Larún: Viel Kopfkino und eine Menge Potenzial

Larún spielte sich in Trier mit sanften Balladen und rhythmischen Klängen in die Herzen der Menschen. Foto: Rolf Lorig

TRIER. Irische Musik, das ist Lebensfreude pur. Am Samstag hatte die multinationale Gruppe Larún in den Großen Saal der Tufa eingeladen. Eine Einladung, der etwa 70 Besucher Folge leisteten.

Kaum ein Musikgenre der modernen Zeit ist derart bildreich wie die irische Musik. Was sich da vor dem geistigen Auge abspielt, ist Kopfkino vom Allerfeinsten und reicht von grünen Landschaften über fliegende Elfen bis hin zu steppenden Menschen. Eine Musik eben, die zur Bewegung einlädt, aber selbst Tanzmuffel noch zum Fußwippen animiert.

Soweit das Vorgeplänkel, kommen wir zum Konzert. Wenn sechs Menschen aus Deutschland, Frankreich, den USA und der Schweiz zusammenkommen, dann muss das musikalische Ergebnis nicht zwingend irische Musik heißen. Was im Fall von Larún aber dann doch der Fall ist. Zwar hat die Band nicht einen Iren in ihren Reihen, dafür aber Stefan Decker. Der deutsche hat ein Faible für irische Musik und zeichnet für etliche Kompositionen verantwortlich. Seine Querflöte ist ein tragendes Instrument, ebenso wie die Uilleann Pipes, der irische Dudelsack. Der wird an diesem Abend nicht von dem Spanier Borja Baragaño sondern von dem Schweizer Musiker Alex gespielt. Am Keyboard sitzt Catherine Kuhlmann, sie ist auch die Stimme von Larún. Die zweite Frau im Team ist die Halbamerikanerin Franziska Urton, die mit ihrer Geige ein weiteres prägendes Instrument einbringt. Bleiben noch Cornelius Bode an der Gitarre und Markus Pede am Rhythmus-Instrument Bodhrán.

Man kann den sechs jungen Musikern die Spielleidenschaft nicht absprechen. Schon nach relativ kurzer Zeit springt der Funke über. Glück für die Besucher in der Tufa: Da der Vorverkauf längst nicht so gut wie erhofft gelaufen war, hatte man sich für eine Club-Bestuhlung entschieden. Heißt, dass im ersten Drittel des Raumes eine Tisch-Stuhl Kombination gegeben war, es dann eine kleine Freifläche gab und erst dann die “normalen” Stuhlreihen folgten. Womit in der Tat auch die Möglichkeit zum Tanz gegeben war, sofern man denn wollte. Ein Angebot, das denn auch einige der Besucherinnen dankend annahmen.

Das erhoffte Kopfkino fand bei den Klängen von Larún ebenfalls statt. Die sechs Musiker harmonierten prächtig miteinander, heizten die Stimmung mit ihrer quirligen und fröhlichen Musik gut an. Sehr schön dabei die warme Stimme von Catherine Kuhlmann, die vor allem die Balladen zu einem besonderen Moment machte.

Also alles perfekt? Nicht ganz. Insbesondere die schnellen, fordernden Stücke glichen einander zu sehr. Was fehlte, waren Vielfalt und Nuancierungen. Nach einer gewissen Zeit hörte sich dann alles wie nach dem gleichen Strickmuster gefertigt an. Möglich, dass das noch eine Frage des musikalischen-sich-Findens ist. Denn Larún spielt gerade mal etwas mehr als ein Jahr zusammen. Dass hier eine Menge Potenzial vorhanden ist, davon konnten sie die Besucher in Trier ein Bild machen. Ob und wie dieses Potenzial genutzt wird, davon wird man sich vielleicht im nächsten Jahr ein Bild machen können. Denn auch, wenn an diesem Abend noch nicht mal 100 zahlende Gäste gekommen waren – Larún will nach eigener Aussage im kommenden Jahr wieder in die Tufa kommen… (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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