Interaktives Video als Präventionsmaßnahme

Vor der Präsentation des Videos erläutern der Leitende Oberstaatsanwalt Peter Fritzen (link) und Polizeipräsident Rudolf Berg die Arbeitsweise im Haus des Jugendrechts. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Als im August 2012 das “Haus des Jugendrechts” in der Gneisenaustraße eröffnet wurde, war Trier nach Ludwigshafen, Mainz und Kaiserslautern die vierte Stadt in Rheinland-Pfalz, die eine solche Einrichtung hatte. Die Hauptziele sind die Optimierung der Ahndung und Prävention von Jugendkriminalität sowie eine möglichst effiziente Wiedereingliederung der jungen Straftäter.

Heute, knapp sieben Jahre später, ziehen alle Beteiligten – Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe, die regionale Jugendschutzbeauftragte, der Verein “Starthilfe“, die Bundespolizei, der kriminalpräventive Rat und das Jugendwerk Don Bosco Helenenberg – ein positives Fazit. Durch die räumliche Zusammenarbeit von Behörden und Institutionen in einem Gebäude sei es gelungen, die Bearbeitungszeit der einzelnen Fälle deutlich zu senken und die Verfahrensabläufe zu optimieren, sagte Polizeipräsident Rudolf Berg am Dienstag bei einem Pressetermin. Anlass dazu war die Vorstellung eines interaktiven Videos, das ab sofort auf der hauseigenen Homepage zu finden und unter diesem Link zu sehen ist. Mit diesem Video wolle man Jugendlichen die Konsequenzen von unüberlegtem und unerlaubten Tun und Handeln vor Augen führen.

Viktoria Neu hat mit ihrer Arbeit nicht nur eine schwierige Herausforderung meisterhaft bewältigt sondern sich damit auch die Anerkennung von allen Fachleuten gesichert.

Die Hochschule Trier als Kooperationspartner

Lag auch die Idee für das Video bei der Trierer Staatsanwaltschaft, die Umsetzung lag in den Händen von Viktoria Neu. Sie studiert an der Hochschule Trier Intermediadesign und arbeitet gerade an ihrer Bachelorarbeit. Wolfgang Bohnen, als Jugendstaatsanwalt ständiger Ansprechpartner im Haus des Jugendrechts, hatte die Idee, die Hochschule Trier als Kooperationspartner für dieses Video mit einzubinden. Eine Idee, die dort gut ankam und von der sich Viktoria Neu “trotz mangelnder krimineller Erfahrungen” sofort angesprochen fühlte. Für Recherche und Realisierung plante sie drei Semester Zeit ein. Am Ende wurden es dann sogar vier, weil die Materie derart komplex war, dass ständig neue Gespräche und Nachforschungen unumgänglich waren.

Was sowohl den Leitenden Oberstaatsanwalt Peter Fritzen wie auch Polizeipräsident Berg sowie alle anderen Institutionen und Personen begeistert, ist die interaktive Arbeitsweise des Videos. Es geht um den 15-jährigen Max Meier, eine fiktive Comic-Figur. Von Freunden herausgefordert, klaut Max in einem Laden Zigaretten. Ob eine Schachtel oder eine ganze Stange, bestimmt der Zuschauer durch das Anklicken von Schaltflächen. Mit diesem Klick wird dann eine Geschichte erzählt, die den Weitergang der Handlung bestimmt. Natürlich wird Max bei der Tat beobachtet und vom Hausdetektiv der Polizei übergeben. Ist er geständig oder leugnet er die Tat? Oder verweigert er die Aussage? Mit immer neuen Klicks erfährt der Betrachter die Konsequenzen aus dem jeweiligen Vorgehen, führt dem Ersttäter vor Augen, in welche dumme Situation er sich da manövriert hat…

Nicht Schuld und Sühne im Mittelpunkt sondern der Erziehungsgedanke

Peter Fritzen, Leitender Oberstaatsanwalt, sieht in dem Video denn auch vor allem eine präventive Maßnahme, der er vor allem im Jugendstrafrecht eine hohe Bedeutung zumisst. Anders als im Erwachsenenstrafrecht stünden im Jugendstrafrecht nicht Schuld und Sühne im Mittelpunkt von Sanktionen sondern der Erziehungsgedanke. “Jugendstrafrecht ist ein sogenanntes Erziehungsstrafrecht. Da ersetzen Erziehungsmaßregeln in weitem Umfang die Strafe. Wenn eine Jugendstrafe verhängt wird, dann ist die wesentlich stärker auf die erzieherische Resozialisierung ausgerichtet”, betonte Fritzen. Zudem gebe es Möglichkeiten, das Verfahren formlos, “also außerhalb einer Gerichtsverhandlung” zu erledigen. Das aber habe mit dem Haus des Jugendrechts nur insofern zu tun, als dass dies alles die Grundlage bilde, auf deren Basis diese Einrichtung erst arbeiten könne.

Alle diese Behörden und Institutionen arbeiten Hand in Hand im Haus des Jugendrechts.

“Uns interessiert die Persönlichkeit und die Entwicklung des jungen Menschen”, erläuterte Hauptkommissar Christoph Schuh, der als Verbindungsmann des Polizeipräsidiums im Haus des Jugendrechts tätig ist, die Arbeits- und Vorgehensweise bei der täglichen Arbeit. Seinen Worten zufolge werden in dieser Einrichtung im Sachgebiet Jugend alle Straftaten bearbeitet – mit Ausnahme von Kapitaldelikten, Sexualstraftaten oder dem Handeln im größeren Stil mit Betäubungsmitteln. Rückblickend auf die Ermittlungsverfahren der letzten drei Jahre bezifferte Schuh die Zahl der zu bearbeitenden Delikte auf etwa 2100 jährlich. Dazu kämen ebenfalls jährlich 150 bis 160 Strafverfahren, die von einem Kollegen der Bundespolizei bearbeitet würden.

Ängste nehmen und Fragen im Vorfeld beantworten

“Durch die Einleitung eines “Ermittlungsverfahrens”, so hat der Beamte beobachtet, “kommen immer viele Fragen bei den jungen Tatverdächtigen, aber auch den Erziehungsberechtigten auf.” Selbst Schulen oder Jugendhilfeeinrichtungen würden sich oft fragen: “Was passiert, wenn ich jetzt ein Verfahren einleite?” Deshalb ist sich der Polizeibeamte sicher: “Mit diesem Erklärvideo können wir ganz viele Ängste nehmen und viele Fragen im Vorfeld beantworten.”

Ob dieses Video auch in den anderen Häusern des Jugendrechts zum Einsatz kommen wird, sei noch nicht besprochen, war zu erfahren. Allerdings habe diese Arbeit bei einer gemeinsamen Konferenz sehr viel Zuspruch und Anerkennung erfahren, teilte Jugendstaatsanwalt Wolfgang Bohnen nicht ohne Stolz mit. Eine besondere Anerkennung erfuhr Viktoria Neu von Bohnens Chef: “Juristen hätten das mit so wenigen Worten niemals derart auf den Punkt gebracht”, sagte Peter Fritzen, der Leitende Oberstaatsanwalt. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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