“Kommen um Reduzierung der Sparten nicht herum”

"Im Stadtrat war niemand bereit, wirklich offen über die Strukturen zu sprechen", kritisiert FDP-Chef Tobias Schneider.

“Im Stadtrat war niemand bereit, wirklich offen über die Strukturen zu sprechen”, kritisiert FDP-Chef Tobias Schneider.

TRIER. Die FDP ist 2014 als einzige der im Stadtrat vertretenen Parteien mit deutlicher Kritik an den städtischen Subventionen für das Theater Trier in den Kommunalwahlkampf gezogen. Die Liberalen hatten sich bereits damals auf Grundlage des Gutachtens von Professor Dieter Haselbach für einschneidende Strukturveränderungen ausgesprochen. FDP-Chef Tobias Schneider sieht sich und seine Partei wegen der aktuellen Entwicklungen bestätigt. Triumphieren will Schneider deswegen aber nicht. Er fordert stattdessen auch die anderen Parteien auf, über die Struktur und die finanzielle Grundlage des Theaters offen zu debattieren: Die Fehler der Vergangenheit dürften nicht wiederholt werden. Die Hauptverantwortung für die Misere tragen nach Auffassung des Liberalen “die mehrheitsbildenden Fraktionen im Stadtrat mit ihren inkonsequenten Entscheidungen”. Tobias Schneider hat sich den Fragen des reporters gestellt.

Herr Schneider, die FDP ist 2014 als einzige der im Stadtrat vertretenden Parteien mit Kritik an den städtischen Subventionen für das Theater in den Kommunalwahlkampf gezogen. Fühlen Sie sich angesichts der aktuellen Entwicklung bestätigt?

Schneider: Ja, selbstverständlich. Wir haben bereits damals auf Plakaten darauf hingewiesen, dass sich die Finanzierung des Theaters in einer gefährlichen Schieflage befunden hat. Das damals bereits bekannte Gutachten von Professor Haselbach hatte die Probleme offengelegt, im Stadtrat war aber niemand bereit, wirklich offen über die Strukturen zu sprechen. Stattdessen hat man mit dem Grundsatzbeschluss zum Erhalt des Drei-Sparten-Hauses dafür gesorgt, dass die Situation quasi betoniert wurde, und gehofft, dass es schon irgendwie klappen wird. Nun zeigt sich, dass diese Entscheidung, wie von uns vorausgesagt, die finanzielle Substanz allmählich zerstört hat.

Was muss aus Ihrer Sicht jetzt passieren?

Schneider: Auf keinen Fall darf man nun die Fehler der Vergangenheit wiederholen und sich darauf verlassen, dass schon alles gut gehen wird. Die Gründung der AöR wird ebenso wenig die finanzielle Schieflage beheben, wie die Verhandlungen mit den Umlandkommunen dazu führen werden, dass diese kurzfristig die Mitverantwortung für das Theater übernehmen. Man muss jetzt dringend, noch vor etwaigen Entscheidungen über Aus-, Umbau und Sanierung des Gebäudes, über die Struktur und finanzielle Basis des Theaters sprechen. Wenn alles so bleiben soll, wie es ist, dann muss geklärt werden, woher in Zukunft das Geld kommen soll, denn mit den bestehenden Mitteln ist das in den kommenden Jahren nicht mehr zu leisten, zumal auch völlig offen ist, wie sich die Förderung durch das Land über das Jahr 2020 hinaus entwickeln wird. Ich denke aber, dass man, wenn man seriös planen will, an die Ausgabenseite heran muss. Im Klartext: Wir werden an den Strukturen sparen müssen!


Die Szenarien des Haselbach-Gutachtens


Ist das Theater in dieser Form als Drei-Sparten-Haus überhaupt noch zu retten?

Schneider: Wie schon gesagt, wird dies kaum möglich sein. Die FDP hat in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass ein Drei-Sparten-Haus in der aktuellen Form nicht zukunftsfähig sein wird und hierzu verschiedene Lösungsansätze in die Öffentlichkeit gebracht. Unserer Auffassung nach wird man um eine Reduzierung der Sparten nicht herumkommen. Wir hatten bereits 2014 vorgeschlagen, lediglich das Schauspiel und mittelfristig, bis zum Auslaufen der unkündbaren Verträge, das Orchester im Haus zu halten und den Rest über einen Bespielbetrieb zu realisieren. Hierin würden wir eine echte Chance zur künstlerischen und finanziellen Weiterentwicklung des Theaters sehen. Hierzu muss man aber mit den Bürgern ehrlich umgehen und sie darüber informieren, dass eine Spartenschließung nicht gleichzeitig bedeutet, dass die entsprechenden Kunstformen am Trierer Theater nicht mehr geboten werden. Ganz im Gegenteil, durch einen Bespielbetrieb könnte, wie in anderen Theatern schon seit langer Zeit üblich, sogar ein noch größeres und abwechslungsreicheres Angebot geschaffen werden.


Die reporter-Analyse − Die Gretchenfrage


Wer trägt die Verantwortung für die Misere?

Kein Sanierungsbeschluss ohne Strukturdebatte, sagt Tobias Schneider.

Kein Sanierungsbeschluss ohne Strukturdebatte, sagt Tobias Schneider.

Schneider: Natürlich gibt es verschiedene Strukturen und auch Personen, die versagt haben. Es bringt aber, denke ich, nichts, jetzt mit Schuldzuweisungen zu arbeiten. Dass Controlling und Kommunikation sowohl im Theater als auch im Dezernat von Thomas Egger verbessert werden müssen, ist allen Beteiligten klar. Die Hauptverantwortung tragen aber die mehrheitsbildenden Fraktionen im Stadtrat mit ihren inkonsequenten Entscheidungen. Sie wollten auf der einen Seite eine starre Struktur, in der alles so bleibt, wie es ist, auf der anderen Seite haben sie dann aber einen Intendanten Sibelius geholt, damit er den Laden auf den Kopf stellt und das Trierer Theater aus dem Dornröschenschlaf holt. Dass er dies letztlich konsequenterweise auch getan hat, ist ihm, abseits von aller berechtigten Kritik, nicht vorzuwerfen. Dass am Ende bei einem derartigen Schlingerkurs des Rates viel Ärger und Frust entsteht, ist klar. Es wäre daher aber ein großer Fehler, jetzt personelle Konsequenzen zu fordern und zu glauben, damit irgendetwas zu ändern. Man würde das System lediglich noch weiter lähmen.

Trägt die FDP die Entscheidung von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, den Intendanten Karl Sibelius als kaufmännischen Leiter zu entmachten, uneingeschränkt mit?

Schneider: Es geht bei dieser Entscheidung ja weniger um Macht, als vielmehr darum, die Strukturen zu optimieren. Dass eine Anpassung hier dringend notwendig war, haben die letzten Wochen gezeigt. Wir werden die Entscheidung daher auf jeden Fall mittragen, erwarten aber, dass nun alle Beteiligten in Zukunft an einem Strang ziehen und im Sinne einer positiven Entwicklung des Theaters nicht gegeneinander, sondern gegen das drohende Aus des Hauses kämpfen.

Herr Schneider, besten Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Eric Thielen


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Erstellt am Autor Eric Thielen in Dossier Theater, Featured, Politik 7 Kommentare

7 Kommentare zu “Kommen um Reduzierung der Sparten nicht herum”

  1. Besserwisser

    Die Reduzierung der überbezahlten Kräfte muss nicht nur angedacht sondern schnellstens vollzogen werden. Zwei gänzlich entfernen und einige, die sich im Sog dieser beiden besser bezahlte Stellen besorgt haben, zurück zur ursprünglichen Besoldung. Sagt man nicht immer: der Fisch stinkt von Kopf her. Jetzt wird wieder versucht Hilfskonstruktionen zu bilden, Sprüche wie: man muss jetzt nicht mit Schuldzuweisungen arbeiten, blablabla
    Verantwortung übernimmt natürlich niemand!

     
    • Trierer

      Mich würde tatsächlich interessieren, wer mit Überbezahlten Kräften gemeint ist. Denn der allergrößte Teil der Theaterangestellten verdient im Verhältnis zu anderen städtischen Angestellten deutlich weniger. Wenn zum Beispiel ein Schauspieler für ca. 2000€ Brutto oft 48 Std. in der Woche arbeitet, und da ist Textlernen und persönliche Rollenvorbereitung noch nicht inbegriffen, dann halte ich das keineswegs für überbezahlt.

       
      • Bessrwisser

        So schwer war das Rätsel ja nicht, oder doch? Schauspieler waren, bis auf einen hochbezahlten, nicht gemeint. Dann gibt es ja noch Personal, welches ‘Controlling’ leisten soll. Klingelt’s jetzt?

         
  2. Dietmar Marx

    Herr Schneider Sie haben völlig Recht. Ich verstehe die Lethargie der “Anderen” überhaupt nicht. Der Trier-Reporter deckt die Schweinereien auf, im TV wird der Rücktritt von Herrn Egger gefordert und dann wird so getan wie wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre. Welche Trantüten machen in Trier eigentlich die Politik und wofür brauchen wir die, wenn bei solchen Skandalen nichts passiert?

     
  3. Dr. Norbert Fischer

    Vor allem sollte man die Sparte 0 mal überprüfen – völlig unbemerkt hat Sibelius nämlich aus dem Theater Trier ein Vierspartenhaus gemacht.

     
  4. Trierer

    Ein Dreispartenhaus durch einen Bespielbetrieb zu ersetzen bringt weder finanziell noch künstlerisch etwas.
    Gastspiele einzukaufen ist, will man die gleiche Anzahl der Vorstellungen und Vielzahl der Stücke ermöglichen, nicht günstiger als eigene Ensembles zu finanzieren. Gastensembles müssen reisen, müssen in Hotels untergebracht und natürlich bezahlt werden. Günstiger wird’s natürlich wenn man unter Bespieltheater versteht einen Comedian einzuladen, der alleine mit einem Tisch, einem Stuhl und einer Lampe seine Scherze vorträgt.
    Opern, Theaterstücke und Ballette würden nicht mehr über die komplette Spielzeit verteilt, sondern nur noch kompakt an aufeinanderfolgenden Tagen gespielt werden. Es würden deutlich weniger Produktionen gezeigt. Und das Trierer Publikum hätte kein Ensemble, mit welchem es sich identifizieren kann. Die Erfahrung zeigt, dass in Bespieltheatern überdurchschnittlich viele Blockbuster, Mainstreamproduktionen und Unterhaltungstheater gespielt werden. Wenn das gewünscht ist, dann kann man aber auch den Fernseher anmachen. Herr Schneider hantiert hier mit falschen Argumenten.

     
    • Phantom der Oper

      Ja wie sich das Trierer Publikum mit dem Ensemble identifiziert hat, wurde deutlich als KMS das ganze Weber- Ensemble entließ.Zeor. Bespieltheater funktioniert an zahlreichen Orten ( Ludwigshafen, Friedrichshafen etc.) Darauf wird es hinauslaufen…..

       

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