Mit Kampfliedern und Demo für ein gerechtes Europa

Auf der Strecke vom Hauptmarkt durch die Stadt und zurück schlossen sich viele Menschen der Demo an.

TRIER. Es war ein Abweichen vom altherbekannten Protokoll: Regelmäßig lädt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am 1. Mai zur Kundgebung ein. In diesem Jahr gab es davor noch eine Demonstration. “Der aktuelle Anlass ist die Europawahl, die mit den Kommunalwahlen zusammenfällt. Das Erstarken der rechtspopulistischen Parteien und die Befürchtung, dass diese bei beiden Wahlen zugewinnen werden, veranlasst uns die Menschen zu einem Demozug aufzurufen, der das Motto trägt: ‘Auf die Straße für ein solidarisches und gerechtes Europa”, erläuterte der Trierer DGB-Chef James Marsh die Motivation. Und wenn es noch Zweifler gegeben haben sollte, ob bei dem vorhergesagten guten Wetter überhaupt genügend Menschen den Weg zur Demo finden würden, sahen diese sich am heutigen Morgen getäuscht.

Obwohl, wer gegen 10.45 Uhr bereits auf dem Hauptmarkt war, konnte schon seine Zweifel haben. Die wenigen Menschen, die da zu sehen waren, hatten alle Hände voll mit dem Aufbau der Stände zu tun. Die großen Einzelgewerkschaften zeigten Flagge, auch der OGBL, die Gewerkschaft der deutschen Grenzgänger in Luxemburg, war vertreten.

Unterschiedliche Anliegen an ein Europa.

Mit Fahnen unterwegs

Während sich etliche Gastronomen mit Ständen und Imbiss-Bussen auf den erhofften Ansturm vorbereiten, testete James Marsh auf der Bühne die Laustsprecher. Und berichtete dabei so ganz nebenbei, dass die Demo auch für Fußkranke geeignet sei. Man habe nachgemessen: Insgesamt sei die Strecke etwa 2,5 Kilometer lang. Und gerade so, als habe er damit die Menschen motiviert, kamen sie mehr und mehr auf den Hauptmarkt. Der Platz vor der Bühne wurde zunehmend bunter, was vor allem an der Farbe der Fahnen lag, die die Besucher mitgebracht hatten. Es waren vor allem die Fahnen der Einzelgewerkschaften. Aber auch die von politischen Parteien wie “Die Linke” oder “Die Grünen”. Die SPD hatte ihre Fahne zu Hause gelassen und war mit der Europa-Fahne gekommen. Auch einige CDU-Mitglieder waren zu sehen, doch die schwenkten keine Fahnen, zeigten sich aber solidarisch.

Bei der Aufstellung fiel auf, dass Oberbürgermeister Wolfram Leibe fehlte. Er war gerade in Großbritannien unterwegs und ist seit gestern Abend wieder in Trier. Keine Sorge, beruhigte James Marsh, zur Kundgebung sei der OB da.

Und dann ging es los: durch die Sternstraße vorbei am Bischofshof zum Mustor. Rund 170 Leute hatten sich dem Zug angeschlossen. Ihre Anzahl wuchs allerdings unterwegs mehr und mehr. Mit Trillerpfeifen und einer fahrbaren HiFi-Anlage machten die Demonstranten auf sich aufmerksam. Aus den Lautsprechern schallten gewerkschaftliche Kampflieder im Wechsel zu Pop und Oldies. In Höhe der ADD erklang “War” von Edwin Starr. Der musikalische Protest gegen den Krieg passte irgendwie gut zum Anlass, bei dem es weniger um gewerkschaftliche Anliegen denn um Frieden und Wohlstand in Europa ging.

Marschieren und demonstrieren für Europa.

Eine Demo, die Rücksicht nimmt

Durch die Ostallee zog der Zug, abgesichert durch die Polizei. Die Menschen, die nicht dabei waren, wollte man nicht verärgern. Eine Fahrspur blieb für den Verkehr frei. In der Theodor-Heuss-Allee sogar die komplette Fahrbahn, hier marschierte der Zug unter Bäumen über den Fußgängerbereich. Weiter ging es an der Porta Nigra vorbei, wo vor allem asiatische Touristen die Gelegenheit für Fotos von der Demo nutzten. Gegen 11.40 Uhr waren alle wieder auf dem Hauptmarkt, wo sie vom aromatischen Geruch frisch gebratener Hamburger sowie von der Musik von Klaus dem Geiger empfangen wurden.

Danach war erst einmal Mittagspause angesagt. Zeit genug, sich vor den Kundgebungen zu stärken. (-flo-)


Drucken
Erstellt am Autor Rolf Lorig in Featured, Gesellschaft Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse einen Kommentar

* Eingabe erforderlich (Pflichtfelder). Die Redaktion behält sich vor, Lesermeinungen zu kürzen. Es besteht kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihrer zugesandten Meinungen. Die Angabe eines Klarnamens ist nicht erforderlich.