Hebamme Anja Lehnertz bei der Illuminale

Anja Lehnertz kämpft für die Interessen der Hebammen. Foto: Corinna Hansen

TRIER. Wenn es um die Situation der Hebammen geht, führt an Anja Lehnertz kaum ein Weg vorbei. Die Mutter von fünf Kindern ist Hebamme mit Leib und Seele. Deutschlandweit kennt man die Frau, die lange in Trier gelebt hat, seit einer SWR-Dokumentation über den Beruf der Hebammen als ‟Hebamme am Limit‟. Am 29. September stellt sie bei der Illuminale die beleuchtete Skulptur einer Schwangeren vor und präsentiert im Broadway-Kino eine Dokumentation zum Thema.

Warum Anja Lehnertz als ‟Hebamme am Limit‟ gilt, wird schnell deutlich, wenn sie ihr Selbstverständnis artikuliert. ‟Eine Hebammen-Familienbetreuung endet irgendwie nie‟, sagt sie. Die aktuelle berufspolitische Situation der Hebammen in Deutschland bezeichnet sie als ‟prekär‟ und sagt: ‟Der gute Start ins Leben ist keine Normalität mehr.”

Anja Lehnertz ist eine kämpferische Frau, die sich anfangs des Jahres auch schon um das Bürgermeisteramt der Stadt Waldbronn beworben hatte. Die Wahl gewann sie zwar nicht, sie konnte sich nicht gegen den Amtsinhaber durchsetzen. Das aber hindert sie nicht daran, sich unverändert und mit Nachdruck für ihre ursprüngliche Klientel einzusetzen: “Berufspolitik liegt mir sehr am Herzen und die aktuelle Situation der Hebammen lässt mich nicht ruhen zu kämpfen.‟

In Trier konnte Lehnertz mit Hilfe der Politik die Notfallsprechstunde ins Leben rufen. ‟So haben wir es geschafft, auf der kommunalen Ebene Lösungen zu finden‟, erinnert sie sich. Wegen eines Brandes, der 2016 ihr Haus zerstörte, musste Anja Lehnertz dann aber zusammen mit Lebensgefährte und Kindern die Mosel verlassen und wohnt derzeit in Karlsruhe.

Auch wenn sie den Wohnort verändert hat, in ihren Bemühungen zur Verbesserung der Situation der Hebammen hat Anja Lehnertz keinen Millimeter nachgelassen. Mit ihrem jüngsten Projekt kommt sie zurück nach Trier. Genauer gesagt, sie kommt zur Illuminale. Begleitet wird sie dabei von den Künstlern Heike Löwentraut, Sophia Carte und Jürgen Hemberger. Bei der Illuminale stellen sie das Projekt “Kunst trifft Hebamme” vor. Die Künstler haben eine beleuchtete Skulptur zum Thema geschaffen, die vor dem Eingang des Angela Merici-Gymnasiums in der Neustraße zu sehen sein wird.

Am gleichen Tag wird Anja Lehnertz um 16:30 Uhr im Broadway Kino sein, wo in Kooperation mit dem Verein ‟Mother Hood‟ der Dokumentarfilm “Die sichere Geburt – Wozu Hebammen” von Carola Hauck gezeigt wird. Parallel dazu stellen verschiedene Künstler themenbezogene Arbeiten im Kino-Foyer aus. Der Grund für ihre temporäre Rückkehr liegt auf der Hand: ‟ In Trier konnte ich ein Netzwerk aufbauen, auf das ich immer gerne zurückgreife.”

Doch was möchte sie nun mit der Teilnahme an der Illuminale erreichen? Als Antwort verweist die Hebamme zunächst auf den französischen Arzt und Geburtshelfer Michel Odent: ‟Er hat gesagt, es ist nicht egal, wie wir geboren werden. Mit unserem gemeinsamen und einzigartigen Kunstprojekt möchte ich Menschen der Gesellschaft erreichen die sich noch keine Gedanken um die Situation einer Schwangeren/Gebärende gemacht haben und neue Wege gehen, um auf die Missstände in der deutschen Geburtskultur hinzuweisen.” (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft 1 Kommentar

Kommentar zu Hebamme Anja Lehnertz bei der Illuminale

  1. Elke Boné-Leis

    Ich habe gerade die Dokumentation “Hebamme am limit” gesehen und bin so beeindruckt. Ich wünsche alles Glück dieser Welt für Frau Lehnertz und vielleicht treffen wir uns einmal. Gruß aus Trier

     

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