Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein

Ein großer Schritt für Barbara: Hausmeister Harald Felten, Dr. Frank Simons, Schulleiterin Hanne Modrow und Dezernent Andreas Ludwig (v.l.) am Montag in Trier-Süd.

Ein großer Schritt für Barbara: Hausmeister Harald Felten, Dr. Frank Simons, Schulleiterin Hanne Modrow und Dezernent Andreas Ludwig (v.l.) am Montag in Trier-Süd.

TRIER. Ein kleiner Schritt für Trier, ein großer für die Schülerinnen und Schüler der Barbara-Grundschule im Süden der Stadt. Schuldezernent Andreas Ludwig (CDU) und Dr. Frank Simons, der Leiter der städtischen Gebäudewirtschaft, haben am Montag die frisch sanierte Turnhalle der Grundschule offiziell an Schulleiterin Hanne Modrow übergeben. Seit März 2015 war die Halle gesperrt, der Sportunterricht in die nahe Feuerwache und auf den Sportplatz ausgelagert. Ursprünglich sollten die ABC-Schützen ihre Halle nach den Sommerferien wieder nutzen können. Doch ein Wasserschaden durch Rohrbruch verzögerte die Arbeiten. Ludwig bezifferte die Kosten der Sanierung auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. “Die genaue Summe können wir erst nennen, wenn alle Rechnungen vorliegen”, sagte Simons.

Einen Dezernenten auf Knien am Boden sieht man auch nicht alle Tage. Die Schülerinnen und Schüler der Barbara-Grundschule in Trier-Süd durften dieses Privileg am Montag genießen. Ludwig saß im Kreis der Kinder und fachsimpelte mit diesen über die liebsten Sportarten. Natürlich Fußball, aber auch Handball und Basketball waren die Favoriten. Über dem Sitzkreis mit dem Dezernenten strahlte die neue Decke in blendendem Weiß, an den Wänden lockten saubere Holzverschalungen zum Ballspielen. Aber vor dem Spaß die Pflicht: also erst noch ein paar Sätze mit dem städtischen Schulchef wechseln, bevor es wieder ans Toben und Spielen gehen durfte.


Zum Thema “Das geht in Richtung Abenteuer hier”


Dass die Halle in Trier-Süd nun wieder für den Sport zur Verfügung steht, ist mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn sie wird nicht für den Schulsport, sondern auch von Vereinen genutzt. Entschärft ist die Sporthallenkrise der Stadt damit aber noch nicht. Schul- und Baudezernat, die seit der Umstrukturierung im Stadtvorstand durch Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) im Mai vergangenen Jahres unter der Regie von Ludwig von stehen, arbeiten nach wie vor unter Hochdruck an der Entschärfung der weiter angespannten Situation.

Nach dem GAU vor mehr als zwölf Monaten, als die Stadt ein gutes Dutzend ihrer Sporthallen schließen oder teilweise sperren musste, zeigt sich jetzt Licht am Ende des Tunnels. Die Hallen an den Grundschulen in Mariahof und Ehrang sind wieder freigegeben und ohne Einschränkungen nutzbar. Das gilt auch für die Hallen der Bezirkssportanlagen in Feyen und Trier-West, in denen die schadhaften Decken entfernt wurden. Höchste Priorität genießen nun die Hallen an den beiden Gymnasien Friedrich-Wilhelm und Humboldt. Auch dort müssen die Deckenkonstruktionen erneuert werden, damit Ballsport wieder erlaubt werden kann.


Zum Thema “Nicht nur Läuse, sondern auch Flöhe”


Hier wie auch in Ruwer und in Medard sollen die Planungen im ersten Quartal 2016 abgeschlossen sein. In Taforst (Grundschule) sind derzeit noch die Gutachter an der Arbeit. Hier müssen sogenannte Querzüge in der Deckenkonstruktion verstärkt und Rissverpressungen vorgenommen werden. Die Halle “Unter Gerst” genießt aktuell keine Priorität, da ihre weitere Nutzung noch nicht abschließend geklärt ist. Für die Koordination der Planungen ist Elke Sahle als technische Leiterin der Gebäudewirtschaft zuständig. Sie hatte auch die Arbeiten an der Barbara-Halle vorangetrieben. Die Rundumsanierungen von Feyen und Trier-West sind inzwischen im Kommunalen Investitionsprogramm (KIP) des Landes angemeldet. “Da erhoffen wir uns demnächst die Förderzusagen”, sagte Ludwig.

Sitzkreis mit Dezernent: Andreas Ludwig fachsimpelt mit den Schülerinnen und Schülern der Barbara-Grundschule.

Sitzkreis mit Dezernent: Andreas Ludwig fachsimpelt mit den Schülerinnen und Schülern der Barbara-Grundschule.

Auch für Triers größtes Sporthallen-Problem gibt es einen Hoffnungsschimmer. Die marode Halle am Schulzentrum in Ehrang wurde von der Stadt bereits im vergangenen November im einmaligen Programm “Sanierung kommunaler Einrichtungen Sport, Jugend und Kultur” des Bundesbauministeriums angemeldet. 100 Millionen Euro stellt der Bund insgesamt zur Verfügung. Ludwig nannte am Montag die Kosten für die Sanierung der Halle am Mäusheckerweg. 5,6 Millionen Euro würde diese kosten, 90 Prozent sind zuschussfähig. “Allerdings”, so Ludwig, “liegt die Obergrenze bei vier Millionen Euro.” Somit müsste die Stadt 1,6 Millionen Euro selbst aufbringen. Zum Vergleich: Ludwigs Vorgängerin Simone Kaes-Torchiani (CDU) hatte die Kosten der Zelthalle, die als Ausweichstätte für die Ehranger Halle dienen sollte, mit zwei Millionen Euro beziffert. Die Pläne seiner Vorgängerin hat der neue Baudezernent inzwischen gestoppt.


Zum Thema “Das ist keine Luxus-Sanierung”


“Da die Halle am Mäusheckerweg eine Sportstätte mit überregionaler Bedeutung ist”, so Ludwig, “hoffe ich natürlich, dass wir in das Bundesprogramm aufgenommen werden.” Der Christdemokrat sucht für “das große Problem in Ehrang eine große Lösung”. Die Planungsvorbereitungen für Ehrang laufen jedenfalls bereits. Bliebe noch das Problem der Halle am Wolfberg, die zwar nutzbar ist, deren Zuschauerzahl aber eingeschränkt bleibt. Auch hier sucht die Stadt nach Fördermöglichkeiten – entweder im KIP oder in einem weiteren Programm des Bundes.

Die Gesamtkosten für die Hallensanierungen sind derzeit laut Ludwig und Simons noch nicht überschaubar. Sie dürften aber – auch ohne Mäusheckerweg und Wolfsberg – weit im siebenstelligen Bereich liegen. Bei der Barbara-Halle hatte die Stadt übrigens Glück im Unglück. Der Boden wurde durch den Wassereinbruch, der die Sanierungsarbeiten verzögert hatte, nicht in Mitleidenschaft gezogen. “Wir hatten zunächst befürchtet”, so Simons, “dass wir auch den Boden erneuern müssen, aber das war dann zum Glück nicht notwendig.” (et)


Drucken
Erstellt am Autor Eric Thielen in Featured, Politik Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.