Kompetenzen, die stark nachgefragt werden

Ein Konzert der besonderen Art zum Festabend: Analoge, von Studierenden geschaffene Räume setzen mit der Hilfe von digitaler Technik Schwingungen in Töne um. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit dem Wintersemester 2008/2009 gibt es an der Hochschule Trier die Fachrichtung Intermedia Design, “das Studium für vernetztes Denken und kreatives Handeln”, wie man sich an der Hochschule selbst beschreibt. Mit einer Ausstellung und einem Festabend blickten Professoren, Alumni (ehemalige Studierende) und heutige Studenten zurück und warfen dabei auch mehr als nur einen Blick in die Zukunft. Über das, was in den vergangenen zehn Jahren hier geschehen ist, und das, was heute hier geschieht, hat der reporter mit dem emeritierten Professor Franz Kluge – er ist der Gründervater dieses Studienganges – und Professorin Linda Breitlauch, die heute als Fachrichtungsleiterin die Geschicke verantwortet, gesprochen.

Von Rolf Lorig

“100 Jahre Intermedia Design” – unter dieser etwas provokanten Überschrift standen die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen. “Was sind schon zehn Jahre? Wir haben in dieser Zeit so intensiv gearbeitet und so viele tolle Projekte entwickelt, das würde glatt für 100 Jahre reichen”, scherzt Professorin Linda Breitlauch. Zudem sei es ein zeitlicher Vorgriff, denn es gebe noch so viele Ideen und Visionen, “das reicht glatt für die nächsten 90 Jahre”.

Ein Mann, der das kommen sah, ist Franz Kluge. Der emeritierte Professor gilt an der Hochschule als der Gründervater dieser Fachrichtung. Dank seines Engagements hielt dieser Studiengang erstmals im Wintersemester 2008/09 an der Fachhochschule Trier Einzug. Was war es, das ihn damals dazu bewogen hat? “Mitte der 90er Jahre entstanden in großen Städten wie Köln oder Karlsruhe neue Zentren, die sich den neuen Medien wie dem Internet widmeten – da haben sich die digitalen Medien entwickelt”, erinnert sich Kluge. Rasch stellte er fest, dass in seinem eigenen Fachgebiet – damals war das der Fachbereich Kommunikationsdesign, wo Kluge im Lehrgebiet Video/Neue Medien unterrichtete − das Spektrum der Technik und der gestalterischen Anforderungen immer größer und differenzierter wurde. “Es war unmöglich, das alles in einem Lehrgebiet zu vereinigen.” Bis Kluge seine Idee aber realisieren konnte, musste die Zeit zunächst reifen.

Der erste Schritt auf dem Weg zum Ziel kam 2005, “als die elf kleinen Design-Fachbereiche – damals alle kleine Fürstentümer – zu einem großen Fachbereich zusammengelegt wurden.” Doch noch immer war Geduld angesagt. Erst der Hochschulpakt im Jahr 2008, der den zunehmenden Studierendenzahlen geschuldet war, brachte zusätzliche finanzielle Mittel und damit auch die Möglichkeit, diesen Studiengang aufs Gleis zu setzen. “Es gab somit eine inhaltliche Notwendigkeit, die Design-Ausbildung um die digitale und Medienkomponente hier in Trier zu erweitern.” Die damalige rheinland-pfälzische Kulturministerin Doris Ahnen habe sich gefreut, “dass damit der “innovative Studiengang Intermedia Design eingerichtet werden kann”, erinnert sich Franz Kluge. Das erste Semester startete nach Erinnerungen des Professors mit etwa 30 Teilnehmern, im zweiten Semester kamen etwa 20 dazu: “Im Schnitt waren es anfangs 50 Leute pro Jahr.”

Fachrichtungsleiterin Linda Breitlauch mit Dekan Matthias Sieveke und dem Initiator des Studienganges, Franz Kluge.

Keine Zulassungsbeschränkung, wohl aber eine Eignungsprüfung

Das Interesse an dem Studium ist nach wie vor groß. “Wir haben eine Quote von 1:3”, sagt Professorin Linda Breitlauch, die diesen Studiengang leitet. Was sie damit sagen will, liegt auf der Hand: Es gibt dreimal so viele Bewerber, wie man aufnehmen kann. Bei Internedia Design sind aktuell 220 Studierende eingeschrieben, die hier Bachelor- und Master-Studiengänge belegen. Eine Zulassungsbeschränkung gibt es nicht, wohl aber eine künstlerische Eignungsprüfung die über eine Aufnahme entscheidet. “Das hat aber auch den Vorteil, dass wir nur eine marginale Abbrecherquote haben”, unterstreicht Linda Breitlauch und folgert daraus: “Wer bei uns zugelassen wird, kann mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, hier auch seinen Abschluss zu machen.”

Vier Professoren, ein Akademischer Rat und etwa ein Dutzend Lehrbeauftragte begleiten die Studierenden, die zum Erhalt des Bachelors sechs Semester studieren und ein Praxissemester auf der Agenda haben. Wobei das Praxissemester hier freiwillig ist. Der Master-Studiengang umfasst weitere drei, respeketive vier Semester, so dass hier am Ende acht Semester stehen müssen.

Fünf Lehrgebiete hat Intermedia-Design: Game & 3D-Art, Hypermedia (alles um das Thema Web- und App-Entwicklung) mit interaktiven und vernetzten Systemen, Medienräume (Licht- und Sound-Installationen in Zusammenwirkung mit analogen Produkten) und mediale Szenografien (Kunst der Inszenierung im Raum), narrative Formate (Audi, Video und multimediales Erzählen wie beispielsweise Dokumentar- und Spielfilme sowie als fünfter Bereich Theorie und Praxis des Intermedialen.

“Was die Studierenden hier in vielen Projekten umsetzen beweist, dass die Digitalisierung nicht nur als Technologie gesehen werden darf, sondern dass darüber eine Fülle an Gestaltungsfeldern erreicht und bearbeitet werden kann.” Vermutlich ist das ein ganz wesentlicher Grund, weshalb die Professorin für Game Design die Berufschancen als “ganz großartig” wertet. Ein Urteil, dem sich Franz Kluge in vollem Umfang anschließt: “Dieser Studiengang bildet Leute aus, die am Arbeitsmarkt 30 bis 50 Prozent höhere Einstiegsgehälter bekommen”, weiß er. Linda Breitlauch zufolge ist die Nachfrage nach Trierer Studenten deshalb so groß, weil in Trier nicht nur direkt für die Medienbranche ausgebildet werde. Als Beispiele benennt sie die Auto-Industrie sowie Industriezweige, wo Technologietransfer-Kompetenzen im Focus des Interesses stehen. “Nicht zuletzt durch die immer weiter zunehmende Digitalisierung werden die hier vermittelten Kompetenzen in sehr vielen Branchen sehr stark nachgefragt und nicht nur in den expliziten Medienbranchen, in denen wir ausbilden.”

Für Linda Breitlauch ist die Entwicklung noch lange nicht am Ende. “Das ist ein Prozess, der uns noch viele Jahre begleiten wird. Was wir gerade erleben, ist eine digitale Revolution und längst keine Evolution mehr. Als Hochschule müssen wir dringend sichtbar machen, was dieser Prozess für jeden Einzelnen bedeutet.”


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.