Hat das Weißhaus ab 2017 wieder geöffnet?

Sie arbeiten an der Zukunft des Weisshaus: Objektmanagerin Manuela Wilbert und Baudezernent Andreas Ludwig. Fotos: Rolf Lorig

Sie arbeiten an der Zukunft des Weisshaus: Objektmanagerin Manuela Wilbert und Baudezernent Andreas Ludwig. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Mit etwas Glück hat das Weisshaus in der Person von Andreas Ludwig den Prinzen gefunden, der es nach langem Schlaf wieder wachküssen wird. Denn geht es nach den Vorstellungen des Baudezernenten, könnte schon in der Terrassensaison des kommenden Jahres das Weisshaus wieder geöffnet haben.

Ein Rück- und Ausblick von Rolf Lorig

Über mangelnde Aufgaben und Herausforderungen kann sich Baudezernent Andreas Ludwig wirklich nicht beklagen. Als er vor über einem Jahr nach Trier kam, war die Liste der Aufträge groß: Schulen und Sporthallen mussten in möglichst kurzer Zeit wieder instandgesetzt werden. Und ja, im Hintergrund wartete da noch ein weiteres Projekt auf den gelernten Architekten. Das Weisshaus, ebenfalls Eigentum der Stadt, das wieder einmal in einen Dornröschenschlaf gefallen war.

Rückblick: Man schreibt den 31. Dezember 2014. Für das Pächter-Ehepaar Adamkiewicz endet das Berufsleben. Seit fast 20 Jahren haben sie das Restaurant auf dem roten Sandstein-Felsen mit viel Herzblut bewirtschaftet. Jetzt aber ruft der verdiente Ruhestand. Noch ist man bei der Stadtverwaltung optimistisch, dass es schon bald weitergehen wird. Ein Sprecher der Verwaltung sagt im Gespräch mit dem reporter, vom Verkauf des Weißhauses über die Verpachtung bis hin zur Überlassung in Erbpacht fast alles möglich sei. Auch für Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat der Erhalt des Hauses Priorität. Er weiß aber auch: Wer für den Erhalt des Hauses plädiert, muss sich auch intensive Gedanken über ein funktionierendes Nutzungskonzept machen.

Sanierungen im unteren einstelligen Millionenbereich

Womit nun Andreas Ludwig ins Spiel kommt. Seine ersten Herausforderungen, die Instandsetzung von Schulen und Turnhallen, hat er mit Bravour gemeistert. Jetzt hat er die Zeit, sich dem Weisshaus zuzuwenden. Die Vorarbeit wurde längst vom städtischen Amt für Bodenmanagement und Geoinformation geleistet, dort hat man die Immobilie genauestens angeschaut. Bereits im Mai konnte der reporter berichteten, dass sich die Kosten für die Sanierungen im einstelligen unteren Millionenbereich bewegen werden. Die durch die Fachleute erfolgte Anamnese ergab, dass es im Wesentlichen fünf Punkte sind, die Handlungsbedarf erfordern:

Ein traumhafter Ausblick aus dem Lokal auf die älteste Stadt Deutschlands.

Ein traumhafter Ausblick aus dem Lokal auf die älteste Stadt Deutschlands.

♦ Die gesamte Anlage weist nicht nur Schäden, sondern auch bauzeitbedingte Mängel auf. Dazu gehören auch die hohen Wärmeverluste über den großen Anteil an verglasten Flächen.

♦ Es gibt Witterungsschäden an den Fassaden im Erweiterungsteil. Neben den Verglasungen selbst müssen hier wahrscheinlich auch alle Holzelemente ausgetauscht werden.

♦ Die gesamte Haustechnik muss überholt und in Teilbereichen auch erneuert werden.

♦ Bauteile in Erdnähe weisen in den Altbaubereichen Schäden wegen hoher Feuchtigkeit auf.

♦ Über die Jahre hinweg ist auch der Außenbereich stark in Mitleidenschaft gezogen worden. In den Freianlagen sind die Geländer der Terrassen durch Witterungsschäden instabil. Hier ist die denkmalgerechte Erneuerung notwendig. Die Entwässerung der Zufahrt muss ebenfalls überarbeitet werden. Ferner hat der Pflanzenwuchs Schäden an den Stützmauern verursacht. Auch hier sind denkmalgerechte Instandsetzungen notwendig.

Eine Nachfrage beim städtischen Presseamt ergab, dass es zur Ermittlung der genauen Summen aber einer Feinplanung bedürfe, deren Kosten in Höhe von 59.000 Euro der Bauausschuss zwischenzeitlich einstimmig bewilligt hat.

Wie geht es weiter?

Zur Klärung dieser Frage hatte Baudezernent Andreas Ludwig am Dienstag zu einem Pressetermin in das Weisshaus eingeladen. Der erste Eindruck beim Betreten des Hauses ist positiv. Alles befindet sich zwar in einem gebrauchten, aber guten Zustand. Objektmanagerin Manuela Wilbert von der städtischen Gebäudewirtschaft teilt mit, dass grundsätzliche, zur Sicherung des Gebäudes unabdingbare Arbeiten zwischenzeitlich ausgeführt wurden. Das Dach ist dicht und eine Heizung sorgt im Winter für die Vermeidung von Frostschäden.


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Andreas Ludwig weiß, dass sich ein neuer Betreiber nicht im Handumdrehen finden lässt. Der Architekt weiß auch, welche Kostbarkeit das Weisshaus im Besitz der Stadt ist. Und darum strebt er keine kurzfristige, sondern eine möglichst langfristige Geschäftsbeziehung an. Für Ludwig ist der ideale Pächter um die 30, hat seinen Beruf in der Gastronomie erlernt und besitzt klare betriebswirtschaftliche Vorstellungen sowie ein ebenso nachvollziehbares wie innovatives Geschäftskonzept. Der Dezernent hätte nichts dagegen, wenn sich ein Trierer Gastronom finden würde, der den Ehrgeiz und das Können zur Entwicklung des Weisshauses mitbringt. Aus Erfahrung aber wisse er, dass die Chance größer sei, wenn man sich bundesweit orientiere. Und darum soll der neue Betreiber des Weisshauses nun überregional und möglicherweise auch im benachbarten Ausland gesucht werden. Ein Zehnpunkteplan formuliert dabei das weitere Vorgehen:

♦ Eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe definiert bis Ende September 2016 die Ausschreibungsbedingungen.

♦ Im vierten Quartal 2016 wird das Weisshaus überregional ausgeschrieben. Entscheidend für den Zuschlag sollen die Tragfähigkeit der Konzeption, das Vertrauen in die Kompetenz und ein langer Atem sein.

♦ Die Stadt muss im Frühjahr 2017 die notwenigsten Arbeiten vornehmen, damit die Eröffnung gewährleistet werden kann. Dazu müssen im Rahmen der Unterhaltung Mittel eingesetzt werden, die im Rahmen der Haushaltsplanung bereitgestellt werden.

♦ Dabei sollte das Weisshaus zur Terrassensaison 2017 wieder in Betrieb gehen. Dabei gilt die erste Saison als Testsaison, die zum einen der Stadt Trier zeigt, ob der ausgewählte Betreiber zuverlässig ist. Andererseits kann der Betreiber auch selbst einschätzen, welches Potenzial im Weisshaus steckt und welche Investitionen langfristig notwendig, sinnvoll und verantwortbar sind.

♦ Die Saison 2017 wird pachtfrei gestellt. Allerdings wird vorausgesetzt, dass der Betreiber selbst mit investiert und bei der Stadt eine entsprechende Sicherheits-Kaution hinterlegt.

♦ Auf den Erfahrungen der Testsaison aufbauend wir im Rahmen des Pachtvertrages ein Investitionsprogramm ausgearbeitet. Für die Stadt wird es dabei wichtiger sein, dass die Investition sich selbst trägt als eine möglichst hohe Bar-Pacht zu erzielen.

♦ Damit der Pächter seine Investition bei der Bank finanzieren kann, wird eine Mindestlaufzeit von 25 Jahren angestrebt. Maximal sollte die Laufzeit 33 Jahre betragen. Auch ein Erbbaurecht wäre denkbar.

♦ Das Vergabeverfahren wird von gastronomischen Fachgutachtern begleitet und hinsichtlich der Vergabekriterien und der Auswahl mit der höchstmöglichen Transparenz abgewickelt.

♦ Die bauliche Nutzung konzentriert sich auf den klassizistischen Altbau, den Funktionalbau aus den 80er Jahren, die Orangerie und die Terrasse. Weitere Ergänzungen werden nur unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit, des Denkmalschutzes und des Landschaftsbildes in Betracht gezogen. Hintergrund für diesen Punkt sind in der Vergangenheit geäußerte Überlegungen, dem Restaurant ein Hotel anzugliedern.

♦ Die Erschließung über den bestehenden Forst- und Wirtschaftsweg reicht aus. Ein weiterer Ausbau erscheint nicht angebracht.

Der Eingangsbereich

Der Eingangsbereich.

Eines steht für den Baudezernenten fest: ‟Wir müssen mit Erweiterungen, Ergänzungen und Funktionsänderungen sehr vorsichtig umgehen.” Kein Wunder, ist sich Ludwig doch im klaren, dass auf alle Beteiligten ein ‟fast nicht zu realisierender Spagat zwischen notwendigem Invest, betriebswirtschaftlicher Ausweitung und Rückhalt im äußeren Erscheinungsbild sowie dem unverzichtbaren Schutz des Landschaftsbildes‟ zukommt. Deshalb muss seiner Meinung nach auch die Stadt an dieser sensiblen Stelle die Kontrolle behalten und den Schutz des Kulturgutes und des Landschaftsbildes gewährleisten. Und weil das Thema so sensibel ist, will der Architekt auch nichts überstürzen: ‟Wir werden mit einem unverbindlichen Zeitplan sorgfältig nach einem neuen Betreiber Ausschau halten.”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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