“Hohe Erwartungen an die Kirche”

TRIER. Die Situation der Flüchtlinge im Bistum Trier und die zukünftige Rolle der Priester waren zwei Schwerpunktthemen der Herbsttagung der Bistumsdechanten. Zu der zweitägigen Konferenz waren rund 60 Teilnehmer – Dechanten und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diözesanleitung – ins Robert-Schuman-Haus nach Trier gekommen.

Dr. Hans Günther Ullrich aus dem Bischöflichen Generalvikariat und Rita Schneider-Zuche vom Diözesan-Caritasverband stellten dabei die Maßnahmen vor, die das Bistum Trier ergriffen hat, um den ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Auf sechs Schwerpunktfeldern engagiert sich die katholische Kirche in der Region: Wohnen, Spracherwerb, Integration in den Arbeitsmarkt, soziale Teilhabe, Verfahrensbegleitung und Traumabewältigung. Bistum und Caritasverband stellen nach Bistums-Angaben dafür rund 1,6 Millionen Euro jährlich in den nächsten Jahren zur Verfügung. Die Mittel fließen vor allem in neue Stellen zur Betreuung der Flüchtlinge und zur Koordinierung der zahlreichen Ehrenamtlichen. Im Bistum Trier wirken zwischen 1500 und 2000 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe mit.

Die Erwartungen in der Bevölkerung an die Kirche seien sehr hoch, sagte Ullrich, der die Abteilung Ehrenamt, Bildung und Gesellschaft im Generalvikariat leitet. “Unsere Erfahrung ist, dass die Bevölkerung sehr engagiert mitmacht – auch Menschen, die nicht zu unseren katholischen Kerngemeinden gehören. Jeder einzelne Christ ist momentan gefragt”, so Ullrich. Die größte Gefahr sei jetzt die Ermüdung der Helfer. Die “Dynamik der öffentlichen Diskussion” mit wechselnden politischen Forderungen erschwere die Arbeit insbesondere in der Verfahrensberatung. Ullrich betonte, dass die Kirche durch ihren Einsatz für die Flüchtlinge andere Bedürftige nicht vergesse. Bischof Dr. Stephan Ackermann verdoppelt derzeit jeden Euro, der für die Aktion Arbeit des Bistums gespendet werde.

In einem Studienteil widmeten sich die Dechanten der aktuellen Diskussion über das zukünftige Profil der Pfarrer und aller Priester. Dazu hatte der aus dem Saarland stammende Leiter des Priesterseminars St. Georgen in Frankfurt/M., Dr. Stephan Kessler, in einem Impulsreferat kontroverse Thesen vorgelegt. Der Jesuit sagte, Priester seien “Anwälte der Unterbrechung in der Leistungsgesellschaft” und “Anwälte des Nützlichsten im Leben: Gott”. Ihre Hauptaufgabe sei die Verkündigung des Wortes Gottes und die Sammlung des Volkes Gottes. Andere Leitungsaufgaben seien damit nicht zwingend verbunden. “Priester sollen von Amts wegen den Dank der Menschen für das, was ihnen geschenkt wird, vervielfältigen – insbesondere dort, wo es kein anderer mehr tut oder nicht mehr tun kann, etwa am Ende des Lebens.” Insofern seien Priester Zeichen für Gott als das Gegenüber des Menschen. Die Dechanten diskutierten in Kleingruppen die Thesen Kesslers und konkretisierten dabei einmal mehr ihr eigenes Bild vom Priestersein. In der die Konferenz abschließenden Reflektionsrunde wurde der Studienteil mit Pater Kessler als sehr gelungen hervorgehoben.

Ein Höhepunkt der Bistumsdechantenkonferenz war ein Abendgespräch mit dem am Priesterseminar Lantershofen lehrenden Theologen Prof. Dr. Aloys Buch, einem Teilnehmer der Familiensynode in Rom.

Weihbischof Robert Brahm informierte über das vom Papst ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit, das vom 8. Dezember 2015 bis zum 20. November 2016 geht und unter dem Leitwort “Barmherzig wie der Vater” steht. Es solle auch im Bistum Trier eine lebendige Erfahrung der Nähe Gottes ermöglichen. “Die Gläubigen sollen in diesem Heiligen Jahr gestärkt werden, ihr Zeugnis soll wirksamer werden”, betonte Brahm, der der Bischöfliche Beauftragte in Trier für das Jahr der Barmherzigkeit ist.

Wie in allen Kathedralkirchen weltweit wird dazu auch im Trierer Dom eine Pforte der Barmherzigkeit eröffnet, und zwar am 3. Adventssonntag. Heilige Pforten wird es – zu unterschiedlichen Zeiträumen – im Bistum auch im Urheiligtum Schönstatt, in der Wallfahrtskirche Klausen, in St. Apollinarius Remagen und St. Lutwinus in Mettlach geben. Fünf Schönstatt-Priester werden als “Missionare der Barmherzigkeit” im Bistum wirken. Es wird verstärkte Angebote des Bußsakraments und des seelsorgerlichen Gesprächs geben. Eine Erwachsenen- und eine Jugendwallfahrt nach Rom werden für Pilger angeboten. Eine Übersicht über alle Aktivitäten im Jahr der Barmherzigkeit liefert die Website bistum-trier.de. Dort sind auch weitere Informationen, Hintergründe, ein Glossar und Fragen und Antworten zu finden.

Weitere Themen der Konferenz waren die neue Grundordnung, die Veränderungen im Ehenichtigkeitsverfahren, die Schlüsselzuweisungen für Kirchengemeinden ab dem Jahr 2017 und der Start des neuen Bauverwaltungsmodells für Kindertageseinrichtungen. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen Hinterlasse einen Kommentar

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