Mit Abitur aufs “goldene Ruhekissen”

Pasquale Buccio. Foto: Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg

TRIER. Stuckateurmeister Pasquale Buccio hat am Max-Planck-Gymnasium Werbung für sein Handwerk gemacht. Nicht als einziger. “Ist jemandem bewusst, in was für einem Gebäude ihr seid?”, fragt Buccio in die Elfklässlerrunde am Max-Planck-Gymnasium. Den Baustil möchte er wissen. “Gotik”, sagt ein Schüler. Fast. Es ist Neugotik.

Buccio ist gekommen, um das Stuckateurhandwerk vorzustellen. Es gibt auch Abiturienten, die eine Ausbildung anfangen. Olaf Fackler, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Trier-Saarburg, hatte zuvor bei der Begrüßungsrede erklärt, welche Vorteile das bietet. Zum einen können Abiturienten direkt im zweiten Lehrjahr einsteigen, und zum anderen bei guten Leistungen noch mal ein halbes Jahr verkürzen.

So kann man in eineinhalb Jahren einen Gesellenbrief erwerben und im Studium darauf aufbauen. “Wenn das Studium dann doch nicht passt, ist so eine Ausbildung ein goldenes Ruhekissen”, sagt Fackler. Und nach einem erfolgreichen, akademischen Abschluss profitiere man von der praktischen Berufserfahrung.

Buccio spricht auch von dem gesellschaftlichen Auftrag, historische Bauwerke zu erhalten, denn Stuckateure bringen nicht nur Putze an und machen den Innenausbau und Trockenbau, sondern sind auch Restaurateure. “In Ehrang haben wir eine Renaissance-Kirche aus dem 15. Jahrhundert restauriert.” Es gibt nur noch wenige, die so etwas können. “Wer soll das historische Gut künftig erhalten?”, fragt Buccio. Obendrein verdient ein Stuckateur nicht schlecht. In der Ausbildung gibt es am Ende fast 1500 Euro brutto.

Mit alten Gebäuden kennen sich auch die Bezirksschornsteinfegermeister Michael Lehnert und Herbert Lex aus. Zumindest mit alten Kaminen. Lehnert lässt die Schüler mit einer Handhaspel ein Ofenrohr fegen. Lex erklärt derweil andere Werkzeuge, etwa um die Dichtheit von Abgasanlagen im Haus zu prüfen oder ein Messgerät für die Feuchtigkeit von Holz. “Im Schnitt sollte Holz zwei Jahre trocken lagern, bevor es in den Ofen kommt”, sagt Lex.

Unten auf dem Schulhof fragt Mechatroniker-Meister Max Ferring vom Autoservice Albert Buschmann Schüler, was an einem Auto regelmäßig gewartet werden müsse. Motoröl, Luftfilter, Bremsen: Den Schülern fällt viel ein, dabei hat erst einer von ihnen einen Führerschein. Anschließend zeigt Ferring, wie detailliert man mit einem Laptop und der nötigen Software ein Auto untersuchen kann.

Gleich mit zwei Ausbildungsbotschaftern, die selber noch Auszubildende sind, ist Tobias Keller von der Firma Brohl Wellpappe gekommen: Celina Loyd und Alexander Kohn – beides Industriekaufleute in spe. Die Firma für Verpackungen rund um Wein und Spirituosen mit Sitz in Föhren bildet auch Medientechnologen (Drucker), Packmitteltechniker, Mechatroniker, Maschinen- und Anlagenführer und Fachkräfte für Lagerlogistik aus.

Viktor Leikam, Projektleiter und Ausbildungsmeister bei der Elektroplanungsfirma Wilh. F. Schmitz GmbH, räumt derweil mit Vorurteilen auf. “Es bewerben sich so viele Leute, die keine Ahnung haben”, sagt Leikam. Elektroniker würden heute nicht mehr primär Wände aufstemmen, um Kabel zu legen. Mittlerweile gehe es mehr um Automatisierungstechnik. Neben ihm steht ein Kasten mit einer Lampe und Schaltern. Leikam nimmt sein Smartphone und dimmt damit das Licht. “Mit der App kann ich auch Jalousien steuern oder einen Timer einrichten.” Leikam nutzt diese Technik auch bei sich zu Hause. (tr)


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Erstellt am Autor trier reporter in Die Reporter-Meldungen, Featured Hinterlasse einen Kommentar

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