Inklusion – Werner kritisiert Landesregierung

TRIER. Die Trierer Bundestagsabgeordnete der Links-Fraktion, Katrin Werner, hat die Ankündigung der rot-grünen Landesregierung kritisiert, den Kommunen jährlich zehn Millionen Euro zur Umsetzung der Inklusion an Schulen zur Verfügung zu stellen. Was sich zuerst nach einem großen Schritt anhöre, so Werner, offenbare sich als reine Kosmetikpolitik. “Wer die infrastrukturelle und finanzielle Lage unserer Kommunen kennt, weiß auf Anhieb, dass zehn Millionen Euro bei weitem nicht ausreichen werden. Es gibt immer noch kein Konzept zur flächendeckenden barrierefreien Erschließung schulischer Gebäude”, erklärt die behindertenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag.

Es mangele ferner auch an klaren Eckpunkten, um Inklusion in den Lehrplänen und im pädagogischen Konzept zu etablieren. Die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte seien äußerst eingeschränkt, so Werner. Darüber hinaus sei inklusive Unterrichtsvermittlung noch längst nicht in den Lehramtsstudiengängen angekommen. Solche pädagogischen Konzepte seien mehr die Ausnahme als die Regel. “Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich Inklusion als etabliertes Bildungsmodell durchsetzen wird, wenn unsere Lehrkräfte nicht in diese Richtung umfassend ausgebildet werden”, betont die Politikerin der Linken.

Schließlich seien solche Bemühungen vergebens, wenn Inklusion nichts weiter bliebe als ein heiß diskutierter Begriff, der letztlich in der Gesellschaft nicht ankomme. “Wir müssen Kinder, Eltern, Lehrpersonal und Verwaltung auf Inklusion einschwören und Barrieren in Form von Berührungsängsten in unseren Köpfen einreißen. Dazu sind langfristige Werbekampagnen und Projekte nötig. Ein inklusives Schulsystem ist nicht möglich, wenn nicht alle an einem Strang ziehen und mitmachen”, so Werner. “Man darf nicht Inklusion predigen und gleichzeitig Kosten sparen”. (tr/et)


Drucken
Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen 1 Kommentar

Kommentar zu Inklusion – Werner kritisiert Landesregierung

  1. Michael Frisch

    Eine totale Inklusion, wie sie die Linke fordert, ist weder machbar noch finanzierbar und auch nicht im Interesse der Betroffenen. Alle Schulen für Menschen mit beliebigen Behinderungen zu öffnen, würde jeden vernünftigen Kostenrahmen sprengen und einen effektiven Unterricht unmöglich machen. Man stelle sich eine Klasse mit 30 Schülern vor, von denen nur 5 an unterschiedlichen, aber massiven Einschränkungen leiden. Neben den erforderlichen teuren technischen Hilfsmitteln wären unter Umständen mehrere zusätzliche pädagogische Fachkräfte allein für diese Klasse notwendig. Außerdem würde eine solche Situation den Lernfortschritt der übrigen Schüler ohne Zweifel beeinträchtigen und den behinderten Menschen keineswegs automatisch Erfolgserlebnisse garantieren. Inklusion in der Schule ist daher nur in einem sehr eingeschränkten Maße sinnvoll und sollte mit Augenmaß betrieben werden. Im Übrigen wäre es gerade für viele Betroffene eine Katastrophe, wenn die hervorragenden Förderschulen und sonderpädagogischen EInrichtungen, die wir in Deutschland in Jahrzehnten aufgebaut haben, geschlossen werden müssten. Hier können sich Menschen mit Behinderungen in einem geschützten Umfeld nunter optimalen Rahmenbedingungen zumeist wesentlich besser entfalten als in einer Regelschule. Inklusion ist immer da zu begrüßen und zu fördern, wo sie den Menschen wirklich nutzt und zu vertretbaren Kosten zu haben ist. Dies dürfte insbesondere im familiären Bereich sowie in der Freizeit und im Vereinsleben zu verwirklichen sein. Wer dagegen um jeden Preis eine realitätsfremde, ideologisch geleitete Total-Inklusion durchsetzen will, schadet dem Anliegen mehr als ihm zu nutzen.

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.