Köche und Winzer, die sich für Trierer Kinder engagieren

Großer Andrang an allen Kochstationen. Bei Wolfgang Becker (vorne) gibt es „Veggie‘s Delight“. Alle Fotos: Rolf Lorig

Großer Andrang an allen Kochstationen. Bei Wolfgang Becker (vorne) gibt es „Veggie‘s Delight“. Alle Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Es war wie in jedem Jahr: Rund 300 Gäste hatten sich bei der Kulturstiftung Trier ihre Eintrittskarte für die Küchenparty im Mercure Hotel an der Porta Nigra gesichert. Vor 23 Jahren hatte Gisela Schröer, die Gattin des damaligen Trierer Oberbürgermeisters, dieses Event ins Leben gerufen. Nutznießer waren und sind damals wie heute Trierer Kinder.

Von Rolf Lorig

Montagabend, 19:30 Uhr. Das Restaurant des Hotels ist gut gefüllt. Freie Plätze an Tischen und Stehtischen gibt es kaum noch. Der Blick in die Runde zeigt: Man kennt sich. In Gruppen wird angeregt geplaudert, gescherzt und gelacht. Mitten in der Menge unterhalten sich Gisela und Helmut Schröer mit den Gästen. Zum sechsten Mal richtet die Kulturstiftung Trier die Küchenparty aus. Schirmherrin ist Gisela Schröer aber nach wie vor. Man sei damals gerne als Ausrichter eingesprungen, sagt Andreas Ammer, Vorsitzender des Fördervereins und Mitglied des achtköpfigen Vorstands. Für eine  Privatperson war der Aufwand zu groß geworden, erinnert sich Gisela Schröer. Da kam das Angebot der Kulturstiftung, die mit dem Kinder Kulturfond einen eigenen Bereich unterhält, gerade recht.

Bei Lea Linster steht man gerne für den Nachtisch an.

Bei Lea Linster steht man gerne für den Nachtisch an.

An der Procedere hat sich seither nichts geändert. Köche, Winzer und Gäste engagieren sich – jeder auf seine Art – für die Trierer Kinder. “Essen für einen guten Zweck“ nennt Andreas Peters das. Der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval wird unter anderem von seinem Vize Stefan Feltes begleitet. Man treffe hier viele Leute, die man vom Karneval her kenne, sagt Peters. Was er besonders schätzt: “Du musst an diesem Abend nichts selbst machen sondern kannst Dich in angenehmer Umgebung ganz zwanglos unterhalten und dabei lecker essen und trinken.“ Und Stefan Feltes ergänzt: “Man hat hier die einmalige Chance, die Spitzengastronomie der Region an einem einzigen Ort zu erleben.“

Wolfgang Becker ist einer der Top-Köche, die sich um das Wohl der Gäste kümmern. Der Zwei-Sterne-Koch unterstützt die Küchenparty seit 1998. Damals sei das noch etwas ganz Besonderes gewesen, erinnert er sich. Denn ein solches Veranstaltungsformat habe es zuvor noch nicht gegeben. Was ihm besonders gefiel: In den ersten Jahren habe sogar eine Band in der Küche gespielt, dadurch sei es noch enger gewesen. Für ihn gehört die Enge zwingend dazu. “Wenn  die Menschen mit ihren Tellern in der Küche  Schlange stehen, entsteht unweigerlich Kommunikation, was so ja auch beabsichtigt ist.“

Netzwerken und gute Gespräche führen

Für Winfried Kornberg war genau das das auschlaggebende Kriterium für seine Teilnahme.  Er wolle netzwerken, sagt der Chef von“ Pro Musik“, und dabei gute Gespräche führen. Wie alle anderen Gäste hat er seine Karte für diesen Abend direkt bei der Kulturstiftung gekauft. Vorstandsvorsitzender Harry Thiele ist zufrieden mit der diesjährigen Beteiligung. Es ist voll, aber nicht zu voll. Von qualvoller Enge keine Spur.

Eng aber geht es in der Küche zu. Den Top-Köchen und ihrem Personal bleibt nicht viel Platz. Zumal die Arbeitsflächen auf zehn Gastronomen mit ihrem Personal aufgeteilt werden müssen. Alle haben an diesem Tag ihren Ruhetag, sonst könnte es diesen Abend nicht geben. Und alle haben sich für die Küchenparty etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Wolfgang Becker (Olewig) reicht “Veggie‘s Delight“ mit ausgefallenen Zutaten, bei Alexander Oos (Trittenheim) gibt es Kalbsfilet mit Blattspinat und Limonen-Kartoffelpüree; Carsten Vogt als Küchenchef des Mercure-Hotels bietet Jakobsmuscheln mit passender Beilage an; Georg Henke (Georgs Restaurant) offeriert ein Duett vom Angus Rind mit Spargelgemüse und Beilagen, Christan Morgen (Schepper’s) bietet Filet vom Mahi Mahi mit Ananasragout und Kokosmilch an, Harald Rüssel (Rüssels Landhaus) lockt mit Seesaibling und ausgefallenen Beilagen; Christoph Kaiser (A la minute) reicht Gänsestopfleber im Abinao-Mantel und Winfried Licht (Zum Wiesengrund) verwöhnt mit Hummerravioli. Doch damit nicht genug: Für den Nachtisch sorgen Hubert Scheid (Schloss Monaise) – er bietet ein Dessertbüffet an – und Lea Linster (Restaurant in Frisange/Luxemburg) mit ihrer herausragenden Crème Brulée und den dazu gehörenden feinen Madeleines.

Diese Top-Köche sorgten für das leibliche Wohl. Mit dabei: Die Vorstamde Harry Thiele (vorne rechts), Bärbel Schulte (hintere Reihe rechts), Katrin Hülsmann (hintere Reihe links) und Andreas Ammer (2. von links, letzte Reihe)

Diese Top-Köche sorgten für das leibliche Wohl. Mit dabei: Die Vorstamde Harry Thiele (vorne rechts), Bärbel Schulte (hintere Reihe rechts), Katrin Hülsmann (hintere Reihe links) und Andreas Ammer (2. von links, letzte Reihe)

Die passenden Weine stellen an diesem Abend Becker’s Weingut und Weinhaus, Olewig, an; ferner die Weingüter Forstmeister Geltz-Zilliken, Saarburg;  Clüsserath-Weiler, Trittenheim; Bischöfliche Weingüter, Trier, Reichsgraf von Kesselstatt, Morscheid; Josef Rosch, Leiwen; Kirsten, Klüsserath; Paulinshof, Kesten; Piedmont, Konz-Filzen, von Hövel, Konz-Oberemmel, Vereingte Hospitien, Trier und das Weingut zur Römerkelter aus Maring-Noviand. Seine Abrundung erfährt das Angebot durch Walderdorff’s Cocktail Bar, Trier, und der Mondo del Caffé-Kaffeebar.

Während sich die Menschen an den verschiedenen Kochkojen bedienen, erinnert sich Gisela Schröer an die allererste Küchenparty. Das sei eine ganz spannende Sache gewesen, schmunzelt sie. “Ein großes Essen, das viel Geld kostet – und das auch noch in der Fastenzeit!“ Im katholischen Trier konnte so etwas nicht ohne Resonanz bleiben. Und in der Tat war es der streitbare Pastor Hermann Münzel, der das nicht so ohne weiteres hinnehmen wollte. “Er sammelte einige Passanten auf der Straße auf und machte vor dem Hotel Stimmung gegen unsere Veranstaltung.“

Diese Winzer kredenzten die passenden Weine zu den Gerichten.

Diese Winzer kredenzten die passenden Weine zu den Gerichten.

Solch ein Stress bleibt Anja Ahnen, Direktorin des Mercure-Hotels, glücklicherweise erspart. Im Gegenteil: Nicht nur die Gäste loben die Bereitschaft des Hauses zu dieser Veranstaltung in den höchsten Tönen. Auch Kulturstiftungschef Harry Thiele zeigt sich dankbar für das Engagement der Direktorin. Und auch Sternekoch Becker bringt es auf den Punkt: Ohne die Küche des Mercure-Hotels würde es  die Küchenparty in diesem Rahmen vermutlich so nicht geben.

Doch bevor alle satt und zufrieden wieder nach Hause gehen, gibt es nochmals einen Anreiz für die Spendierfreudigkeit der Gäste: Andreas Ammer versteigert ein gerahmtes Bild der Künstlerin Chikako Kato. Am Ende geht das Kunstwerk für 700 Euro an Jacek Sienkiewicz, der es stolz und zufrieden in Empfang nimmt.


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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