerdings sei es kein Problem hier einzudringen, räumt Ludwig ein. ‟Wer hier rein will, geht rasch über die Mauer.” Und stellt die rhetorische Frage: ‟Was können wir tun? Stacheldraht auf den Mauern anbringen? Eine Videoüberwachung wie bei Big Brother installieren? Wollen wir, will unsere Gesellschaft das wirklich?”

Wer die Täter waren, das muss nun die Polizei ermitteln. Karl-Peter Jochem, Pressesprecher der Trierer Polizei, hat dazu klare Fragen: ‟Wer hat in der fraglichen Zeit oder auch schon davor verdächtige Beobachtungen gemacht, die mit der Tat in Verbindung stehen können?

Wer hat auf oder in der Nähe des Hauptfriedhofes verdächtige Personen oder Gegenstände gesehen? Wer kann sonstige Hinweise geben?” Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 0651/9779-3200 entgegen. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Grabsteine auf dem Hauptfriedhof beschmiert

  1. Laserlight

    Ich finde es schade, dass heutzutage vor nichts und niemanden Rücksicht genommen wird. Jeder der eine ordentliche Erziehung genossen hat, sollte einen Friedhof mit einem gewissen Respekt vor den Toten betreten.

     

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