IHK Trier: “Fordern und Machen”

Chef-Volkswirt Matthias Schmitt und Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer bei der Vorstellung des von der IHK Trier erarbeiteten Positionspapieres. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Es hat Tradition: Vor den Kommunalwahlen entwickelt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier ein Fakten- und Forderungspapier zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Trier, das sie den Fraktionen im Stadtrat an die Hand gibt. So auch in diesem Jahr. Bei einem Pressegespräch am heutigen Montag stellten Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer und IHK-Chefvolkswirt Matthias Schmitt das Papier den Medien vor.

Neun Charts umfasst der “Kompass für eine wirtschaftsfreundliche Weiterentwicklung der Standortbedingungen”, der Stadt und Region weiter voranbringen soll. Es ist eine nicht uneigennützige Hilfestellung: “Von erfolgreichen Unternehmen profitieren alle”, weiß Glockauer.

Der Blick auf Bevölkerung und Beschäftigung zeige, “Trier hat in den letzten Jahren ganz ordentlich zugelegt”, registriert Matthias Schmitt. Was die Bevölkerung betrifft, “da ist die Stadt Trier der Over Performer”. Die Gründe für die Zufriedenheit liegen auf der Hand: “Mehr Fachkräfte und mehr Kaufkraft.”

Im produzierenden Gewerbe ist die Wertschöpfung höher als im Dienstleistungsbereich

Beim zweiten Kapitel “Bevölkerung und Beschäftigung” kann die Stadt nach Ansicht des Chefvolkswirtes gegenüber den benachbarten Körperschaften oder dem Land nicht sonderlich punkten. Zwar weist auch hier die Kurve nach oben. Der Standortvorteil der Stadt wirkt sich hier aber kaum aus, bleibt sogar hinter der Region und dem Land etwas zurück. Daraufhin gilt der Blick der Wirtschaftsstruktur der Stadt Trier. Hier zeigt sich, dass 80 Prozent der Wertschöpfung aus dem Dienstleistungssektor kommen, lediglich 20 Prozent aus dem produzierenden Gewerbe. Das Dilemma: “Im produzierenden Gewerbe liegt die Wertschöpfung höher als im Dienstleistungsbereich.”

Kein berauschendes Bild ergibt sich bei der Betrachtung der Wirtschaftskraft. Beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Erwerbstätigen belegt die kreisfreie Stadt Trier bezogen auf das Jahr 2016 mit 59.000 Euro den letzten Platz. Besser steht da die Region Trier mit 61.000 Euro. Der Durchschnitt der kreisfreien Städte in Land lag in diesem Zeitraum bei 68.000 und das Land Rheinland-Pfalz bei 69.000 Euro. Wobei Schmitt auch im Archiv nachgesehen hatte: 1992 betrug der Anteil der Stadt Trier am regionalen BIP stolze 33,4 Prozent, im Jahr 2000 waren es 31,4 Prozent und 2016 nur noch 30 Prozent. Zwar gebe es diesen Trendrückgang, für Schmitt steht aber fest: “Trier ist das wirtschaftliche Schwergewicht der Region. Wenngleich es in den zurückliegenden Jahren doch einiges an Gewicht verloren habe.

Auch wenn die Zahlen besser sein könnten – “in vielen Bereichen gibt die Stadt die richtige Richtung vor, da ist Trier auf einem guten Weg”. Man müsse sich aber klar darüber sein, dass das Bild der Innenstadt der Zukunft nicht vergleichbar mit dem Bild der 80er Jahre sein werde. Um das gestalten zu können (“Eine Innenstadt ohne einen starken Handel ist nicht vorstellbar.”), bedürfe es eines Innenstadtentwicklungskonzeptes, das von einer möglichst großen Zahl von Akteuren gemeinsam erarbeitet werden müsse. Ebenso wichtig sei die Fortsetzung der innenstadtorientierten Einzelhandelsansiedlung und vor allem die Verbesserung der innerstädtischen Erreichbarkeit. Hier sieht die IHK – wohlwissend, dass Trier nicht auf finanzielle Rosen gebettet ist – die Politik gefordert, neue Tarifoptionen und auch die Machbarkeit von Jobtickets im ÖPNV zu prüfen. Zudem müsse die Parksituation regelmäßig überprüft und auch die Versorgungsinfrastruktur für alternative Antriebsformen wie e-Mobilität, optimiert werden.

“Es darf keine Denkverbote geben”

Nach Auskunft von Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer hat die Vollversammlung das Positionspapier “branchenübergreifend” für gut und richtig befunden und ihm zugestimmt. Bei der nun anstehenden Umsetzung (“Hier darf es keine Denkverbote geben, alles muss auf den Prüfstand!”) sei nicht alleine die kommunale Politik gefordert, auch die Mitgliedsbetriebe seien zur Mitarbeit bereit. “Das haben wir unter das Motto “Fordern und Machen” gestellt, sagte Glockauer. Um in Trier attraktive Standortbestimmungen schaffen zu können, dürfe es keine weiteren Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuern geben. Zudem bedürfe es einer Haushaltskonsolidierung über die Ausgabenseite sowie einer positiven Fortsetzung der Entwicklung im Bereich der städtischen Wirtschaftsförderung. Besser sei sogar noch eine Strukturreform, bei der die Wirtschaftsförderung der Stadt und des Landkreises Trier-Saarburg gebündelt werde. Positive Signale an ansiedlungswillige Unternehmen könnte zudem eine Teilnahme am Audit für Gütezeichen “Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung” setzen, ist sich der Hauptgeschäftsführer sicher.

Natürlich hat die IHK auch den Verkehr im Blick. Für Jan Glockauer hat die Anbindung der Höhenstadtteile und die Realisierung der Nordtangente “Grüneberg” eine hohe Priorität. Ebenso wie der Moselbahndurchbruch und der Ausbau des Knotenpunktes Weismark/Aulstraße, die sogenannte Südtangente. Anerkennende Worte hat der Hauptgeschäftsführer zum Bemühen der Stadt bei der Schaffung neuer Gewerbeflächen, die auf dem Gelände der General-von-Seidel-Kaserne und an der A64 bei Herresthal neu entstehen sollen. Zudem bedürfe es der Sicherung von bereits bestehenden städtischen Industrie- und Gewerbeflächen sowie der frühzeitigen Verkehrsanbindung von neuen Wohngebieten.

Eine intensivere Inszenierung des kulturellen Erbes

Abgerundet werden die Forderungen der Wirtschaft durch zwei weitere Punkte im Bereich von Tourismus und Fachkräftesicherung: “Die von uns immer abgelehnte Beherbergungssteuer macht keinen Sinn, weil sie im allgemeinen Haushalt verschwindet. Wenn man davon nicht lassen wolle, müssten die Einnahmen zumindest zweckgebunden wieder investiert werden. Hier kann sich Jan Glockauer beispielsweise die Einführung einheitlicher Gästekarten vorstellen.

Mit den Forderungen, die touristische Infrastruktur zu stärken, die Inszenierung des kulturellen Erbes zu intensivieren und Großausstellungen im Drei- bis Vierjahresrhythmus zu organisieren, wird die IHK zumindest bei der Stadt offene Türen einrennen. Allerdings wird hier auch das Land helfend mitwirken müssen. Wobei der Hauptgeschäftsführer keinen Zweifel daran lässt, dass die IHK hier helfend auf Landesebene tätig werden will.

Die Ausstattung der Berufsschulen für das digitale Zeitalter zu verbessern, um die Fachkräftesicherung zu verbessern, ist der letzte Punkt des Forderungskataloges. Gerade bei diesem Punkt ist aber auch das Land gefordert, dass mit der Bereitstellung von entsprechenden Mitteln aber schon an den Start gegangen ist. Nicht neu, aber deshalb nicht minder dringend, ist die Forderung nach Kita-Plätzen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wobei hier insbesondere der Ausbau der Betreuung in Randzeiten ein wichtiges Anliegen der Unternehmer ist. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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