Millionen-Projekt – ECE und Jensen planen Megabau

Die Vorarbeiten für den Magabau am Augustinerhof haben offenbar schon begonnen.

Die Vorarbeiten für den Megabau am Augustinerhof haben offenbar schon begonnen.

TRIER. Die internen Überlegungen im Trierer Rathaus zur Zukunft des Theaters gehen offenbar weit über die bisher bekannten Planungen hinaus. Mit dem Entwurf für ein riesiges Bauprojekt, das Theater, Rathaus und Humboldt-Gymnasium vereint, hat sich der ehemalige Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) von seinem Amt verabschiedet. Damit will sich der Sozialdemokrat nachträglich doch noch als Baumeister in die Trierer Geschichtsbücher schreiben. Im nichtöffentlichen Teil der letzten Stadtratssitzung hat Jensen bereits über entsprechende Pläne für den Augustinerhof informiert. Demnach befand er sich noch vor seinem Abschied in Verhandlungen mit der Entwicklungsgesellschaft ECE. Sein Nachfolger im Amt, Wolfram Leibe, unterstützt das Projekt offensichtlich, will aber erst nach seiner Amtsübernahme am 1. April die Öffentlichkeit informieren. Derweil haben die Grünen bereits erbitterten Widerstand angekündigt. Notfalls wollen sie einen Bürgerentscheid erzwingen.

Auch das Theater soll in den Megabau integriert werden.

Auch das Theater soll in den Megabau integriert werden.

Jensen, der seit dem letzten Wochenende in Urlaub weilt, war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dafür haben die Trierer Grünen auf die entsprechenden Informationen prompt reagiert. “Jensen hat nichts dazugelernt”, empört sich Petra Kewes, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Trierer Stadtrat. Kewes kündigt erbitterten Widerstand gegen das Vorhaben an. “Wir wollen keinen Megabau am Augustinerhof, und schon gar nicht mit ECE! Genauso wie bei dem von Jensen heimlich geplanten Konsumtempel am Viehmarkt werden wir auch jetzt wieder breit mobilisieren. Sollte der Protest nicht fruchten, behalten wir uns einen Bürgerentscheid vor.”

Mit dem riesigen Bau, der nach internen Schätzungen rund 150 Millionen Euro kosten soll, will die Verwaltung offenbar drei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Raumnot im Humboldt-Gymnasium beseitigen und in Rathaus und Theater Platz schaffen für ausgelagerte Ämter und Teilbereiche. So zog zuletzt das Schulamt in das ehemalige Katasteramt in der Sichelstraße; der Stadtrat hat bereits im April 2013 die Erstellung eines Verwaltungsflächenkonzepts beschlossen. Auch Teile des Theaters sind über die ganze Stadt verteilt − wie etwa Proberäume oder das Kulissenlager. Mit den ersten, wohl vielversprechenden Planungen wurde das saarländische Ingenieurbüro “Schwenker&Grill” beauftragt. Dort soll Jensen nach weiteren Informationen nach seinem Abschied vom Trierer Rathaus als Honorar-Berater tätig werden.

Die Trierer Grünen kündigen erbitterten Widerstand gegen das Projekt an. Notfalls wollen sie einen Bürgerentscheid erzwingen.

Die Trierer Grünen kündigen erbitterten Widerstand gegen das Projekt an. Notfalls wollen sie einen Bürgerentscheid erzwingen.

Um für alle drei Einrichtungen Platz zu schaffen, soll sich der geplante Megabau praktisch über den gesamten Augustinerhof erstrecken. Durch den millionenschweren Neubau sollen die Betriebskosten für die Stadt optimiert und ferner jährlich ein sechsstelliger Betrag an Mieten eingespart werden. Mit diesen Argumenten versuchte Jensen den Rat in einer turbulenten und hochemotionalen Sitzung, bei der die verbalen Giftpfeile zwischen den Bänken hin und her flogen, hinter verschlossenen Türen für sein Vorhaben zu gewinnen. Sogar die Finanzierung des gigantischen Vorhabens habe er bereits geklärt: Mit Triwo und ECE könne Trier mit dem PPP-Projekt drei Probleme auf einmal lösen, sogar die Verträge seien bereits in Vorbereitung.

Seilbahn könnte Zustimmung bringen

Mit den Grünen sei der Monsterbau nicht zu machen, sagt Dominik Heinrich.

Mit den Grünen sei der Monsterbau nicht zu machen, sagt Dominik Heinrich.

“Mit uns Grünen ist dieser Monsterbau nicht zu machen”, sagt Dominik Heinrich, Ratsmitglied und Ortsvorsteher in Mitte/Gartenfeld. “Abgesehen davon, dass ein Megabau am Augustinerhof eine wichtige Kaltluftschneise und Lebensraum für bedrohte Tierarten wie die Gelbbauchunke, die moselfränkische Weinameise und die römische Tempeltaube zerstören würde, gefährdet ein Eingriff in das sensible Terrain eine der bedeutendsten archäologischen Stätten in Trier”, warnt Heinrich. Experten vermuten auf dem Gelände bedeutende treverische Siedlungsspuren aus dem 2. Jahrhundert vor Christus; sie gehen sogar davon aus, dass dort Reste eines Epona-Tempels gefunden werden könnten. “Außerdem ist der Hochbunker am Augustinerhof ein bedeutendes Denkmal, das baulich unangetastet bleiben muss und als Gedenk- und Erinnerungsstätte für bauliche Fehlentscheidungen in Trier genutzt werden sollte.”

Mit dem Megabau soll auch die Raumnot am Humboldt-Gymnasium gelöst werden.

Mit dem Megabau soll auch die Raumnot am Humboldt-Gymnasium gelöst werden.

Die Grünen hatten schon im Kommunalwahlprogramm 2014 mehr Aufmerksamkeit für öffentliche Plätze in der Stadt gefordert und möchten am Augustinerhof einen Park verwirklicht sehen. “Wenigstens einen positiven Aspekt haben diese Planungen”, meint die mobilitätspolitische Sprecherin Dr. Anja Reinermann-Matatko. “Für den Megabau müssen jede Menge Parkplätze weichen.” Weiter merkt sie an: “Ich könnte mir vorstellen, den Planungen zuzustimmen, wenn die Anbindung des Megabaus an die Höhenstadtteile mittels einer Seilbahn gewährleistet wird.” Klaus Jensen jedenfalls zeigte sich in der Stadtratssitzung diesem Vorschlag der Grünen gegenüber nicht abgeneigt. Die endgültige Entscheidung dürfte allerdings erst am 19. Mai in der ersten Ratssitzung unter der Regie des neuen Oberbürgermeisters Wolfram Leibe fallen. (rt/te)


Drucken
Erstellt am Autor trier reporter in Featured, Politik 2 Kommentare

2 Kommentare zu Millionen-Projekt – ECE und Jensen planen Megabau

  1. Boosi

    April, April!!!!

     
  2. Mario Hau

    Der eigentliche Witz ist, dass die Grünen die Bürger entscheiden lassen wollen 😀

     

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.