Menschen beruhigen und helfen

Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens sind der Einladung zur Vorstellung der neuen Räumlichkeiten gefolgt. Fotos: Rolf Lorig

Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens sind der Einladung zur Vorstellung der neuen Räumlichkeiten gefolgt. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Seit Juli 2016 haben die Trierer Selbsthilfegruppen (SEKIS), die Ehrenamtsagentur und die Refugee Law Clinic (RLC) Trier in der Gartenfeldstraße 22 eine gemeinsame Adresse. Gemeinsam stellten die drei Einrichtungen sich nun am gestrigen Mittwoch während einer Eröffnungsfeier vor. Wobei der Schwerpunkt naturgemäß auf der jüngsten der drei Einrichtungen, der RLC, lag.

SEKIS-Geschäftsführer Carsten Müller-Meine und der Trierer RLC-Vorsitzende Ammar Bustami haben allen Grund zur Zufriedenheit. Zahlreiche Gäste sind der Einladung gefolgt; in erster Linie ist es Fachpublikum. Aber auch die Politik und die Wirtschaft haben ihre Repräsentanten entsandt. Dicht an dicht stehen die Menschen im Seminarraum, um den Worten der beiden Männer zu lauschen. Die aber wollen keine Selbstdarstellung betreiben sondern den Gästen breiten Raum für das Gespräch und den Erfahrungsaustausch bieten.

Drei Redner, die sich ebenfalls kurz fassen, stehen dann aber doch auf der Liste. Ministerpräsidentin Malu Dreyer macht den Anfang. Persönlich konnte sie nicht kommen, wird deshalb via Video zugeschaltet. Sie stellt heraus, dass geförderte Ehrenamtsagenturen eine Besonderheit des Landes Rheinland-Pfalz sind, und betont den Stellenwert des Ehrenamtes in der Gesellschaft. Ihr besonderer Dank gilt der RLC, deren ehrenamtliche Arbeit eine besondere Unterstützung für die Flüchtlinge sei. Daran knüpft Oberbürgermeister Wolfram Leibe an. In Trier gebe es 1800 Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, sagt er. Natürlich seien diese Menschen eine kulturelle Bereicherung. Allerdings gelte es aber auch, die Flüchtlinge “mit unserer Kultur und unserem System vertraut zu machen, um so zu einem funktionierenden Miteinander zu gelangen”. Leider verfüge er über keine großen Mittel, um die Arbeit des RLC auch finanziell unterstützen zu können. Dennoch überreicht er abschließend Ammar Bustami einen Scheck über 500 Euro für die RLC.

Studenten engagieren sich

Zusammen für Trier: OB Wolfram Leibe, SEKIS-Geschäfsführer Carsten Müller-Meine, RLC-Vorsitzender Ammar Bustami und Uni-Präsident Michael Jäckel.

Zusammen für Trier: OB Wolfram Leibe, SEKIS-Geschäfsführer Carsten Müller-Meine, RLC-Vorsitzender Ammar Bustami und Uni-Präsident Michael Jäckel.

Dass der Soziologe und Trierer Universitätsprofessor Michael Jäckel die Arbeit der RLC wertschätzt, versteht sich eigentlich von selbst. Schließlich engagieren sich hier vor allem Studenten für die Flüchtlinge. Für seine Ansprache hat er einen Satz mitgebracht, den er einem Buch von Bodo Kirchhoff entnommen hat: ‟Jeder Mensch beruhigt sich, wenn man seine Hand nimmt.” In Deutschland gebe es aktuell etwa 30 RLC-Einrichtungen. In Trier habe die Universität die Arbeit dieser Klinik vom ersten Augenblick an vor allem in rechtlichen Fragen begleitet. Für das kommende Sommersemester erwartet Jäckel die ersten Studenten aus den Reihen der Flüchtlinge, die sich intensiv auf ihre Zeit an der Universität vorbereitet hätten. Auch er hat ein Präsent für Bustami dabei: Einen Jahreskalender der Universität, auf dessen erster Seite der Satz steht: ‟Die Universität Trier setzt Signale!” Dieser Satz, und damit schließe sich der Kreis, gelte mit Sicherheit auch für die Arbeit der RLC.

Das Schlusswort liegt dann bei Ammar Bustami. Für den RLC sei es sehr wichtig, von der Stadt und von der Universität Unterstützung zu erhalten. Diese gute Anbindung wirke sich positiv auf die hier geleistete ehrenamtliche Arbeit aus. (rl)

Extra

SEKIS ist die Abkürzung für Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle. Die SEKIS Trier betreut neben der Stadt Trier auch die sieben Landkreise Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Kusel, Trier-Saarburg und Vulkaneifel. Die Selbsthilfe gliedert sich in die Themenbereiche Gesundheit, Krankheit, Behinderung; Allgemeine Lebensbewältigung; Seelische Probleme, psychische Erkrankungen; Suchtprobleme, Suchterkrankungen.

Ehrenamtsagentur Trier: Die Ehrenamtsagentur Trier fördert bürgerschaftliches Engagement in der Stadt Trier. Hier werden alle beraten, die sich einbringen und mitgestalten wollen. Dabei werden Kontakte zu gemeinnützigen Organisationen und Initiativen, Vereinen und Verbänden vermittelt, die ehrenamtliche Mitarbeiter suchen. Dringend benötigt werden aktuell Demenzbegleiter, Helfer für Rollstuhlbasketballer und Helfer für die Kleiderkammer Asylbegehrender.

RLC Trier, das ist die Refugee Law Clinic Trier mit 160 Mitgliedern. Hierbei handelt es sich um einen gemeinnützigen Verein von Trierer Studierenden und sonstigen Aktiven, der Flüchtlingen ehrenamtlich eine kostenlose Rechtsberatung im Asyl- und Ausländerrecht anbietet. Zudem unterstützt der Verein Asylsuchende bei sonstigen rechtlichen und administrativen Herausforderungen. Derzeit betreut der RLC Trier 44 Mandanten. (rl)


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

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