“Ich male all das, was einem inneren Druck entspringt“

Barbara Mikuda-Hüttel (rechts) interviewt Waltraud Jammers. Fotos: Rolf Lorig

Barbara Mikuda-Hüttel (rechts) interviewt Waltraud Jammers. Fotos: Rolf Lorig

“Engagierte Blicke“ lautet der Titel einer Ausstellung von Waltraud Jammers, die am Donnerstag in der Europäischen Kunstakademie (EKA) eröffnet wurde. Bis zum 8. Mai geben rund 100 Gemälde, Collagen, Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken einen Überblick über das künstlerische Schaffen der Mitbegründerin der Europäischen Kunstakademie.

Von Rolf Lorig

TRIER. Wenn Waltraud Jammers zur Vernissage einlädt, kommen alle. Prominente und Normalbürger. Etwa 200 Gäste konnte EKA-Leiterin Gabriele Lohberg am Donnerstag in den Räumen des ehemaligen Schlachthofs willkommen heißen. Anwesend waren der frühere Staatssekretär Karl Diller, die ehemaligen Beigeordnen Ulrich Holkenbrink und Peter Dietze, aber auch Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Uni-Präsident Michael Jäckel, der Komponist Joachim Reidenbach und Günther Passek, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Trier, um nur einige zu nennen.

Vor dem Beginn der Vernissage nutzen viele Besucher die Gelegenheit zum Gespräch mit Waltraud Jammers.

Schon lange vor Beginn der Vernissage nutzen viele Besucher die Gelegenheit zum Gespräch mit Waltraud Jammers.

Wie setzt man sich angesichts eines Publikums, das mit Waltraud Jammers seit vielen Jahren bestens vertraut ist, mit dem Schaffen der Künstlerin auseinander? Die Trierer Kunsthistorikerin Barbara Mikuda-Hüttel verzichtete auf einen langatmigen Vortrag und setzte stattdessen auf ein Gespräch unter Freunden. Im Dialog mit Waltraud Jammers führte sie das Publikum bis an die Anfänge. Hierbei konnte man erfahren, dass es der Großvater war, der in den letzten Kriegsjahren die 1941 in Berlin geborene kleine Waltraud und ihre Geschwister mit eigenen Zeichnungen und Geschichten zu beeindrucken wusste.

Es folgte der weitere Lebensweg, von der Evakuierung nach Oberbayern im Jahre 1944 über das Studium der Bildenden Künste in München bis hin zum Umzug nach Trier Mitte der 70er Jahre. Damals habe es in Trier noch keine Universität gegeben, erinnerte Barbara Mikuda-Hüttel. Dafür aber eine große Geschichte, entgegnete Waltraud Jammers: “Eine derart kulturell reiche Stadt hatte ich noch nicht erlebt.“

Für die Künstlerin war Trier ein ständiger Quell der Inspiration, der sie bei ihrer Arbeit in einen ständigen Dialog mit der Stadt eintreten ließ. Über die Kunst hinaus zog sie das Spannungsfeld zwischen Geschichte und Gegenwart in seinen Bann. Die Künstlerin wurde politisch aktiv und zur wehrhaften Streiterin im Interesse der Geschichte der Stadt. Das politische Geschehen der späten 80er spiegelte sich auch in ihren Bildern. Sowohl beim lokalen Geschehen um den Domfreihof und dem Viehmarktplatz, aber auch in der Darstellung von Leid und Angst der vom Balkankrieg bedrohten Menschen. Damals entstanden ihre ersten Bilder von Flüchtlingen, aber auch vom Fall der Mauer. “Mein Interesse an Politik ist an meinen Bildern ablesbar“, sagt Jammers.

Den griechischen Gott Apoll malte Waltraud Jammers als einen der wenigen männlichen Götter.

Den griechischen Gott Apoll malte Waltraud Jammers als einen der wenigen männlichen Götter.

Viele ihrer Bilder würden der Phantasie freien Lauf geben, merkt die Kunsthistorikerin an und wagt dabei den Versuch einer Interpretation, was Jammers wohl damals beim Malen beschäftigt haben könnte. Doch die Malerin wiegelt  ab. “Beim Malen denke ich wenig“, sagt sie und fügt an, dass sie immer das male, was einem inneren Druck entspringe. Sehr gerne malt sie Göttinnen, “viele männlichen Götter habe ich nicht gemalt”. Landschaften liebt sie, besonders Berge, die sie gerne überzeichnet, “denn sie haben etwas Erhabenes”. Auch Menschen mag sie, malt jedoch keine Portraits. Da hat sie Respekt vor, “denn damit würde ich meine Sicht der Dinge festlegen und sagen: So bist Du!“. Stattdessen spricht sie von Bildnissen, die dem Betrachter die Möglichkeit der Interpretation einräumen.

Termine im Rahmen der Ausstellung:

An den beiden Sonntagen 10. April und 1. Mai findet jeweils um 11 Uhr ein geführter Rundgang durch die Ausstellung mit Waltraud Jammers und Gabriele Lohberg statt. Am Sonntag, 24. April heißt es um 11 Uhr: Matinée in der Ausstellung mit der Canta Nova Saar und dem Saxophonquartett Reed Bull. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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