‟Lebt der Oberbürgermeister in einer Luxusvilla?”

Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Intendant Karl Sibelius stellen sich den Fragen der Rathaus-Kinder. Fotos: Rolf Lorig

Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Intendant Karl Sibelius stellen sich den Fragen der Rathaus-Kinder. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Alle Kinder freuen sich auf die großen Ferien. Für die Eltern aber ist das oft keine leichte Situation. Wie überbrückt man sechs Wochen? Denn dummerweise haben Eltern eben nicht so viele Ferientage wie die Kinder.

Im Trierer Rathaus dachte der damalige Oberbürgermeister Klaus Jensen gemeinsam mit dem Personalrat darüber nach und fand eine Lösung: Die Rathaus-Kids. Beschäftigte der Stadtverwaltung kümmern sich nun im fünften Jahr für die Dauer von zwei Wochen um Kinder von Kolleginnen und Kollegen.

Die gelernte Erzieherin Desiree Mieszaniec ist von Anfang an dabei und leitet die Aktivitäten. Im ersten Jahr seien nur etwa 20 Kinder gekommen, erinnert sie sich. Doch das habe sich in den Folgejahren rasch verändert. Aktuell müssen 58 Kinder im Alter von vier bis 14 Jahren betreut werden. Das kann eine Person alleine natürlich nicht leisten. Desiree Mieszaniec wird von einer größeren Gruppe von Rathaus-Mitarbeitern unterstützt. Wöchentlich sind es etwa zehn bis elf Frauen und Männer, die sich auf das Abenteuer Kinderbetreuung einlassen.

War es bislang der Rathaussaal, der als Basis für alle Unternehmungen diente, musste in diesem Jahr die Gruppe wegen der dort stattfindenden Umbauarbeiten ein neues Domizil finden. Und das befindet sich aktuell im Foyer des Stadttheaters, wo Intendant Karl Sibelius dem Nachwuchs den benötigten Platz eingeräumt hat.

Gerade arbeitet Theaterpädagogin Krisztina Horvath mit den Kindern an einem Theaterstück, als sich prominenter Besuch unter den Nachwuchs mischt. Oberbürgermeister Wolfram Leibe will sich selbst ein Bild von den  Aktivitäten machen. Er kennt die Situation der Eltern nur zu gut, musste früher zusammen mit seiner Frau oft improvisieren. Er findet die Idee seines Vorgängers großartig, zumal sie die Mitarbeiter über die Kinder auch zusammenführe. Für ihn ist es deshalb keine Frage, dass diese Aktion fortgeführt wird.

Auch Intendant Karl Sibelius nimmt sich Zeit für die Rathaus-Kinder.

Auch Intendant Karl Sibelius nimmt sich Zeit für die Rathaus-Kinder.

Mittagessen bei McDonalds?

Da auch Intendant Karl Sibelius anwesend ist, nutzen die Kinder die Gelegenheit zu einer kurzen Gesprächsrunde, bei der dann aber doch der Oberbürgermeister im Blickpunkt des Interesses steht. Ein Junge will wissen, was es denn am Tag zuvor mit dem großen Polizeiaufgebot vor dem Rathaus auf sich hatte. Leibe erklärt ihm, dass das der chinesische Justizminister war, der mit seinem deutschen Amtskollegen in Trier zu Gast war. Ob man denn mit der Gruppe mittags zu McDonalds zum Essen gegangen sei, fragt ein anderer Junge. Dem Finanzdezernenten gefällt die Idee, Leibe lacht. Nein, die Stadt müsse zwar sparen, deshalb hätte man trotzdem in ein anderes Restaurant eingeladen. Im vorliegenden Fall aber habe die Bundesregierung das Essen bezahlt. Es habe einen Salat gegeben, Fisch und zum Dessert Topfenknödel. Die kennen die Kinder nicht, da springt Intendant Sibelius gerne ein und erklärt die österreichische Spezialität. Und weil der OB den Kindern vorher erzählt hatte, dass beim Treffen der beiden Justizminister auch die Frage der Menschenrechte angesprochen wurde, fragt er in die Runde, ob jemand diesen Begriff kenne. Klar, meint ein etwa sechsjähriges Mädchen, dabei gehe es darum, dass Frauen auch ohne die Begleitung von Männern sich frei bewegen dürfen. Ein etwa achtjähriger Junge meint, dass dazu auch gehört, dass Menschen alles tun und lassen dürfen, solange niemandem Schaden zugefügt werde. Und ein etwa gleichaltriges Mädchen bringt es dann auf den Punkt: ‟Jeder Mensch hat die gleichen Rechte!”

Bekommt der Oberbürgermeister von der Stadt auch Geld?

Doch dann geht es weniger politisch weiter: Was die Lieblingsfarbe des OB sei? ‟Blau‟, antwortet der, allgemeine Zustimmung wird laut. Ob man als OB auch Geld von der Stadt bekomme? Leibe lächelt. Er kennt den kleinen Mann: ‟Ja. Und das überweist mir dein Papa jeden Monat.” Der Kleine strahlt stolz und zufrieden. Ein anderes Kind will wissen, ob der Oberbürgermeister in einer normalen Wohnung oder in einer Luxusvilla lebt. Wieder muss Leibe lachen. Die Stadt habe in der Tat früher eine Villa besessen, die dem Oberbürgermeister als Dienstwohnung zur Verfügung gestellt wurde. Doch diese Villa sei schon vor 30 Jahren verkauft werde, heute lebe ein Oberbürgermeister in einer ganz normalen Wohnung wie andere Menschen auch.

Und dann die typische Frage: ‟Wie alt sind Sie?” Leibe nickt und schmunzelt: ‟55 Jahre.” Die Kinder schauen sich an: ‟Ganz schön alt!” Ein Junge triumphiert: ‟Mein Papa ist erst 47.”

Und so geht die Fragerunde noch eine Weile weiter. Am Ende bekommt eine Gruppe dann die Möglichkeit, für die Ferienzeitung noch ein Exklusivinterview mit dem Oberbürgermeister führen zu können. Und das nehmen beide Seiten auch richtig ernst. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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