Human Rights Now – eine Gefrierbrandlegende

TRIER. Das Bürgertheater präsentiert am 7. Juni um 20 Uhr im Studio seine letzte Produktion unter der Leitung von Marc-Bernhard Gleißner. Zum Ende der Spielzeit wagt das Bürgertheater die Umstürzung der Verhältnisse! In einer Gesellschaft, in der Hass wieder zum gängigen Mittel der politischen Auseinandersetzung geworden ist, in der die Diskriminierung auf Grund von Herkunft, Religion, Geschlecht und Sexualität genutzt wird, um einen gesellschaftlichen Brand auszulösen, fordert der Club Szenenwechsel das Unmögliche: Die absolute und unveränderbare Einsetzung der Menschenrechte im Hier und Jetzt!

Mit Hilfe eines physikalischen Experiments will das Ensemble die Temperatur auf -273,2° Celsius einfrieren. Dem absoluten Nullpunkt der Temperatur, an dem sich kein Teilchen mehr bewegen kann. Dem absoluten, eisigen Stillstand wird eine wütende, überhitzte Gesellschaftsdystopie gegenüber gestellt. Während Temperaturen einfrieren, finden leidenschaftliche Plädoyers der großen Menschenrechtler ein letztes Mal vor dem Gefriertod ihren Auftritt auf der Bühne.

Die Frage nach der Umsetzung von Menschenrechten und deren Einhaltung wurde vom Ensemble Szenenwechsel als Tragödie erarbeitet. Dabei sehen sie die Menschenrechte als Ideal an, das im Alltag zu oft verletzt wird. Als ExpertInnen des Alltags näherten sie sich menschenrechtspolitischen Idolen und deren Forderungen, die für sie und ihr privates Leben wichtig sind. Dazu entwickelten sie Performances, die nicht nur den Umgang mit Menschenrechten kritisieren, sondern auch selbstkritisch die Frage stellen, wo die eigene Verantwortung liegt und was politisches Theater bezwecken kann. Dabei wird die Frage nach der eigenen Verletzlichkeit und gesellschaftlichen Ausgeliefertsein genauso thematisiert, wie die Wut, die unsere ProtagonistInnen nicht nur an diesem Theaterabend überkommt, wenn sie sich ihrer Hilflosigkeit gegenüber dem Flächenbrand von Hass, Menschenfeindlichkeit und Zerstörung in unseren Zeiten bewusst werden.

Regie führte Marc-Bernhard Gleißner, der sich die Diversität seines Ensembles zu nutzen machte, um kein fertiges Stück über Menschenrechte abzuliefern, sondern gerade um das Hadern, Verzweifeln und die unlösbaren Spannungen zu diesem Thema zu inszenieren. Dabei hat die leidenschaftliche Brandrede die gleiche Berechtigung wie der naive Traum, der Nervenzusammenbruch ist genauso legitim wie die liebende Berührung im Tanz und die mächtig erzählte Legende wird der gleiche Rang eingeräumt, wie die kühle wissenschaftliche Erläuterung.

“Human Rights Now – eine Gefrierbrandlegende“ ist eine kämpferische Performance über Menschenrechte, ein absurdes Abenteuer in der ewigen Bewahrung dieser in einem tiefgefrorenen Raum und eine berührende Auseinandersetzung mit der Frage, was es bedeutet Mensch zu sein. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen Hinterlasse einen Kommentar

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