“Kunstwerke sind keine Gefälligkeiten”

Sie freuen sich über das neue Kunstwerk in der Robert-Schuman-Allee: Oberbürgermeister Wolfram Leibe, Doina Banescu Tatoli und Ernst Hauer. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Zum zweiten Mal in seiner noch jungen Geschichte hatte der Verein “Kunstdünger” am Samstag auf dem Petrisberg in die Robert-Schuman-Allee zur Vernissage eingeladen. Vorgestellt wurde eine Installation der in Fort Worth lebenden Künstlerin Doina Banescu Tatoli.

Von Rolf Lorig

Kunst ist immer auch eine Ansichtssache. Fragt man vor Ort nach der neuen Installation, kann es schon mal passieren, dass der Gefragte mit einer Gegenfrage antwortet: “Meinen Sie die Wäschespinne?” Dem Berichterstatter ist genau das widerfahren. Und in der Tat liegt der Vergleich zu diesem Haushaltsgerät grob oberflächlich betrachtet erst einmal auf der Hand. Doch dann sollte man es so halten, wie Ernst Hauer, der Vorsitzende des Kunstvereins, es von den Bürgern einfordert: “Kunstwerke sind keine Gefälligkeiten, sie müssen auch nicht gefallen. Wenn Ihnen ein Werk aber nicht gefällt, geben Sie sich und der Erkenntnis eine zweite Chance.”

Und ja, genau das sollte man auch bei der Installation von Doina Banescu Tatoli so halten. Denn spätestens beim zweiten Blick erschließt sich dem Betrachter die Intention der Künstlerin: “Ich wollte in der Luft malen, ohne festen Untergrund, wollte die Weite nutzen, mein Bild transparent gestalten; wollte es so halten, dass es auch mit den Jahreszeiten lebt.”

Doina Banescu Tatoli ist in der Region keine Unbekannte. Von 2009 bis 2012 lebte die in Rumänien geborene Künstlerin in Trier-West. In dieser Zeit schuf sie einige Installationen, Beispiele finden sich an der Kurfürst-Balduin-Realschule plus, im Stadtteil Ehrang oder auch im Schulzentrum Saarburg.

Und nach der offiziellen Eröffnung wird von allen Anwesenden neuer Grassamen ausgebracht.

Ihre Arbeiten sind weithin sichtbar, was auch die jüngste räumliche Installation auf dem Petrisberg veranschaulicht. An sieben Masten mit sechs Abspannungen, im Boden sicher verankert mit 60 Meter Drahtseil, hat Doina Banescu-Tatoli 5500 Meter Polyesterfäden in den vergangenen beiden Wochen bei zum Teil brütender Hitze in bis zu fünf Metern Höhe gespannt und kunstvoll verknotet. Ernst Hauer hat sie die meiste Zeit dabei begleitet: “Mit nicht nachlassender Ausdauer hat sie gearbeitet, mit Besessenheit den Raum der Allee für das Objekt genutzt, um uns neue Aussichten, Ansichten und Anstöße zu geben.”

Wann kommt das Kunstwerk Nummer fünf?

Die Installation von Doina Banescu Tatoli ist bereits das vierte Kunstwerk, das der Verein “Kunstdünger” auf dem Petrisberg unterstützt und realisiert hat. Vor der Pathologie befindet sich das “Trio Trier” von Till Hausmann, am Eingang der Allee “Das farbige Objekt” von Daniel Janzarek und auf dem Hügel, in der Nähe vom Turm Luxemburg, “Das Objekt” von Polybros.

Dass das Budget eines Vereins mit nur 14 Mitgliedern nicht hoch sein kann, ist verständlich. Dass man es sich dennoch zur Aufgabe gemacht hat, die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern, ist aller Ehren wert. Unermüdlich suchen die Vereinsmitglieder deshalb neue Unterstützer und Förderer auf, um weitere Kunstwerke auf dem Petrisberg anbringen zu können. Für Oberbürgermeister Wolfram Leibe ist das ein lobenswertes Engagement das zeigt, “dass auch eine kleine Gruppe etwas bewegen kann.” Und ja – er freue sich schon auf das nächste kommende Kunstwerk…

Am Verein “Kunstdünger” soll es nicht liegen, meint Hauer, schließlich wolle man “die Mitwelt mit Kunst gestalten.” Vorsorglich hat er schon mal beim Tiefbauamt nachgefragt. Dort gebe es keine Einwände gegen weitere Kunstwerke in der Allee. Allerdings sei ihm vorsorglich mitgeteilt worden, dass für über drei Meter hohe Objekte eine Baugenehmigung erforderlich sei. Als ob er das nicht wüsste: “Für diese Installation von Doina Banescu Tatoli mussten wir einen Antrag mit 42 Seiten stellen…”


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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