‟Ja, wir haben der Stadt eine Menge Geld gespart‟

Ist sich sicher, dass die Vorgehensewise der Stadt strategisch richtig war: Herbert Müller, hier mit Bürgermeisterin Angelika Birk. Foto: Rolf Lorig

Ist sich sicher, dass die Vorgehensweise der Stadt strategisch richtig war: Herbert Müller, hier mit Bürgermeisterin Angelika Birk. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Wenn es aktuell ein Thema gibt, das die Gemüter in der Bevölkerung auf den Siedepunkt treibt, dann geht es dabei in der Regel um die Abfindung für den geschassten Theater-Intendanten Karl Sibelius. Oberbürgermeister und Finanzdezernent Wolfram Leibe (SPD) bemühte sich beim aktuellen Pressegespräch des Stadtvorstandes am Montag einmal mehr um Versachlichung. Und er ist überzeugt: ‟Wir haben der Stadt durch unser Vorgehen eine Menge Geld erspart.”

Es ist schon die Ausgangssituation, die die Problematik deutlich macht: Wurde der Vertrag von Karl Sibelius verlängert oder hat er einen neuen Vertrag erhalten? Herbert  Müller, seit Anfang Oktober Verwaltungsdirektor des Theater Trier, wollte die Frage wegen ihrer Komplexität nicht mit einem Satz beantworten. Der Intendant habe zunächst nur zwei befristete Arbeitsverträge mit einer Laufzeit von jeweils einem halben Jahr besessen. Die Befristung sei deshalb erforderlich gewesen, da das Theater Trier in eine AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts) überführt werden und dies laut eines Stadtratsbeschlusses auch seinen Niederschlag im endgültigen Arbeitsvertrag von Karl Sibelius finden sollte.


Zum Thema − Verschwörung ohne Verantwortung


Müller räumte ein, dass es sehr wohl eine mündliche Vereinbarung mit der Zielsetzung eines Beschäftigungsverhältnisses bis zum Jahr 2020 gegeben habe. Doch letztendlich habe der Intendant nach erfolgter Prüfung durch die Juristen keinen Anspruch auf Erfüllung, wohl aber einen Anspruch auf Schadensersatz gehabt. ‟Hätte es keine Vertragsverlängerung gegeben, hätte er auf Schadensersatz wegen Nichtabschluss des Vertrages klagen können.” So sei es zu einer Vertragsverlängerung unter neuen Bedingungen − Gehaltsverzicht und Billigung der Einsetzung eines kaufmännischen Leiters − gekommen.

Sibelius hätte laut Müller auf Schadenersatz klagen können. Foto: Theater Trier

Sibelius hätte laut Müller auf Schadenersatz klagen können. Foto: Theater Trier

Mit dem Hinweis auf das damalige Gehalt von Karl Sibelius in Höhe von 11.700 Euro monatlich stellte Müller fest: ‟Wenn wir im Juli auf einer Trennung bestanden hätten, wäre das die Stadt wegen der ungleich ungünstigeren Konditionen wesentlich teurer gekommen.” Denn diese 11.700 Euro hätten als Schadensersatz bis zum eigentlichen Vertragsende im Jahr 2020 hochgerechnet werden müssen. Und genau dieser Sachverhalt sei vor der Vertragsentscheidung im Steuerungs- und Kulturausschuss ausführlich dargelegt worden, teilte Müller abschließend mit.

Für Oberbürgermeister Wolfram Leibe endet damit ein unerfreuliches Kapitel. Er räumte ein, dass er aus Teilen der Bürgerschaft “Vorwürfe ohne Ende” bekomme. Aber gemeinsam mit Herbert Müller unternehme er alles, was möglich sei, “um zu retten, was noch zu retten ist”. Einen letzten Satz zum Thema konnte er sich deshalb nicht verkneifen: “Das Grundproblem war, dass wir 2013 einen Generalintendanten mit Schwerpunkt Management ausgeschrieben haben und für diese Tätigkeit einen Künstler verpflichtet haben.” Diese Entscheidung hatte der Stadtrat getroffen, nicht der Stadtvorstand oder die Verwaltung.

Eine politische Bewertung zum neuen Vertrag für Sibelius unabhängig von der juristischen Komponente wollte Leibe nicht abgeben. “Politische Entscheidungen sind Aufgabe des Stadtrates”, sagte er nur. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Dossier Theater, Featured, Politik 18 Kommentare

18 Kommentare zu ‟Ja, wir haben der Stadt eine Menge Geld gespart‟

  1. Hans Maier

    Ja, wenn man nur will, dann kann man sich alles schön rechnen. Dass der Vertrag schon zu Beginn unangemessen hoch angesetzt war, darauf will wohl niemand kommen.

     
    • Karl Haesser

      Wenn die Stadt auf diese Art Geld spart, dann kann sie mir auch 300.000 € geben.

      Was denken die Herren im Rathaus?

      Für wie dumm halten sie uns?

      Glauben sie tatsächlich, dass in Trier außer ihnen sonst niemand lesen, schreiben und rechnen kann?

       
      • Hans Maier

        Die Selbstbedienung zieht sich bis ganz nach unten und wir, wir bezahlen das alles. Traurig. Alle, die beteiligt waren halten sich zurück. Es soll, wie ich schon oft geschrieben habe, etwas Gras über die Sache wachsen, und, weiter geht’s!

         
  2. Meinung

    Herbert Müller hat als Controller völlig versagt und ist jetzt Verwaltungsdirektor. Armes Trier! Jetzt will er sich reinwaschen.

     
  3. Herr Bert

    Lieber Herr Maier,

    dieses Intendantengehalt ist keineswegs unangemessen hoch, wenn man die Aufgaben betrachtet, die mit einer solchen Tätigkeit verbunden sind. Die Verantwortung, die eine solche Person inne hat im Umgang mit vielen Arbeitsverhältnissen und hohen Budgets. Dass diese Verantwortung missbraucht wurde steht nun auf einem anderen Blatt. Was wäre denn Ihrer Meinung nach ein angemessen Gehalt für eine Leitungsposition im kaufmännischen und künstlerischen Bereich mit Verantwortung für mehr als 200 Angestellte?

    Ich verstehe nicht, wieso bei 11.700€ brutto noch 1000€ steuerfreies Wohngeld drin sein müssen? Wohnen müssen wir alle und müssen das von unserem Gehalt bezahlen.

    Also bei 10.700€ brutto hat man ca. 5900€ netto. Ist das zu viel???

    An Staatstheater liegen die Intendantengehälter um ein vielfaches höher!

     
    • Hans Maier

      Kaufmännisch total versagt = 0 Euro.
      Für den Rest in einer kleinen, armen Stadt wie Trier halte ich zwischen 6-8t € brutto für angemessen, wenn Sie mich schon danach fragen. Eine Erfolgsprämie hätte man auch noch aushandeln können. Darauf hätte sich so eine Flasche leer aber sicher nicht drauf eingelassen, weil die niemals ausgezahlt worden wäre. Was netto dabei raus kommt interessiert doch gar nicht.

       
      • Mario Hau

        Jeder, der in irgendeiner Form arbeitet, trägt Verantwortung. Wo da das Alleinstellungsmerkmal eines Intendanten sein soll, das ein derart hohes Einkommen nötig macht, erschließt sich mir nicht. Das, was der Amtsleiter z.B. des Grünflächenamtes (soweit es denn mal wieder zu einem richtigen Amt wird) bekommt, sollte auch als Maßstab für den Intendanten hergenommen werden. Und warum sollte hier eine Erfolgsprämie gezahlt werden? Kein anderer Amtsleiter in Trier bekommt eine solche, warum sollte also ein Intendant in diesen Genuss kommen?

        Dieses elitäre Gehabe ist einer der vielen Gründe dafür, dass die Akzeptanz der Bürger für die Steuergeldverwertungsanlage am Augustinerhof mehr und mehr sinkt.

        Im Stadtrat hat man den Knall auch immer noch nicht gehört, man hält weiterhin an drei Sparten fest, statt damit zu beginnen, tatsächlich zu sparen. Und so wird das Theater kurz- bis mittelfristig komplett an die Wand fahren. Und das ist dann eben so. Soll nur keiner jammern dann.

         
        • Hans Maier

          Herr Hau, also liege ich doch mit meiner Vorstellung schon bei den Gehältern der Amtsleiter, die bei der Größenordnung im Bereich A 16 liegen.
          Warum Erfolgsprämie? Wenn jemand so gut ist, dass dann auf einmal die Menschen das Theater wieder annehmen und besuchen, wenn dann eine enorme Steigerung zu verzeichnen ist, warum nicht?
          Besser als von vorne herein fast 12t/€ im Monat bezahlen, oder?

           
      • Stephan Jäger

        Aha, 6k brutto also!

        Unabhängig von den „Leistungen“ des „Herrn Doktor“ hätten wir hier dann also – so ganz nebenbei – die Antwort auf die Frage nach den Ursachen des „Fachkräftemangels“ in Trier.

         
        • Hans Maier

          Was meinen Sie damit? Ich verstehe das als zu wenig Geld für einen Führungsjob?
          Schauen Sie doch in die Tarife und Beamtenbesoldungstabellen. Da steht doch alles drin. Nur von der genau zu erbringenden Leistung nicht. Die steht im Arbeitsvertrag, wobei da immer von einer durchschnittlichen Leistung auszugehen ist und eben deshalb ein durchschnittliches Gehalts gezahlt wird.
          Unterhalb der Amtsleiterebene fällt dann übrigens die Summe des Gehalts rasant ab.

           
    • Sascha

      Als Generalintendant mag das gerechtfertigt sein. Ich kenne mich mit dem Gehaltslevel bei Intendanten an Theatern nicht aus.
      Und ja, das ist viel Verantwortung, da haben Sie wohl Recht.
      Dennoch ist das eine sehr hohe Summe. Das ist Geld, damit müssen manche Familien vier Monate oder länger auskommen.
      Und da haben die Krankenschwester die meine Gesundheit überwacht oder der Kfz-Mechaniker der meine Bremsen repariert genauso viel wenn nicht mehr Verantwortung.
      Für all die sind diese Summen mit denen hier so um sich geworfen wird ein Schlag ins Gesicht.
      Nur zum Verhältnis: Herr Sibelius bekommt fürs Nichtstun ein Einfamilienhaus geschenkt!

      Und warum hat er dann immer noch 10.000€ im Monat bekommen als er nur noch künstlerischer Intendant war.
      Macht das wirtschaftliche nur rund ein Sechstel aus?

       
    • Hubert Hansen

      Bei der Anzahl der Angestellten und Verantwortung?
      Wie schätzen Sie den das Gehalt unseres Oberbürgermeisters ein?
      Ist dessen Verantwortung geringer?
      Zumindest damals bei Herrn Jensen lag dies laut Rathauszeitung bei Besoldungsgruppe B7.
      Näheres unter:
      http://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/beamte/rp?id=beamte-rlp-2016&matrix=1

      http://www.oeffentlichen-dienst.de/gehaltsrechner.html
      Wer hat sein Gehalt nun eher verdient?

      Einer von beiden wird jedenfalls seiner Verantwortung gerecht, mit den Mitteln der Bürger sorgsam umzugehen.

      Anm.d.Red.

      Oberbürgermeister Wolfram Leibe ist aktuell in B7 eingestuft. Das entspricht einem Grundgehalt von rund 9.700 Euro brutto. Die Gehälter der im öffentlichen Dienst beschäftigten Mitarbeiter sind im Internet nachzulesen. Das traf bis zur reporter-Veröffentlichung auf den Theater-Intendanten (Amtsleiter) hingegen nicht zu.

       
      • Hans Maier

        Intendantengehäter werden i.d.R. frei ausgehandelt weil es sich um außertariflich beschäftigte handelt.
        Der OB sollte übrigens der B8 zugeordnet sein.

         
  4. Sascha

    Ich glaube nach dem ersten Jahr hätte jedes Arbeitsgericht der Stadt zugestimmt wenn man keinen neuen Vertrag geschlossen hätte mit dem Verweis das Sibelius mit der Verwaltung offensichtlich überfordert war.

     
    • Sascha

      Interessant wäre auch zu wissen welche Juristen das geprüft haben, bzw ob da ein Herr Egger dabei war.
      Denn immerhin hat Sibelius ganz klar vor der Einstellung gelogen.
      Sonst wäre er ja nicht als Intendant mit Schwerpunkt Management eingestellt worden.

       
      • Misery

        Es ist alles eine einzige Farce. Man hätte niemals einen 5 Jahresvertrag vereinbaren dürfen. Man war definitiv informiert über die Unfähigkeit mit Geld umzugehen und die Unstimmigkeiten in Eggenfelden. Alles andere ist Lüge. Wenn man nicht informiert war oder sein wollte, so wäre es noch krimineller. Gut, dass die Anzeige erfolgte. Hier hat sich noch längst nicht der Vorhang zum letzten Akt geschlossen.

         
  5. Karl Haesser

    Jetzt werden schon mündliche Zusagen angeführt, es wird immer abstruser!

    Nur gut das die Staatsanwaltschaft prüft – und das Gericht öffentlich verhandelt. Es wird eng, sehr eng auch für die Herren im Rathaus!!!

    Noch haben sie alle die Möglichkeit in Ehren zurück zutreten!

     
  6. Ex-Sozialdemokratin

    Geld gespart? Dem Intendanten Schweigegeld auszahlen, anstatt ihn arbeiten zu lassen. Einen neuen Intendanten bezahlen, zusätzlich noch einen Regisseur und Schauspieler, denn auch das hat der Ex abgedeckt….aber wie wir jetzt ja wissen: Rechnen konnte man in unserer Stadt noch nie. Oder ist Sibelius auch daran schuld, dass die Stadt seit Jahrzehnten einen Schuldenberg angehäuft hat. Das Theatergebäude selbst ist in einem derart desolaten Zustand und das hat allein die Stadt zu verantworten.

     

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