“Haben uns die E-Mobilität auf die Fahne geschrieben“

Sieht in der Nutzung von Elektrofahrzeugen eine Chance für Trier: Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Beide Fotos: Rolf Lorig

Sieht in der Nutzung von Elektrofahrzeugen eine Chance für Trier: Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Beide Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Eine Modellstadt für Elektromobilität im ländlichen Raum soll Trier werden. Das ist die erklärte Absicht einer Veranstaltungsreihe, zu der Oberbürgermeister Wolfram Leibe rund 80 Fachleute aus der Großregion begrüßte. Partner der Reihe sind die Energieagentur Rheinland-Pfalz, die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer sowie die Stadtwerke Trier. Für den fach- und sachkundigen Input sorgten bei der Auftaktveranstaltung unter anderem akademische Referenten aus Bremen, Flensburg und Karlsruhe.

Von Rolf Lorig

Nahezu geräuschlos rollt der Lkw durch die nächtlichen Straßen der Innenstadt. Nur das leise Summen des Antriebs und das Knirschen der Räder sind zu hören. Der Lastwagen hält vor einem Supermarkt und der Fahrer lädt seine Ladung aus. Kaum ein Geräusch dringt zu den Fenstern hoch, hinter denen schlafende Menschen sich für den neuen Arbeitstag regenerieren.

Was hier noch nach Science-Fiktion klingt, könnte in Trier schon bald Wirklichkeit werden. Denn wenn es um das Thema Elektromobilität geht, marschiert Oberbürgermeister Wolfram Leibe ganz vorne mit. “Wir sind aktuell die einzige mittelgroße deutsche Stadt, die sich das Thema Elektromobilität groß auf die Fahne geschrieben hat”, sagt der OB, der auch im innerstädtischen Einsatz im Elektro-Smart unterwegs ist. Gemeinsam mit Stadtentwickler Johannes Weinand ist Leibe in dieser Sache schon eine geraume Weile unterwegs. Keine Frage, das Thema liegt ihm am Herzen. Vor dem Hintergrund des immer größer werdenden Anteils an regenerativer Energie ist er sich sicher, dass kein Weg an der Elektrifizierung des Automobilverkehrs vorbeigeht. “Da die Technik noch nicht die Speicherung großer Mengen an Strom erlaubt, könnten Autos heute eine Rolle übernehmen, die in den 60er Jahren die Nachtspeicheröfen hatten.“ Sprich: Überschüssige regenerativ erzeugte Energie fließt in die Autobatterien und entlastet so die Umwelt.


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Begeistert hat der Oberbürgermeister den Versuch der Stadtwerke verfolgt, die über einen längeren Zeitraum hinweg einen Elektrobus in Trier getestet haben. “Keine Frage, das funktioniert auch in unserer Stadt mit ihren Bergen und Tälern”, freut er sich. Vor dem Hintergrund der Feinstaubbelastung würde er am liebsten nun auch den Cargo-Verkehr so schnell wie möglich auf Elektroantrieb umstellen. Als Wirtschaftsdezernent weiß Leibe, dass dazu aber die Frage der Wirtschaftlichkeit geklärt sein muss. Im Rahmen eines gemeinsam mit Logistikern der Standortregionen Trier und Luxemburg entwickelten E-Stadt-Logistik Projektes soll die Wirtschaftlichkeit im Pool-Betrieb erforscht werden, kündigt Leibe an. Hilfestellung soll hier ein von Weinand entdecktes Förderprogramm des Bundes geben, aus dem man vier Millionen Euro Zuschuss beantragt habe.

Schon heute bietet der Fahrzeughersteller Orten aus Bernkastel-Kues kleine Elektro-Lkw an, die ohne Feinstaubemissionen innerstädtisch eingesetzt werden können.

Schon heute bietet der Fahrzeughersteller Orten aus Bernkastel-Kues kleine Elektro-Lkw an, die ohne Feinstaubemissionen innerstädtisch eingesetzt werden können.

Wenn es nach Leibe und Weinand geht, könnte Trier schon bald ein Paradies für Elektrofahrzeuge werden. Schon heute gebe es bundesweit für den Individualverkehr in öffentlichen Parkhäusern Ladestationen, die zum Teil − wie in Trier − kostenlos genutzt werden können. Das Stadtoberhaupt weiß auch, dass die Zahl dieser Stationen weiter ausgebaut werden muss. So kann sich Weinand problemlos Ladestationen an Laternenmasten und Parkuhren vorstellen.

Was alles vorstellbar und technisch machbar ist, soll nun diese Veranstaltungsreihe klären. Sie wird sich mit den Stellschrauben zur Wirtschaftlichkeit befassen, alternative Mobilitätsformen erarbeiten, über Chancen für öffentliche und private Kooperationen bei einem Mobilitäts- und Flottenmanagement nachdenken und die Chancen und Herausforderungen eines elektrisch betriebenen öffentlichen Nahverkehrs beleuchten. Für den Oberbürgermeister steht eines fest: “Wenn wir als Öffentliche Hand nicht den Schritt nach vorne wagen, wer soll es denn tun?“ (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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