In der Küche verbindet die französische Sprache

Bei ihrer Begrüßung der französischen Gäste unterstreicht Schulleiterin Martina Groß die Bedeutung eines internationalen Miteinanders. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Seit 22 Jahren unterhält die Berufsbildende Schule für Ernährung, Hauswirtschaft und Sozialpflege (BBS EHS) eine Partnerschaft mit einer Berufsbildenden Schule aus dem Pariser Raum. Belebt wird diese Partnerschaft mit einem Schüleraustausch auf freiwilliger Basis.

Für den reporter war Rolf Lorig mit dabei.

Das Übungsrestaurant in der BBS ist fein eingedeckt, unterschiedliche Gäste unterhalten sich bei einem Glas Sekt, Schulleiterin Martina Groß eilt von Gruppe zu Gruppe, um alle Gäste im Namen der Schule willkommen zu heißen. Mitten im Raum stehen neun Jugendliche zusammen. Alle – auch die Mädchen – tragen schwarze Anzüge und schwarze Krawatten auf weißen Hemden oder Blusen. Es sind die französischen Austauschschüler, die an diesem Abend nach drei Wochen mit einem Festessen nach Hause verabschiedet werden. Begleitet werden die Jugendlichen von ihrer Lehrerin Marie-Therese Roux. Als Frau der ersten Stunde sind ihr die Besuche in Trier wohl vertraut.

Die anwesenden Gäste repräsentieren unterschiedliche Gruppen: die Industrie- und Handelskammer ist ebenso wie die DEHOGA vertreten, neben dem Schul-Kollegium sind auch die Berufsköche der Einladung gefolgt, bei denen die Jugendlichen in den vergangenen Wochen gearbeitet haben. Und auch Aloys Pinn wartet auf seinen Einsatz. Er leitet die Schulband, die der Feier an diesem Abend den passenden Rahmen geben wird.

Christina Hasselbach ist Lehrerin an der BBS EHS. Neben ihrer Lehrtätigkeit obliegt ihr die Koordination zum Gastgewerbe. “In den vergangenen drei Wochen haben die jungen Franzosen in unterschiedlichen Betrieben der Region gearbeitet”, informiert sie. Die jungen Leute, angehende Köche und Restaurantfachleute, sind zwischen 15 und 21 Jahre alt und bilden einen Querschnitt durch alle Ausbildungsjahre. “Das ist bei den deutschen Auszubildenden, die im Gegenzug nach Paris reisen, etwas anders. Bei uns können sich die Interessenten erst ab dem zweiten Lehrjahr melden.”

Drei Wochen Urlaub für die persönliche Weiterbildung

Womit sie auf die Freiwilligkeit des Austauschs abzielt. Denn dieses gegenseitige Kennenlernen der Kulturen erfordert schon einigen Einsatz, trotz des attraktiven Zieles im Großraum Paris. “Ganz wichtig: die Azubis müssen bereit sein, dafür drei Wochen von ihrem persönlichen Urlaub zu nehmen.” Einige Betriebe, räumt die Koordinatorin ein, kämen ihren Auszubildenden da etwas entgegen, würden ihnen zumindest einen Teil des Urlaubs erlassen.

Zu Ehren der französischen Austauschschüler hatte die BBS ein Abendessen ausgerichtet, für das deutsche Azubis verantwortlich zeichneten.

Rasch wird deutlich, dass bei der Sprache Flexibilität angesagt ist. Eine Referendarin unterrichtet eine Köche-Klasse in Französisch. “Die Sprachprobleme bestehen in der Tat”, bestätigt sie, zumal sich die Jugendlichen sprachlich auf unterschiedlichen Leveln bewegen. Und doch gibt es da etwas, das hilft: “In der Küche ist französisch die alles verbindende Sprache”, lächelt sie.

In den vergangenen drei Wochen haben die jungen Franzosen neben ihrer Arbeit in den Betrieben an einem Tandemsprachkurs teilgenommen. “Die Erweiterung der beruflichen Fachkenntnisse, der Fähigkeiten und Fertigkeiten stehen bei diesem Aufenthalt ebenso im Fokus wie die Bewährung im deutschen Ausland in Arbeit und Freizeit”, klärt Christina Hasselbach über Ziele und Hintergründe auf. Doch damit nicht genug: “Eine Herausforderung ist sicherlich auch die Eingliederung in ein betriebliches Team in Deutschland.” Und: “Alle Teilnehmer lernen eine andere Ausbildung und Betriebsführung kennen, gewinnen Einblicke in den deutschen regionalen Tourismus, gewinnen Bekannte und können für die heimische Region werben.”

Ganz wichtig ist für sie, dass die Jugendliche Ermutigung erfahren, sich der deutschen Sprache zu bedienen. Woraus wiederum die Förderung der Kompetenz in der deutschen Sprache resultiere und sich ein Verständnis für die Gegebenheiten in Deutschland entwickle. “Und nicht zu vergessen der Erwerb von historischen, politischen und wirtschaftlichen Kenntnissen sowie der Aufbau von Sympathie und Engagement für die Idee der deutsch-französischen Partnerschaft”, rundet die Pädagogin die Idee der Partnerschaft ab.

Schulleiterin Martina Groß greift diese Gedanken in ihrem Grußwort auf, hebt ganz besonders auf die deutsch-französische Partnerschaft ab. Ihr besonderer Dank gilt Marie-Therese Roux, die sich auf französischer Seite seit 22 Jahren unermüdlich für diese gemeinsame Idee stark macht.

Und dann sind der Worte genug gewechselt. Mit einer Geflügelsamtsuppe, Rehragout mit Preiselbeere-Creme, Rahmwirsing und Kräuterspätzle sowie einem Dessert-Teller stellen zu den dezenten Klängen der Schulband deutsche Koch-Azubis und angehende Restaurant-Fachkräfte eindrucksvoll ihr Können unter Beweis. Einige von ihnen freuen sich bereits auf das kommende Frühjahr. Denn dann geht es los zum Gegenbesuch nach Paris.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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