“Ich bin die Malu, und wie heißt du?”

Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Samstag in der AfA Trier - das ohnehin dünne Eis war im persönlichen Kontakt schnell gebrochen.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Samstag in der AfA Trier – das ohnehin dünne Eis war im persönlichen Kontakt mit den Kindern schnell gebrochen.

TRIER. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat am Samstag zusammen mit Justizminister Gerhard Robbers und Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende Trier (AfA) in Trier besucht. In der Spielstube des DRK wurde Dreyer von 20 Kindern mit Liedern empfangen. Die Ministerpräsidentin verteilte Geschenke und Fußbälle. In der Teestube der AfA unterhielt Dreyer sich mit Flüchtlingen. “Wir wollen als Landesregierung mit unseren Besuchen ein klares Zeichen der Solidarität mit den Menschen hier setzen”, sagte die Sozialdemokratin. Die Gewerkschaft der Polizei übergab für die Spielstube einen Spendenscheck über 1.300 Euro, der von der Herres Sektkellerei aufgestockt worden war.

Singen in der Spielstube: Dreyer, Jensen und Robbers (links) waren gut bei Stimme.

Singen in der Spielstube: Dreyer, Jensen und Robbers (links) waren gut bei Stimme.

Einen Justizminister auf Knien am Boden sieht man auch nicht alle Tage. Doch in der Spielstube der AfA ist es eng. Und drängen sich dann die Großen zu Kleinen, ist Improvisation gefragt. Also hockte sich Justizminister Robbers kurzerhand auf den Boden, um den Liedern der Kinder aus aller Herren Länder zu lauschen. Nachdem die erste Aufregung sich gelegt hatte, fand auch der Professor seinen Platz auf einem der kleinen Stühlchen. Die Begeisterung ist groß, als die Kinder zusammen mit Ulrike Ruff, der Leiterin der Spielstube, die eingeübten Stücke vortragen. Berührungsängste gibt es ohnehin keine. “Ich bin die Malu, und wie heißt du?”, hatte Dreyer zuvor die Mädchen und Jungen in der Runde gefragt und damit das sowieso nur dünne Eis schnell gebrochen.

Der Druck in der AfA ist groß. Täglich kommen neue Flüchtlinge nach Trier – bis zu 200 an einem Tag. Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen müssen auf engstem Raum miteinander leben und auskommen. Vielen fällt nach Wochen der Untätigkeit die Decke auf den Kopf. Es kommt auch zu Spannungen, es gibt Probleme. Deswegen hatte Oberbürgermeister Klaus Jensen schon am Freitagabend in Euren von der hohen Politik gefordert: “Lasst diese Menschen arbeiten, lasst sie von Anfang an am gesellschaftlichen Leben teilhaben.” Doch dagegen sträubt die Politik sich aktuell noch. Arbeit bedeute Integration, hatte Jensen betont.

1.300 Euro für die Spielstube in der Afa - Dieter Engelmann übergibt der Scheck an die Leiterin Ulrike Ruff.

1.300 Euro für die Spielstube in der Afa – Dieter Engelmann übergibt der Scheck an die Leiterin Ulrike Ruff.

Wie Ahmet ergeht es vielen in der Trierer AfA. Der junge Mann, der auf der Überfahrt von Afrika nach Europa seinen Vater verlor, würde am liebsten arbeiten, darf aber nicht. Eine Ausbildung im Metallhandwerk möchte er gerne machen. Die Beschäftigungslosigkeit hingegen ist für ihn und viele andere zermürbend. Hinzu kommt, dass sie stets auf Hilfe angewiesen sind. Auch das ist zermürbend, für manche sogar erniedrigend. Sie würden ihr Leben lieber selbst meistern und gestalten. Bis zu drei Monate bleiben die Menschen in Trier, ehe sie auf die Kommunen verteilt werden. Da sind Spannungen kaum zu vermeiden. Über zwei Stunden lang informierten Dreyer, Robbers und Jensen sich in der AfA, sprachen mit den Flüchtlingen, berieten im Kreis der Mitarbeiter über die Probleme, nahmen Bitten und Wünsche entgegen.

“Es ist enorm wichtig, dass wir nachfragen, wie es läuft und wo der Schuh drückt”, betonte Dreyer. Die Mitarbeiter in der AfA hätten tagtäglich alle Hände voll zu tun. Die Ministerpräsidentin lobte in diesem Zusammenhang auch die Polizei, die heute anders arbeite, als noch vor 20 oder 30 Jahren. “Unsere Polizisten verstehe sich wirklich als Helfer an der Seite der Menschen”, sagte Dreyer. Das bestätigte auch Dieter Engelmann von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Bezirk Trier. “Es ist nicht immer einfach für uns, die kleinen und großen Probleme zu regeln”, sagte der Beamte, “aber auch wir wollen helfen.”

"Ich bin die Malu, und wie heißt du?" Dreyer und Ehemann Klaus Jensen sorgten für strahlende Kinderaugen.

“Ich bin die Malu, und wie heißt du?” Dreyer und Ehemann Klaus Jensen sorgten für strahlende Kinderaugen.

Die GdP hatte ihre Mitglieder um eine 50-Cent-Spende gebeten. 800 Euro kamen so zusammen, die von Adolf Lorscheider, dem Geschäftsführer der Sektkellerei Herres, auf 1.300 Euro aufgestockt wurden. “Damit wollen wir die Kinder unterstützen”, sagte Engelmann. Jene Kinder in der AfA, “die nur noch die Hand ihrer Mutter haben, wenn sie hierher kommen”. Das Geld kommt der Spielstube des DRK zugute. Die Kleinen bekommen ferner einen Rucksack mit Geschenken. “Und das”, so Engelmann, “ist dann ihr erstes Eigentum hier in Deutschland.”

Die Flüchtlingswellen aus den unzähligen Kriegsgebieten der Erde sind für die Länder wie Rheinland-Pfalz und die Kommunen eine große Herausforderung – finanziell wie logistisch und infrastrukturell. Dessen ist sich Dreyer bewusst. “Wir wissen”, sagte die Ministerpräsidentin, “dass in den nächsten Monaten wohl noch mehr Flüchtlinge kommen werden.” Mit dem Hotelgebäude bei Bitburg sei ein erstes Ausweichquartier gefunden. Ferner prüfe das Land jetzt die Unterbringung der Menschen in der ehemaligen Hochwaldkaserne in Hermeskeil und treibe den Ausbau der AfA in Ingelheim voran. “Es ist eine Herkulesaufgabe”, betonte Dreyer, “die wir aber lösen müssen und auch werden.” (et)


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

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