Kontinuierlicher Prozess der Weiterentwicklung

In der Zurückgezogenheit seines Ateliers arbeitet Josef Hammen an seinen Trier-Motiven.

In der Zurückgezogenheit seines Ateliers arbeitet Josef Hammen an seinen Trier-Motiven.

TRIER. Unter dem Titel “Trier täglich – Szenen einer Stadt” stellt der Kommunikationsdesigner, Maler und Illustrator Josef Hammen ab dem 31. März rund 90 Gemälde mit Trierer Motiven einen Monat lang in der Europäischen Rechtsakademie (ERA) aus. Der reporter war bei Josef Hammen in Trierweiler zu Gast und hatte dabei die Gelegenheit, dem Künstler bei der Arbeit über die Schulter zu sehen und mit ihm über sein Schaffen zu sprechen.

Von Rolf Lorig

“Die größte Herausforderung ist die Regelmäßigkeit und die Disziplin.” Noch ist das Jahr jung, doch Josef Hammen weiß genau, worauf er sich eingelassen hat. Jeden Tag will er ein neues Gemälde mit Trierer Ansichten fertigstellen. Eine ehrgeizige Aufgabe. Denn schließlich verdient Hammen seine Brötchen nicht originär mit der Malerei. “Ich bin gelernter Kommunikationsdesigner”, schmunzelt er, “an erster Stelle steht die Werbeagentur, die ich zusammen mit meiner Frau führe”.

Vor über 20 Jahren kam er nach Trier an die damalige Fachhochschule. Zeichnen, Malerei und Design waren schon immer sein Ding. Beim Studium lernte er neben Trier auch seine Frau Susanne kennen und lieben. Eine Zeitlang lebte das Paar noch in der Stadt, dann zog es mit Kind und Kegel und der gemeinsamen Werbeagentur h2com nach Trierweiler auf die Höhe.

War es die Ruhe des Vorortes, die Josef Hammen wieder an die Staffelei führte? Wer weiß das schon. Fakt ist, dass er die Malerei für sich neu entdeckte. Erst waren es kleine Bilder und Geschichten, mit denen er Kalender und Bücher illustrierte, was er auch heute noch in Zusammenarbeit mit Verlagen tut. Später folgten großformatige Portraits – realistische Motive mit einer überaus beeindruckenden Plastizität. Werke, die große Wände erforderten.

Auf seinen Wegen durch die Stadt entdeckte Josef Hammen immer wieder Motive, die malenswert waren; schließlich griff der diese Motive auf und brachte sie auf die Leinwand. Dann kam die Idee des Daily Paintings, eine Kunstform, die vor etwa zehn Jahren ihren Ursprung in den USA hatte. Seither ist er nahezu täglich auf den Weg durch die Stadt auf der Jagd nach dem neuen Motiv.

Konzentration auf das Wesentliche

Nach dem offiziellen Dienstende kommt der Umzug in die Malerklause des Eigenheims. Auf 20 mal 20 Zentimeter großen Leinwänden bringt Hammen seine fotografierten Eindrücke in Acryl und Öl auf die Leinwand. “Er legt dann eine komplette zweite Schicht ein, sitzt manchmal bis zu fünf Stunden, in seinem Atelier”, berichtet Ehefrau Susanne, die die Leidenschaft ihres Mannes nicht nur mitträgt sondern auch noch fördert.

Die kleinen Formate bringen eine besondere Herausforderung mit sich. “Man muss sich auf das Wesentliche konzentrieren“, sagt Josef Hammen. Deshalb zeigen viele seiner Bilder auch keine Komplett- sondern Teilansichten. Bei der Wahl seiner Motive lässt sich der Maler von verschiedenen Aspekten leiten. “Es gibt so viele interessante Details in unserer Stadt, die nur darauf warten entdeckt zu werden“, sagt er. Und die können von der Architektur beeinflusst sein, aber auch vom Zufall. Mal sind es farbige Akzente, mal sind es zwei spiegelbildlich angeordnete Busspuren. Längst hat der Künstler festgestellt, dass es sich lohnt, den Blick nach oben zu richten. So hat er in der Maarstraße ein einzelnes Haus entdeckt, das die übrigen Häuser um eine ganze Etage überragt. Oder der Drache auf dem Sims des Drachenhauses. Anderes wiederum spielt sich unmittelbar vor unseren Augen ab. Der Passant, der seinen Hund Gassi führt. Oder der Straßenmusikant, der mit seiner Gitarre in der Neustraße sitzt. Die Liste der Beispiele ließe sich hier beliebig fortführen.

Bilder führen zu Begegnungen

Das erste Quartal des Jahres 2016 ist bald vollendet, rund 90 Bilder hat Hammen bereits fertiggestellt. Nicht mehr alle sind noch zu kaufen, einige haben bereits Liebhaber gefunden. Mindestens 200 Euro kostet ein Bild. Reich kann Josef Hammen damit nicht werden. Aber vielleicht noch ein Stückchen zufriedener. Denn seine Bilder sprechen viele Menschen an. Bei einer ersten Präsentation auf dem “Markt der Künste“ in der Europäischen Kunstakademie habe er eine große positive Resonanz erfahren. “Viele Menschen sind vor meinen Bildern stehengeblieben und haben mir eigene, persönliche Geschichten zu meinen Motiven erzählt.“ Solche Begegnungen schätzt der Maler, geben ihm das Gefühl den richtigen Weg beschritten zu haben.

Trierer Ansichten en miniature

Trierer Ansichten en miniature.

Eines haben sowohl er wie auch seine Frau festgestellt: “Man befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess der künstlerischen Weiterentwicklung, der sich direkt in den Bildern niederschlägt.“ Diese Gewissheit treibt Josef Hammen an. Dass ihm im Laufe des Jahres die Motive ausgehen, davor hat er keine Angst. Er weiß, dass Trier hier ein großes Reservoir hat. Dazu kommen die verschiedenen Jahreszeiten oder das unterschiedliche Wetter. Wie beispielsweise die kleine Kapelle auf dem Markusberg, die Nebel und grauen Regenwolken trotzt. Dem gegenüber steht die Kapelle in Heiligkreuz in gleißendem Sonnenlicht. Gedeckte und strahlende Farben. Das sind die Kontraste, die die Sammlung von Josef Hammen so bunt und abwechslungsreich machen.

Jedes Quartal soll es eine neue Ausstellung geben. Wer nicht so lange warten kann, erhält über Hammens Facebook-Seite sowie im Internet unter josefhammen-fineart.de unter dem Reiter “Trier – Szenen einer Stadt” Einblicke in das bisherige künstlerische Schaffen mit den kleinen Formaten. Und natürlich finden sich hier auch seine anderen großformatigen Bilder. Es ist ein Ausflug ins Netz, der allemal lohnt. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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