Mit guter Laune und positiver Energie unterwegs

William, Arndt, René, Hannes und Werner (von links) – zusammen sind sie “basta”. Fotos: Rolf Lorig

TRIER. Wer in Trier zu den Freunden der A-Capella-Musik gehört, hat mit Sicherheit den Tufa-Kalender immer fest im Blick. Denn alle Jahre wieder kommt “basta” in die Moselstadt. Und wenn sie dann da sind, dann haben sie gute Laune und beste Musik im Gepäck. Ein Mix, der anzieht. Folglich hieß es am Donnerstagabend dann auch “Ausverkauft”. Ärgerlich für diejenigen, die zu lange mit dem Ticketkauf gewartet hatten. Doch gut für den Veranstalter…

Von Rolf Lorig

Seit dem vergangenen Herbst tourt die Kölner Band mit ihrem neuen Programm “In Farbe” durch die Republik. Hamburg mögen sie weniger. Trier dagegen sehr, sagt William Wahl. “Weil man da nicht übernachten muss.” Im Publikum gibt es enttäuschte “Och”-Rufe. Nein, stellt er sofort klar, der Grund sei ganz einfach: er schlafe nicht gut in Hotelbetten, ziehe das eigene Bett zuhause vor. Im Publikum scheint es manchem ähnlich zu gehen, verständnisvolles Nicken quer durch die Reihen.

Ja, wenn es darum geht, den Nerv des Publikums zu treffen, dann sind die Kölner erste Sahne. Musikalisch sind sie das ohnehin. Denn wenn es darum geht, Botschaften auf witzige Weise zu verpacken und das Ganze dann auch noch musikalisch perfekt zu servieren, dann macht dem Quintett so schnell niemand was vor. Und selbst wenn sich da mal ein kleiner Fehler einschleicht, etwa, wenn Werner Adelmann bei einem Solo wegen eines Hustenanfalls patzt, was macht das schon? Dann lächeln die fünf Jungs einfach ins Publikum und machen weiter, als wäre nichts geschehen. Wahre Profis, eben. Profis, die die Sympathien ihres Publikums gut 90 Minuten an ihrer Seite haben. Klar, 90 Minuten kann man kaum mit einer neuen CD füllen. Da muss dann auch schon mal der ein oder andere ältere Song ran. So what? Beschwerden gab es da keine. Ganz im Gegenteil. Auch olle Kamellen haben ihren Reiz. Besonders dann, wenn sie so herrlich unbeschwert dargeboten werden. Den Spaß, den man in den Gesichtern von Arndt Schmöle, der Mann für die tiefen Töne, William Wahl und René Overmann – die beiden Gründungsmitglieder der Band – sowie der Offenburger Hannes Hermann, er gehört seit 2016 zu “basta” – entdeckt, muss einfach echt sein. Sonst hätte sich die Band ähnlich wie die Wise Guys vermutlich schon längst wieder aufgelöst.

Gute Laune und eine hohe musikalische Qualität ist das Aushängeschild von basta.

Was man so oder ähnlich erlebt hat

Die Songs der neuen CD spiegeln allesamt Situationen, die jeder im Saal so oder ähnlich schon mal erlebt hat. Etwa wenn in dem Song “Zu spät” das Schicksal beklagt wird, dass man immer zu spät gekommen ist oder reagiert hat, so dass Andere sich über den Hauptgewinn freuen konnten. Ober bei “Ich komm nicht mehr mit”, wo Fremdbegriffe und neue Techniken besungen werden, die dem nicht so ganz sprach- und technikaffinen Menschen das Leben schwermachen.

Zugegeben, der erste Teil des Konzertes erweckt schon mal hin und wieder den Eindruck, die Gruppe würde langsam in ihre Depri-Phase abgleiten. Ein Eindruck, der nicht nur durch die Texte, sondern auch durch einen ganz besonderen Schlabberlook bei der Kleidung ganz bewusst herbeigeführt wird. Dazu passt denn auch die Ansage von William, man habe eine neue Choreographie, “die wir zum Teil auch schön können.” Alles nur Show. Und die ist gut!

Für den zweiten Teil des Konzertes kommen dann alle im Anzug auf die Bühne. Beginnt jetzt der seriöse Teil? Quatsch! Dazu sind die Jungs einfach zu gut drauf. Wieder halten sie dem Publikum den Spiegel vor, amüsieren sich über sinnfreie und Sinn-Sprüche, fragen sich nach dem Sinn von Wandtattoos, wünschen sich Reggaeton im Altenheim und verwünschen den aufdringlichen Gondoliere in Venedig, den sie zum Schluss noch nahe der Seufzerbrücke versenken. Ähnlich böse, doch niemals bösartig, ihre Version vom ABBA-Song “Chiquitita”, den sie zum Kita-Song “Schicke Kita” ummünzen. Auszug: “Unser Sohn Korbinian-Flynn, Ist ein ganz besonderes Kind. Aber Claudi will bald in ihr’n Beruf zurückgeh’n. Kindergartenplätze sind rar. Und die meisten Kitas nicht gut genug. Denn unser Sohn soll schon in ‘ne wirklich schicke Kita…”

Gute Laune und positive Energie, das ist der richtige Mix, dem Publikum mal den Spiegel vorzuhalten, ohne dass es gleich beleidigte Schnuten gibt. Dass diese Rezeptur einmal mehr auch in Trier funktionierte, bewiesen die standing ovations am Ende des Konzertes, das auch drei Zugaben beinhaltete.

Sichwort Zugaben: Eine weitere wird es am 7. November geben. Denn dann kommt William Wahl alleine nach Trier. Und stellt in der Tufa dann seine “Wahlgesänge” vor. Man darf gespannt sein…


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Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Kultur Hinterlasse einen Kommentar

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