Mehr Klimaschutz war das Anliegen der Jugend

Dass die Teilnehmerzahl von 1100 bis 1300 zu optimistisch gegriffen war, verdeutlicht diese Aufnahme. Dennoch weist sie eine beeindruckende Zahl von Teilnehmern aus. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. “Friday for Future” – unter diesem Motto gab es am heutigen Freitag weltweit 1700 Kundgebungen und Schülerstreiks für den Klimaschutz, alleine in Deutschland waren rund 200 angekündigt. Auch in Trier versammelten sich auf dem Domfreihof mehrere Hundert Schüler und Studierende. Sie zogen über den Hauptmarkt, die Brot- und Neustraße über den Viehmarkt zum Rathaus, wo sich Oberbürgermeister Wolfram Leibe dem Protestzug stellte.

Dass sich so viele junge Menschen für ein gemeinsames Ziel starkmachen, verblüffte in Deutschlands ältester Stadt viele Passanten. “Haben die nicht eigentlich Schule?” Ein Satz, der den Protestzug über die gesamte Strecke begleitete. Während die einen die Protestler feierten, äußerten andere wiederum Unverständnis. Allerdings nur in einem Punkt: “Ich finde das toll, dass die junge Generation erkannt hat, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann”, sagte eine ältere Dame. Kein Verständnis aber hatte sie dafür, dass man für den Protest die Schule hatte ausfallen lassen. “Das hätte man doch auch an einem Samstag oder Sonntag organisieren können.”

Mehrere Hundert Teilnehmer bei der Demo

Möglicherweise. Und möglicherweise hätte das Anliegen dann auch qualitativ an Gewicht gewonnen. Quantitativ dagegen verloren. Ein solches Anliegen braucht aber nun mal eine gewisse Quantität. Und darauf hatten die Veranstalter der Trierer Demo auch gehofft. “Wir waren heute zwischen 1100 und 1300 Teilnehmer”, rief eine Sprecherin den jubelnden Mitdemonstranten am Ende der Veranstaltung zu. Was aber reines Wunschdenken war: Die Polizei habe die Teilnehmerzahl auf etwa 700 geschätzt, wusste Oberstaatsanwalt Thomas Albrecht zu berichten.

Lautstark verschafften sich die Jugendlichen bei ihrem Zug durch die Stadt Gehör. “Wir wollen keine Kohle”, skandierten sie und “Hier sind wir. Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft raubt.” Und auch die Forderung nach einem kostenlosen Öffentlichen Personen-Nahverkehr machte die Runde…

Doch was genau fordert die Jugend von einer Kommune wie der Stadt Trier? Diese Forderungen trug die Schülerin Amelie vor dem Rathaus vor, wo Oberbürgermeister Wolfram Leibe eine große Sympathie für das Engagement der Jugendlichen zum Ausdruck brachte. Doch zuvor hatte Amelie das Wort. Und sie forderte ein Pfandsystem für Bechergetränke, mehr Natur statt versiegelter Flächen, Begrünung von Dachflächen, in Mensen und Küchen mehr regionale Zutaten anstelle von mit Flugzeug und Schiff importierten Lebensmitteln, weniger Fleisch und dafür mehr vegetarische und vegane Alternativen sowie konkrete Maßnahmen gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in Supermärkten. Mehr noch: Die Schüler forderten eine verbesserte Radwege-Infrastruktur in der Stadt und dafür die Rücknahme von Autos aus dem Stadtbild. Und bevor der OB darauf antworten konnte, betonte Amelie die Dringlichkeit der Anliegen: “Es ist nicht Ihre Zukunft, Herr Leibe, es betrifft unsere Zukunft. Wir haben Angst, dass es unsere Zukunft am Ende nicht gibt.”

Am Rathaus trägt Amelie dem OB die Forderungen der Schüler vor.

OB begrüßt das Engagement der Schüler

Das mochte der dann doch so nicht stehen lassen. Ja, er begrüße das Engagement der Schüler, sagte er mit einem leichten Lächeln, denn das betreffe auch seine Zukunft: “Ich habe nicht vor, schon innerhalb der nächsten fünf Jahre zu versterben.” Da schmunzelten alle, denn klar, keiner hatte das so gemeint…

Dass er der Oberbürgermeister aller Trierer, also auch der Schüler, ist, veranschaulichte er mit seinem nächsten Satz: Angesichts eines solchen Anliegens komme es nicht auf jede Schulstunde an, meinte er und erntete dafür den tosenden Applaus der jungen Demonstranten. Den Schülern, die brav in ihren Klassen im dahinter befindlichen Humboldt-Gymnasium gesessen haben, werden die Ohren geklungen haben, so sie das mitbekommen konnten. Er könne nun lange darüber sprechen, was die Stadt in den letzten beiden Jahren schon alles für den Klimaschutz getan habe, meinte er. Und beschränkte sich dann doch auf einige wenige Stichworte. Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf sparsame LED-Technik, Umgestaltung von Schulhöfen hin zu mehr Grün, mehr Fahrradwege in der Stadt. Es gebe unendlich viel zu tun, das habe man längst erkannt und arbeite auch daran. Aber es sei eine Flut an Aufgaben, die eine Stadt alleine nicht bewältigen könne. “Hier müssen Kommunen, Länder, Bund und die Europäische Union zusammen aktiv sein.” Zur Bewältigung aller Aufgaben müsse man global denken und regional arbeiten. Trier sei eine der wenigen Großstädte in Deutschland, die einen kommunalen Entwicklungsplan besäßen. Zur Diskussion und Vorstellung dieses Plans am 20. März um 18 Uhr in den Viehmarktthermen lud der Oberbürgermeister die begeistert jubelnden Jugendlichen ausdrücklich ein. Hier könne man konkrete Arbeit erleben, die für eine Kommune nicht selbstverständlich sei. Je mehr Menschen sich dafür interessierten, umso mehr könne diese Botschaft in die ganze Welt getragen werden.

Was Nachhaltigkeit in Trier bedeute, lasse sich am Bau der Porta Nigra ermessen: “Wenn ihr es schafft, Greta (Thunberg, Anm. d. Red.) nach Trier zu bekommen, die Porta Nigra steht fast 2000 Jahre und sie wurde tatsächlich so gebaut, dass sie nachhaltig ist. Und das ist der erste Ansatz.” (-flo-)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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