Künftig Hitzewellen mit mehr als 43 Grad Celsius

Rund 500 Gäste kann Forstdirektor Gundolf Bartmann beim 4. Trierer Waldforum in der Europahalle begrüßen. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Die Sorge um den Wald treibt nicht nur die Forstwirtschaft und holzverarbeitende Industrie um. Viele Bürger nutzen den Wald als Naherholungsgebiet. Der extrem heiße Sommer 2018 hat aber auch dem Wald zu schaffen gemacht. Und es sieht so aus, als ob die Zahl der heißen Sommer weiter anhalten werde. Wie steckt der Wald das weg? Welche Gefahren drohen? Welche Möglichkeiten hat der Forst, diesen Gefahren zu begegnen? Das sind nur einige der Fragen, die das 4. Trier Waldforum am heutigen Freitag beschäftigten.

Als Ausrichter dieser Veranstaltung war der Leiter des Forstamtes Trier, Forstdirektor Gundolf Bartmann, bereits im Vorfeld begeistert. Denn schon bald nach Bekanntgabe des Termins zeichnete sich ab, dass das Konrad-Schuman-Haus das große Publikumsinteresse nicht fassen könnte. Weshalb die komplette Tagung kurzerhand in die Europahalle umzog. Was sich als eine kluge Entscheidung erwies: Bis kurz vor Beginn waren knapp 500 Anmeldungen eingegangen.

Brauchen endlich ehrgeizige Maßnahmen zur Entwicklung der Klimaziele

Wobei die Teilnehmer beileibe längst nicht alle Forstleute oder Waldbesitzer waren. Die Bundes- und Landespolitik war ebenso vertreten wie die Kommunalpolitik. Aber eben auch viele Bürger, die das Schicksal des deutschen Waldes nicht kalt lässt, was Gundolf Bartmann besonders freute. Denn eines machte diese Tagung schon zu Beginn deutlich: Um der Entwicklung gegensteuern zu können, bedarf es auch hoher finanzieller Mittel. Und die bekommt man nun einmal leichter, wenn mit den sachlichen Gründen auch ein gewisser Druck aus der Bevölkerung einhergeht. Eine Mahnung gab Bartmann den Politikern dann doch mit einem Zitat von Hans-Joachim Schellnhuber, dem früheren Leiter des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, mit auf den Weg: “Wir brauchen nicht immer ehrgeizigere Klimaziele für die Zukunft, wir brauchen endlich ehrgeizige Maßnahmen zur Entwicklung dieser Ziele – und zwar jetzt!”

Der Zustand des Waldes macht ihr Sorge: Umweltministerin Ulrike Höfken, hier mit Organisator Gundolf Bartmann.

Als grüne Politikerin und verantwortliche Ressortchefin weiß Staatsministerin Ulrike Höfken sehr wohl um den Zustand des Waldes. Sie fühle sich manchmal an die 80er Jahre erinnert, gestand sie dem aufmerksam lauschenden Publikum, als damals der saure Regen den Wald stark geschädigt habe. Dass die Klimaerwärmung die Ursache dafür ist, darüber bestand unter den Teilnehmern der Konferenz Konsens. Höfken führte aus, dass bereits 84 Prozent der Bäume deswegen stark geschädigt seien. Gegenüber dem Vorjahr bedeute diese dramatische Entwicklung eine Zunahme um elf Prozent, so die Ministerin. Eine Entwicklung, die sich auch direkt wirtschaftlich auswirke: Es gebe eine enorme Schadholzmenge, deren Größe auf etwa eine Million Festmeter geschätzt werde. Da dieses Holz rasch verarbeitet werden müsse, gehe damit auch ein starker Preisverfall einher. Zudem drohe bei anhaltenden heißen und trockenen Temperaturen ein noch stärkerer Borkenkäferbefall. Damit aber noch nicht genug: Auch die Jungbäume drohten zu vertrockneten. “Waldbesucher werden das alles schon längst entdeckt haben”, ist sich die Ministerin sicher.

Keine Entwarnung für die kommenden Jahre

Der Forst versuche zwar, dem Klimaproblem mit der Unterpflanzung von widerstandsfähigen Gehölzen zu begegnen, sagte Höfken. Wieweit das von Erfolg getragen werde, könne nur die Zeit erbringen. Entwarnung für die kommenden Jahre wolle und könne sie aber da noch nicht geben.

Mit Recht. Denn aus meteorologischer Sicht gibt es dazu auch keinen Anlass. Das machte Professor Günther Heinemann von der Universität Trier in seinem Vortrag klar. Zwar sei der Sommer 2018 bislang der heißeste Sommer gewesen, Hitzewellen mit Temperaturen über 40 Grad könnten aber in der Region durchaus zur Normalität werden. Auch für ihn ist klar: Die Ursache ist der Mensch. Den Spekulationen, wonach es im Mittelalter bereits wärmer war als heute, tritt Heinemann entschieden entgegen. Forschungen an Eisbohrkernen, Korallen und Sedimenten hätten für diese These keinen Beweis erbringen können. Viele der seit 1950 im Klima beobachteten Veränderungen seien deutlich stärker als in der Zeit zuvor. “Der Hauptanteil der Erwärmung von ca. 10 C in den letzten 50 Jahren ist mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 95 % durch den Menschen verursacht”, zeigt sich der Wissenschaftler sicher. Er hält es sogar für sehr wahrscheinlich, dass die Zeit von 1983 – 2012 wahrscheinlich die wärmste 30-Jahr-Periode der vergangenen 1400 Jahre war. Heinemann ist sich sicher: “Die globalen Temperaturen werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts um mehr als zwei Grad ansteigen.” Das 2-Grad-Ziel der internationalen Klimapolitik sieht der Klimaforscher relativ kritisch: “Das würde bedeuten, dass wir irgendwann negative Emissionen haben werden. Das ist zwar wissenschaftlich machbar, politisch aber sehr schwer durchsetzbar.”

“Der Klimawandel hat begonnen und damit die globale Erwärmung”

Gaben dem Klimaschutz bei der Veranstaltung eine Stimme: Schüler und Klimaaktivisten

Für die Zukunft prognostizierte der Redner zweimal jährlich Hitzewellen mit mehr als 430  C – “das hat natürlich für alle Menschen Auswirkungen.”

Sein Fazit: “Der Klimawandel hat begonnen und damit die globale Erwärmung, der Anstieg des Meeresspiegels und auch die Versauerung der Ozeane. Das gesamte Klimasystem wird sich ändern.” Das 2-Grad-Ziel könne nur eingehalten werden, wenn spätestens ab 2020 die CO2-Emissionen drastisch reduziert würden. “Eine Temperaturzunahme von 1 Grad hat bereits stattgefunden.” Entscheidend aber sei die akkumulierte Gesamt-Emission der kommenden Jahrzehnte, so der Wissenschaftler abschließend. (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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