Humboldt-Gymnasium – Verhärtete Fronten

Er fordert die Stadt auf, ihren Pflichten nachzukommen: Ralph Borschel, der Direktor des HGT.

Er fordert die Stadt auf, ihren Pflichten nachzukommen: Ralph Borschel, der Direktor des HGT.

TRIER. Die Stadt sagt, sie habe Ralph Borschel für das kommende Schuljahr Räume im Robert-Schuman-Gebäude angeboten. Borschel wiederum sagt: “Wir brauchen eine langfristige Lösung.” Deswegen hat der Schulleiter des Trierer Humboldt-Gymnasiums (HGT) seinem Ärger jüngst in einem Brief an die zuständige Dezernentin Angelika Birk (Grüne) Luft verschafft. Das Schreiben ging auch an die Fraktionen des Rates. Eine Lösung für die prekäre Raumsituation an der Schule ist jedoch nicht in Sicht. Das Gymnasium am Augustinerhof platzt derweil aus allen Nähten.

Wenn Ralph Borschel durch die wuselnden Scharen seiner Schüler hindurch über die Flure läuft, dann ist er schon etwas stolz. “Ja”, sagt er, “ist schon schön hier.” Damit hat seine Freude aber auch schon ein abruptes Ende gefunden. “Alles viel zu eng”, zürnt er dann. “Kein Platz, kein Platz, kein Platz.” Knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler lernen, arbeiten und leben derzeit im Gebäude am Augustinerhof. Für jene aus der Oberstufe gibt es einen einzigen winzigen Raum als Aufenthaltsmöglichkeit. Sozialräume für die Mittelstufe existieren überhaupt nicht. Und nun wurde aus Brandschutzgründen auch noch die Kapazität der Aula begrenzt – auf maximal 100 Personen.

Borschel ist seit 2007 Chef am Humboldt. “Aber das Problem hat ja nicht erst mit mir angefangen”, sagt er. Seit 1996 startet die Schule immer wieder mit vier fünften Klassen. Seit 2006 regelmäßig. 2010 wurden sogar fünf Eingangsklassen aufgenommen. Ausgelegt war das Gebäude ursprünglich für die Dreizügigkeit – Start pro Schuljahr mit drei fünften Klassen. Folglich verschärfte sich die Situation von Sommer zu Sommer. “Wir sind Stadtschule”, sagt Borschel, “rund 85 Prozent unserer Schülerinnen und Schülern kommen aus Trier.” Auch deswegen ist die Nachfrage am HGT groß. Die Elternvertreter hatten die Raumnot schon im März öffentlich beklagt. Borschel ist ganz auf deren Seite.

Sehnsüchtig geht der Blick des Schulleiters vom Pausenhof des Gymnasiums hinüber in die Kaiserstraße. Dort darbt das Gebäude der ehemaligen Robert-Schuman-Realschule vor sich hin. Aktuell sind noch acht Klassen in dem riesigen roten Bau untergebracht. Im nächsten Schuljahr sind es nur noch vier. Danach keine mehr. In Schuman ist dann Schicht im Schacht. “Könnten wir dort hinein”, sagt Borschel, “wären unsere Raumprobleme gelöst.”

Doch so einfach ist das nicht. Zunächst hieß es, das Gebäude solle überhaupt nicht mehr für den Schulbetrieb genutzt werden. An einen Verkauf wurde gedacht. Im Frühjahr 2014 habe der Stadtrat dann, so Birk, den Beschluss von März 2013 revidiert. Der vom Schuldezernat festgestellte Raummangel war bis zu den Fraktionen vorgedrungen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hatte die Verkaufsidee ohnehin skeptisch beäugt. Einfacher wurde die Situation für die Stadt dadurch jedoch nicht. Denn das Gebäude in der Kaiserstraße ist hoch sanierungsbedürftig – vor allem beim Brandschutz.

Derzeit ist Birks Dezernat damit beschäftigt, die Kosten für die Sanierung des Gebäudes zu beziffern. So lautet der Auftrag des Rates an die grüne Bürgermeisterin. Die Kosten, die durchaus im siebenstelligen Bereich liegen könnten, sollen dann “im Abgleich mit entstehenden Kosten für andere Lösungen vorgelegt werden”, lässt Birk über das städtische Presseamt mitteilen. Für das kommende Schuljahr kann Borschel nicht mit einer Entspannung rechnen, weil die Verwaltung dem Stadtrat zunächst überprüfbare Zahlen vorlegen muss. Dann erst können die Fraktionen eine Entscheidung treffen.

Um die Raumnot am HGT zumindest ansatzweise und kurzfristig zu beheben, sei Borschel angeboten worden, nach den Sommerferien einige Räume im Schuman-Gebäude zu nutzen. Das habe der Schulleiter jedoch abgelehnt, “weil nicht zugesagt werden konnte, dass die Schule längerfristig dort bleiben kann”, erklärt die Stadt. Doch genau auf diese langfristige Lösung pocht der Schulleiter. “Das Konzept von Biregio hat schon vor zwei Jahren festgestellt, dass uns 14 Räume fehlen, dass wir stark unterversorgt sind”, sagt Borschel. Getan habe sich seither nichts. “Wir haben gehofft, dass wir irgendwann bedacht werden, aber leider bisher vergeblich.”

Borschel weiß um die prekäre Finanzsituation der Stadt. “Wir sind vernünftig”, sagt er, “aber das hilft uns nicht weiter.” Er sieht nur zwei Lösungen: “Entweder können wir das Schuman-Gebäude nutzen, oder es muss ein Anbau her.” Birks Dezernat sieht hingegen noch eine dritte Lösung: Die Raumnot am HGT könnte durch “die sukzessive Rückführung auf die Dreizügigkeit” verbessert werden. Triers Bürgermeisterin nimmt hier die ADD in die Pflicht. Seit zwei Jahren dränge man darauf, die Entscheidungen frühzeitig mit den Schulträgern abzustimmen.

Für Schulleiter Ralph Borschel ist es am HGT nicht erst halb Zwölf, sondern schon fünf vor Zwölf.

Für Schulleiter Ralph Borschel ist es am HGT nicht erst halb Zwölf, sondern schon fünf vor Zwölf.

Das Stichwort lautet: Schülerlenkung. “Dieses Jahr sollen erstmalig rechtzeitig, nämlich schon nach den kommenden Sommerferien Gespräche mit der Schulaufsicht über die Aufnahme von Schülern für das Schuljahr 2015/16 und die schulische Profilbildung an den städtischen und Kreisgymnasien geführt werden, um gemeinsam Engpässen vorzubeugen”, sagt Birk und verweist darauf, “dass die Stadt als Schulträger nach dem Schulgesetz keine hinreichende Rechtsposition gegenüber der ADD habe, um ihre Ziele der Schulentwicklung durchzusetzen”.

Das politische Ping-Pong-Spiel zwischen Stadt und ADD hilft Borschel kaum weiter. Er betont, dass ein angemessener Schulbetrieb nicht mehr zu gewährleisten sei und fordert die Stadt auf, ihren Pflichten als Schulträger nachzukommen. Derzeit sind zwei Klassen des HGT in der Barbara-Schule untergebracht. “Alleine das ist schon überaus problematisch, wenn ich an die Verkehrssituation auf dem Alleenring denke”, sagt der Schulleiter.

Zumindest in einem Punkt kann Borschel Hoffnung schöpfen. Die Stadt will ihm jetzt bei der Suche nach einem “geeignet großen Raum” als Alternative zur Schulaula helfen. Die darf aus Brandschutzgründen für größere Veranstaltungen nämlich nicht mehr genutzt werden – weil ein zweiter Rettungsweg fehlt. An der allgemein prekären Raumsituation des HGT wird das nichts ändern – kaum mehr als der Tropfen auf den heißen Stein für Borschel und die Schülerinnen und Schüler am Trierer Humboldt-Gymnasium. (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Allgemein Kommentare deaktiviert für Humboldt-Gymnasium – Verhärtete Fronten